Als sich Rom 272 v. Chr. nach dem Fall Tarents (siehe Folge #40) zur Herrin der italischen Halbinsel aufschwang, stand am westlichen Horizont bereits jene Macht, mit der es das Schicksal des gesamten westlichen Mittelmeers ausfechten sollte: Karthago. Doch während Rom in diesem Augenblick eine knapp fünfhundert Jahre alte, junge Bauernrepublik war, blickte Karthago bereits auf eine über fünfhundertjährige Geschichte zurück – und hinter Karthago lag wiederum eine noch ältere Welt: die der Phönizier, jener Seefahrer aus dem Gebiet des heutigen Libanon, die das Alphabet, den Purpur und das Fernhandelsimperium erfanden, lange bevor in Latium die ersten Hütten auf dem Palatin standen.
Diese Folge erzählt deshalb keine Schlacht, sondern eine Vorgeschichte. Sie fragt: Wer waren die Phönizier? Warum verließen sie den Osten und zogen nach Westen? Wie wurde aus einer tyrischen Kolonie an einem afrikanischen Naturhafen die größte Seemacht des Abendlandes? Und vor allem – und das ist der rote Faden dieser Folge – in welcher Korrelation mit den anderen Großmächten der Zeit vollzog sich dieser Aufstieg? Denn Karthago entstand nicht im luftleeren Raum. Sein Werden ist untrennbar verflochten mit den Assyrern und Babyloniern, mit den Persern, den Griechen Siziliens, den Etruskern, mit Alexander dem Großen und den hellenistischen Königen – und am Ende mit Rom.