Ausgeglaubt: ein RefLab-Podcast
Manuel Schmid & Stephan Jütte

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- Was bleibt von einer Religion, wenn ihre Kirchen leerer werden, ihre Institutionen an Bedeutung verlieren und immer weniger Menschen ihre Glaubenssätze teilen? Vielleicht überraschend viel. Vielleicht ist die Geschichte der Säkularisierung nämlich nicht nur eine Geschichte vom Verschwinden des Christentums – sondern auch eine seines Erfolgs.
Ausgehend von Stephans Reise nach Luxor und der irritierenden Erfahrung, vor den gewaltigen Überresten einer Religion zu stehen, die ihre eigenen Tempel um Jahrtausende überlebt haben, fragen wir: Woran würden wir eigentlich erkennen, dass das Christentum verschwunden ist? An leeren Kirchen? Fehlenden Pfarrpersonen? Oder erst dann, wenn auch seine Vorstellungen aus unserer Kultur verschwunden sind?
Mit Tom Hollands These vom christlichen Erbe der westlichen Welt diskutieren wir, wie viel Christentum noch in scheinbar säkularen Überzeugungen steckt: in Menschenwürde und Menschenrechten, im moralischen Vorrang der Opfer, in Solidarität, Sozialstaat und der Sorge für die Schwachen. Ist Säkularisierung vielleicht auch eine gewaltige Übersetzungsleistung – Diakonie wird Sozialstaat, Nächstenliebe Solidarität, Schöpfungsverantwortung ökologische Ethik?
Doch dann wird es theologisch heikel: Wenn sich das Christentum vollständig in säkulare Begriffe übersetzen liesse – wozu bräuchte es dann noch das Christentum? Was geht verloren, wenn aus dem Glauben nur noch Ethik wird? Wir suchen nach dem unübersetzbaren Rest und landen bei Gnade, Gebet und der eigentümlichen Erfahrung, von Gott angenommen und geliebt zu sein.
Passend dazu berichtet Stephan im Stossgebet von seinen erstaunlich zahlreichen und ausgesprochen ernst gemeinten Gebeten auf ägyptischen Landstrassen. Und Manu bringt ein Halleluja mit, das ordentlich Bass hat: ein Hip-Hop-Erlebnis, das offenbar auch religiöse Qualitäten entfalten konnte.
Eine Folge über tote Götter und lebendige Werte, Säkularisierung als Verlust und Erfolg – und über die Frage, was vom Christentum bleiben muss, damit es noch Christentum ist. - Felix Nmecha und Jonathan Tah beten nach dem Spiel auf dem Rasen – und plötzlich ist der Kulturkampf wieder da. Für die einen ist das öffentliche Frömmigkeit, die in einer modernen Gesellschaft nichts verloren hat. Für die anderen ein ermutigendes Zeichen gegen den Bedeutungsverlust des Christentums. Doch was verrät diese Debatte eigentlich über unsere Gesellschaft?
In der letzten Folge vor der Sommerpause fragen wir, warum religiöse Symbole heute gleichzeitig als harmlos und als gefährlich wahrgenommen werden. Ist öffentlich gelebter Glaube ein Problem für die offene Gesellschaft oder gerade Ausdruck ihrer Freiheit? Warum wird evangelikales Christentum oft als politische Bedrohung diskutiert, obwohl die Säkularisierung ungebrochen voranschreitet? Und wem gehört eigentlich die Öffentlichkeit: nur den säkularen Stimmen oder auch den religiösen?
Wir sprechen über Religionsfreiheit, kulturelle Fremdheitsgefühle, die Rolle von Migration für das Christentum in Europa und über die Frage, ob die eigentliche Gefahr vielleicht weniger im öffentlichen Beten liegt als in der politischen Instrumentalisierung von Religion. Und natürlich landen wir am Ende bei Jesus selbst, der erstaunlich skeptisch gegenüber jeder Form religiöser Selbstdarstellung war.
Im Stoßgebet leidet Manu heldenhaft und nicht ganz ohne Selbstmitleid unter den Zumutungen des Hochsommers. Im Halleluja berichtet Stephan von einigen Tagen in Warschau und seiner spontanen Liebe zu einer Stadt, die ihn völlig unerwartet begeistert hat.
Mit dieser Folge verabschieden wir uns in die Sommerpause. Ausgeglaubt macht Ferien und kehrt am 12. August mit neuen Gesprächen zurück. Bis dahin wünschen wir euch einen schönen Sommer, gute Begegnungen und genügend Gründe zum Staunen. - Jean Ziegler ist tot – streitbar, widersprüchlich, prophetisch. Für uns ist sein Tod Anlass zu fragen: Wie politisch ist christlicher Glaube, wenn er das Evangelium ernst nimmt?
In dieser Folge sprechen Stephan und Manuel über Jean Ziegler: den Globalisierungskritiker, UNO-Sonderberichterstatter, Marxisten – und gläubigen Christen. Ziegler sah in der Bergpredigt den revolutionärsten Text der Menschheitsgeschichte und sagte: «Ein Kind, das an Hunger stirbt, wird ermordet.» Was bedeutet ein solcher Satz theologisch? Wann wird Glaube zur politischen Kraft? Und wo kippt prophetischer Furor in Vereinfachung, Selbstgerechtigkeit oder problematische Nähe zu Macht?
