100 Episoden
- Berührendes Stimmenspiel aus dem «Heim». In ihren schlecht funktionierenden Körpern eingesperrt, bleibt vier Figuren nichts, als immer wieder ihre Geschichten zu erzählen. Auch wenn nur einer da ist, der zuhört – der zuhören muss, weil es sein Job ist, neben dem Waschen und so: «Die Mütze».
Wenn Kinder in einem Schuh nach der Mutter Ausschau halten, ein Onkel durch die Zimmerwand entschwebt und ein Mann Mitte fünfzig weinend im Gras auf der Wiese liegt … Wenn der Vater behauptet, dass er dich liebt und dich dann nicht nur auf den Mund küsst – und du nicht weglaufen kannst, weil dir die Beine nicht gehorchen … Wenn du mit solchen Gedanken allein bist, dann bleibt dir oft nichts anderes, als auf «Die Mütze» zu warten. Alle im Heim nennen ihn nur «Die Mütze». Er ist Anfang zwanzig und hat nur Party im Kopf. Party, Party, Party – zumindest behaupten das die, um die er sich kümmern soll.
Wenn du für einen einzigen Satz so viel Zeit brauchst, dass manche schon wieder weg sind, bevor du ihn ganz ausgesprochen hast; oder dir nichts bleibt, als die Bäume im Park zu fragen: «Warum ich? Warum ausgerechnet ich?», und die verdammten Bäume mal wieder keine Antwort geben – dann hockst du da, gefesselt an deinen Stuhl, schaust dich im imaginären Spiegel an und erinnerst dich an das Haus im Schuh, den Onkel, den Ring, den kleinen Bruder, die Reise nach Polen, den Affenkäfig, an Paul und an Gurken zwischen den Beinen …
Es sind auch die Tabletten, die die Wahrnehmung vernebeln, Traum und Wirklichkeit vermischen. Klar. Du magst es ja selbst nicht glauben, kannst dich kaum rühren, wartest auf «die Mütze», dass er dich endlich duscht … wartest und wartest und weisst: Es ist doch wahr.
Hugo Rendler kennt die Figuren seines Stücks gut. Sie wohnen alle zusammen unter einem Dach. Der Autor hat lange mit ihnen gesprochen, sich ihre Geschichten, Gedanken und Ängste angehört. Aus seinen Notizen hat er ein skurriles, wahrhaftiges, berührendes Stimmenspiel komponiert.
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Mit: Victoria Trauttmansdorff (Marie), Anne Müller (Lea), Isabelle Menke (Doro), Jürgen Heider (Till), Elias Eilinghoff (Mütze)
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Komposition: Hannah Schwegler – Interpretation: Francesca Santangelo (Marimba), Chara Ioannou (Akkordeon), Hannah Schwegler (Cello und Elektronik) – Tontechnik: Basil Kneubühler – Regie: Mark Ginzler
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Produktion: SRF 2018
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Dauer: 78’ - Ein Ehemann ertappt seine Frau beim Seitensprung und bekommt vom Liebhaber ein Kaufangebot, das er annimmt. Die verkaufte Frau ermöglicht ihm ein Leben in Reichtum, ihr und ihrem Liebhaber eine Romanze. Aber die Halbwertzeit des Glückes ist hüben und drüben begrenzt.
Der grosse russische Dichter machte sich zuerst als Autor von Kurzprosa einen Namen, bevor er als Dramatiker zu Weltruhm gelangte. Einen beträchtlichen Teil seiner Satiren, Humoresken und Erzählungen schrieb er in den 1880er Jahren neben seinem Studium im Auftrag von Zeitungen und Zeitschriften, und zwar nicht zuletzt, um mit den Honoraren das Stipendium aufzubessern, mit dem er seine verarmte Familie unterstützte. «Lebende Ware» entstand 1882.
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Mit: Charles Brauer, Klaus Brömmelmeier, Fabienne Hadorn, Vincent Leittersdorf, Maya Preiswerk, Roberta Gandolfi und Noël Gehrig
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Aus dem Russischen von Peter Urban – Tontechnik: Vreni Palm – Musik: Anatol Liadov – Hörspielfassung und Regie: Claude Pierre Salmony
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Produktion: SRF 2004
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Dauer: 73’ - Dialoghörspiel rund um den Kunsthandel. Jonas hat sich einen Traum erfüllt: Endlich besitzt er ein Bild von Gerhard Richter. Doch das Glück währt nur kurz, denn schon steht der Verdacht im Raum, dass er eine Fälschung gekauft hat. Und das wirft nicht nur seine Ehefrau Paula aus der Bahn.
Wer das Hörspiel am Radio hören will:
Samstag, 24.10.2026, 20.00 Uhr, Radio SRF 2 Kultur
Handelt es sich bei Kunstfälschung eigentlich um ein Kavaliersdelikt oder muss man nicht eher von Wirtschaftskriminalität sprechen? Immerhin gelten Kunstwerke mehr denn je als wichtige Investmentanlage. Die gezahlten Summen sind astronomisch. Wie kauft man heute eigentlich ein Gemälde – orientiert man sich nur am reinen Marktwert oder darf Geschmack noch eine Rolle spielen? Kann man Kunst überhaupt emotionslos bewerten?
Fragen über Fragen wirft das Hörspiel des österreichischen Autors Robert Woelfl auf und gibt nachhaltige Einblicke in den Kosmos «Kunstmarkt», in dem Illusion und Idealismus in einem aufreibenden Wechselspiel mit Verdinglichung und Rendite stehen.
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Mit: Cathrin Störmer (Paula) und Klaus Brömmelmeier (Jonas)
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Musik: Johannes Hofmann – Tontechnik: Tom Willen – Regie: Susanne Janson
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Produktion: SRF 2015
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Dauer: 51’ - Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek feiert am 20. Oktober ihren 80. Geburtstag.
In ihrem Hörspiel von 1974 spielt die Österreicherin mit gesellschaftlichen Klischees, die bis heute noch verblüffend aktuell sind. Denn noch immer gilt: «Das Leben ist wie ein Heftli-Roman.»
Wer das Hörspiel am Radio hören will:
Freitag, 23.10.2026, 20.00 Uhr, Radio SRF 1
Gabi ist eine Durchschnittsfrau, als solche wird sie zumindest beschrieben. Sie arbeitet als Verkäuferin in einem Warenhaus. Eines Tages begegnet sie dort Markus, ein gestandener Mann, unverheiratet und reich. Was als Romanze beginnt, entwickelt sich zur tragischen Verbindung und nimmt ein jähes Ende.
Mit dem virtuos aus sprachlich-musikalischen Mustern des Trivialgenres komponierten Hörspiel begann vor mehr als 45 Jahren die Laufbahn der österreichischen Schriftstellerin Elfriede Jelinek. Schon ganz zu Beginn ihrer Karriere hat Jelinek Texte für das Medium Radio geschrieben. Und bereits da wurde hörbar, wie die spätere Nobelpreisträgerin mit Stimmen, Gestimmtheiten und Zwischentönen spielt. Das funktioniert sogar auf Berndeutsch wunderbar.
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Mit: Ariane Roggen (Gabi), Peter Arens (Markus), Rosemarie Wolf (Freundin), Susi Aeberhard (Reporterin), Georges Pilloud (Moderator), Richard Matusczyk (Wirt), Attilio Gasparini (Arzt) u.a.
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Berndeutsche Übertragung: Susi Aeberhard – Regie: Amido Hofmann
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Produktion: SRF 1974
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Dauer: 48’ - Eine Tramfahrt durch Zürich, flüchtige Begegnungen und Menschen mit ihren kleinen und grossen Geschichten: Das Hörstück «Die Fragwürdigen» ist eine poetische Collage über den Alltag und die leisen Momente dazwischen.
Wer das Hörspiel am Radio hören will:
Freitag, 16.10.2026, 20.00 Uhr, Radio SRF 1
Es sind fragile Figuren, die durch die Textsammlung «Die Fragwürdigen» huschen: listige und lustige, schwermütige und leichtfüssige. Seismografisch beschreibt die junge Schweizer Autorin Judith Keller in Kürzestgeschichten, Miniszenen und Prosastücken Menschen, die fast unbemerkt durch ihren Alltag stolpern.
Unterwegs durch die Stadt Zürich ist man im Hörstück «Die Fragwürdigen». Angelegt ist diese Collage wie eine Tramfahrt. Man sieht die Menschen verloren am Strassenrand stehen oder an der Tramhaltestelle warten, sieht sie durchs Fenster ihrer Wohnung am Tisch sitzen. Männer und Frauen, Gesichter, die an uns im Alltag vorüberziehen, jede und jeder hat seine kleine Geschichte. Albertine fühlt sich aufgehoben und schwebt plötzlich hoch über dem Boden, eine Liebe, die nur dank der Lüge hält, ein Schattenwurf fügt zwei Männer aneinander, Anatol geht einer Arbeit nach, bis er mit ihr nicht mehr Schritt halten kann.
Verbindende Stimme ist die «weit hergeholte Frau». Unbeirrt und oft nachts geht sie dem Tramliniennetz der Stadt entlang, von Haltestelle zu Haltestelle, und verweilt an diesen Knotenpunkten, die dann plötzlich verlassen und leer dastehen.
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Mit: Lara Körte (weit hergeholte Frau), Urs Jucker (männliche Stimme 3), Jeanne Devos (weibliche Stimme 4), Linda Olsansky (weibliche Stimme 3), Anna-Katharina Müller (weibliche Stimme 2), Thomas Douglas (männliche Stimme 4), Jonas Rüegg (männliche Stimme 1), Fritz Fenne (männliche Stimme 2), Miriam Japp (weibliche Stimme 5), Jessica Cuna (weibliche Stimme 1), Irina Schönen (Haltestellen-Ansage)
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Bearbeitung und Regie: Simona Ryser – Musik: Philipp Schaufelberger – Stimme und Glasharfe: Anna Trauffer – Tontechnik: Roli Fatzer und Ueli Karlen
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Produktion: SRF 2020
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Dauer: 51’
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