Ausgehend von Ziegler diskutieren wir auch das unterschiedliche Glaubensverständnis von Jean Ziegler und Christoph Blocher. Beide berufen sich auf christliche Überzeugungen, ziehen daraus aber sehr unterschiedliche politische Konsequenzen. Was sagt das über das Verhältnis von Evangelium und Politik aus? Gibt es eine spezifisch christliche Sicht auf Gerechtigkeit, Freiheit und Verantwortung – oder lässt sich der Glaube grundsätzlich in verschiedene politische Richtungen übersetzen?
Eine Folge über Hunger, Gerechtigkeit, Jesus als Stachel im Fleisch der Welt – und die Frage, wie Christentum unpolitisch politisch sein kann. - In dieser Folge sprechen Stephan und Manuel über die neue Religion der Sicherheit. Ausgangspunkt ist ein merkwürdiges Paradox: Moderne Gesellschaften sind in vieler Hinsicht sicherer geworden als frühere Generationen – und doch wächst das Bedürfnis nach noch mehr Absicherung, Kontrolle und Prävention. Je mehr Risiken wir erkennen, desto stärker scheint die Angst zu werden, dass etwas übersehen, falsch eingeschätzt oder nicht verhindert werden könnte.
Dabei fragen wir, ob Sicherheit heute mehr ist als ein politisches Ziel oder ein persönliches Bedürfnis. Wird sie zu einem säkularisierten Heilsversprechen? Versuchen moderne Gesellschaften, mit Versicherungen, Präventionslogiken, Resilienzprogrammen und Schutzkonzepten etwas zu leisten, was früher religiös verhandelt wurde: Trost, Geborgenheit, Kontingenzbewältigung, vielleicht sogar Erlösung vom Bösen?
Theologisch wird es dort spannend, wo der christliche Glaube nicht einfach zusätzliche Sicherheit verspricht. Im Gegenteil: Die reformatorische Tradition unterscheidet zwischen falscher Sicherheit und Glaubensgewissheit. Glaube bedeutet nicht, alles im Griff zu haben, sondern sich dem Unverfügbaren anzuvertrauen. Nicht Kontrolle steht im Zentrum, sondern Geborgenheit. Nicht die Vermeidung jedes Verlusts, sondern die Hoffnung, dass der Verlust nicht das letzte Wort hat.
Eine Folge über Angst und Vertrauen, Prävention und Freiheit, Sicherheit und Geborgenheit – und über die Frage, ob eine Gesellschaft, die jedes Risiko vermeiden will, noch lieben, hoffen und gerecht handeln kann. - Manche Ereignisse lassen sich einordnen und bleiben doch unheimlich. In dieser Folge sprechen Manuel und Stephan über Gewalt, Schuld und die Grenzen dessen, was sich erklären lässt.
Nach dem Messerangriff von Winterthur begann sofort die Suche nach Erklärungen. War der Täter psychisch krank? Islamist? Haben die Behörden versagt? Solche Fragen stellen sich nicht nur in diesem Fall. Auch nach Hanau, Würzburg oder dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz versuchten Politik, Medien und Öffentlichkeit, Gewalt zu verstehen, einzuordnen und ihre Ursachen zu benennen.
In dieser Folge fragen wir, was vom Bösen bleibt, wenn wir aufgehört haben, vom Bösen zu sprechen. Moderne Gesellschaften erklären Gewalt psychologisch, politisch oder sicherheitstechnisch. Das ist ein Fortschritt. Aber entsteht dadurch nicht auch die Erwartung, dass alles Verstehbare letztlich beherrschbar und jede Gewalttat vermeidbar sein müsste? Und was geschieht mit unserem Weltbild, wenn diese Erwartung enttäuscht wird?
Im zweiten Teil des Gesprächs wenden wir den Blick auf das Christentum. Gibt es dort Ressourcen, die helfen können, mit Unsicherheit, Verletzlichkeit und menschlicher Gewalt umzugehen? Dabei bleiben wir an einem Satz Jesu hängen: «Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit.» Vielleicht steckt darin eine überraschend aktuelle Einsicht: dass Freiheit ohne eine starke Idee von Gerechtigkeit kaum bestehen kann.
Im Stossgebet beklagt sich Manuel über die olfaktorischen Begleiterscheinungen des nahenden Sommers in Bus und Bahn. Und im Halleluja erzählt Stephan von einer Radtour durch eine Welt, die wieder duftet, blüht und in voller Schönheit explodiert.
Eine Folge über das Böse nach dem Ende des Teufels, die Grenzen unserer Erklärungen und die Frage, was eine gerechte Gesellschaft zusammenhält.
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Über Ausgeglaubt: ein RefLab-Podcast
Was heisst das eigentlich, Christ zu sein? Woran glauben Christen und was können sie getrost aufgeben? Logisch, dass sich Manuel Schmid & Stephan Jütte dabei nicht immer einig sind. Aber sie versuchen in diesem Podcast zusammen herauszufinden, was für sie wirklich zählt und was ihnen eher im Weg steht. Und klar: Beide wissen es auch nicht wirklich. Aber vielleicht regt es dich an zum Mitdenken. Oder es regt dich auf und du magst mit ihnen streiten. Oder du schreibst ihnen einfach mal, was du nicht mehr glauben kannst oder musst oder willst.
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