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Morgenimpuls

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  • Morgenimpuls

    Du hast uns im Blick

    20.08.2026 | 4 Min.
    Wenn man jetzt in den Ferien an der Autobahnauffahrt Brühl-Süd vorbeifährt, dann sieht man dort morgens oft lange Schlangen. Alle wollen in den Freizeitpark. Ein Ort voller Achterbahnen, Themenwelten und Abenteuer. Wir fahren da auch manchmal mit Schulklassen hin. Ich selbst bin allerdings eher nicht so der Achterbahn-Fan. Mir reicht schon eine kurvige Autofahrt durch die Eifel und mir wird schlecht. Deshalb bin ich oft diejenige, die wartet, während die anderen fahren. Und ehrlich gesagt mag ich das sogar ein bisschen. Nicht das Warten an sich. Aber das Beobachten. Das Staunen. Diese Freizeitparks sind ja mit unglaublich vielen Details gestaltet. Überall Musik, Kulissen und kleine Welten, in die man eintaucht. Beim letzten Besuch in besagtem Freizeitpark stellten sich mein Mann und meine Schwester direkt morgens an einer Achterbahn an. Ich nahm Handys, Taschen und alles, was sonst der Schwerkraft zum Opfer gefallen wäre, holte mir einen Kaffee und setzte mich auf eine Bank. Und dann begann ich einfach die Menschen zu beobachten. Dafür gibt’s in meiner Familie sogar einen extra Begriff. „Äppen“. Ein junger Mann ist mir dabei besonders aufgefallen. Ich musste direkt grinsen. Er betrat diese Themenwelt mit so einer Begeisterung, als wäre er gerade in einem Film angekommen. Der Mund stand offen, die Augen weit aufgerissen. Und bei dieser epischen Musik stemmte er die Hände heroisch in die Hüften. Dabei sah er eigentlich gar nicht so aus wie jemand aus einem Abenteuerfilm. Mit Regenjacke um die Hüfte gebunden und einem Rucksack auf dem Rücken wirkte er eher wie irgendein ganz normaler Besucher. Aber genau das fand ich so schön. Er sah gar nicht so aus, wie er sich scheinbar fühlte. Und die meisten Menschen um ihn herum haben das wahrscheinlich gar nicht bemerkt. Aber ich hatte ihn irgendwie im Blick. Und seine Freude hat mich plötzlich selbst angesteckt. Und vielleicht ist Gott genauso. Vielleicht sieht Gott uns viel genauer, als wir selbst denken. Nicht nur das Außen. Nicht nur das, was andere wahrnehmen. Sondern auch das, was in uns lebendig ist. Unsere Freude. Unser Staunen. Unsere Begeisterung. Vielleicht schaut Gott uns manchmal genau in solchen Momenten an und freut sich einfach mit. Nicht von weit weg. Nicht über uns. Sondern mitten in unserem Leben.
  • Morgenimpuls

    Ein warmes Licht

    19.08.2026 | 2 Min.
    Kennst du das? Du gehst durch die Stadt. Oder suchend durch den Supermarkt. Und plötzlich fühlt sich alles an deinem Gehen falsch an. Weil da jemand ist, den du kennst. Oder jemand, bei dem du nicht weißt, ob man sich jetzt grüßen müsste.Und auf einmal denkt man über Dinge nach, über die man sonst nie nachdenkt.Wie man geht.Wohin man schaut.Was die Hände machen.Ob man gerade zu schnell läuft.Oder krampfhaft locker wirken will.Plötzlich fühlt sich sogar normales Gehen wie Schauspielern an. Als würden alle hinschauen.In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff: Spotlight-Effekt. Weil wir oft glauben, viel stärker im Mittelpunkt zu stehen, als wir es tatsächlich tun.Und ehrlich gesagt: Ich finde dieses Rampenlicht meistens gar nicht schön. Es macht mich eher unsicher. Als würde ich beobachtet statt einfach gesehen.Vielleicht fällt es manchen Menschen deshalb auch schwer, an Gott zu glauben. Weil die Vorstellung unangenehm ist, ständig im Blick zu sein.Ich selbst glaube aber nicht an einen Gott, der mich bloßstellt. Nicht an ein kaltes Scheinwerferlicht, das alles sichtbar macht und mich dabei klein werden lässt. Eher an ein warmes Licht. Eins, das nicht entblößt, sondern Orientierung gibt. Das mich nicht vorführt, sondern freundlich ansieht.Und manchmal reicht mir dieser Gedanke schon, wenn ich mich wieder zu sehr im Blick der anderen verliere. Dass da einer ist, der mich sieht, ohne dass ich mich verstellen muss.Ein Licht, das ich Gnade nenne.
  • Morgenimpuls

    Wirklichkeit durch Versprechen

    18.08.2026 | 3 Min.
    Heute ist unser Hochzeitstag. Aber nur der "kleine" Hochzeitstag. Ich habe vor einigen Jahren ganz bewusst in den Sommerferien standesamtlich geheiratet. Ich dachte damals: Dann ist das mit dem Namenswechsel für alle einfacher. Und ehrlich gesagt, hatte ich davor schon ein bisschen Angst. Nicht vor der Ehe. Aber davor, plötzlich anders zu heißen. Nicht mehr wie meine Schwester. Nicht mehr wie meine Mutter. Und dann auch noch mit einem Nachnamen, den ständig jemand falsch ausspricht.Ein Name ist eben Identität. Und ich glaube, ich hatte wirklich Sorge, mich plötzlich irgendwie anders zu fühlen. Diese große Identitätskrise blieb allerdings aus.Die standesamtliche Trauung selbst war wunderschön. Es wurde viel gelacht. Freunde standen plötzlich mit Blumen vor der Tür und überraschten uns. Abends wollten wir noch gemeinsam feiern.Und trotzdem saßen mein Mann und ich danach irgendwann alleine im Auto und sagten beide fast gleichzeitig: "Wow … war das jetzt alles?" Nicht enttäuscht. Aber irgendwie überrascht davon, wie normal sich alles anfühlte. Ich war immer noch ich. Und er war immer noch er. Und dann hatte ich plötzlich zwei Wochen Zeit, mich komplett hineinzusteigern, dass die kirchliche Hochzeit jetzt bestimmt DAS große, alles verändernde Ereignis werden müsste. Und ja … irgendwie wurde sie das auch. Bis heute feiern wir beide Hochzeitstage. Einen im August und einen im September. Aber das eigentliche Versprechen, das uns verbindet, das gab es nur einmal.Und vielleicht ist genau das das Besondere an Versprechen. Sie verändern nicht plötzlich den ganzen Menschen. Aber sie schaffen etwas Neues zwischen Menschen. Eine Verbindung. Eine Wirklichkeit, die vorher noch nicht da war. Vielleicht spürt man das gerade deshalb bei einer kirchlichen Trauung so stark. Weil dort nicht nur zwei Menschen nebeneinander stehen und etwas unterschreiben. Sondern weil aus Worten plötzlich etwas Wirkliches wird.Ein "Ich bleibe." Ein "Ich gehe mit." Ein "Ich liebe dich."Und ich glaube, genau dort ist Gott. In diesem Sakrament. In der Wirklichkeit, die die Eheleute sich gegenseitig schenken.
  • Morgenimpuls

    Schmetterling

    17.08.2026 | 3 Min.
    Immer wenn ich im Sommer viele Schmetterlinge sehe, dann muss ich an Erdbeben denken. Komisch eigentlich. Denn ich finde Schmetterlinge wunderschön. Und sogar mein Vorname ist von einer Schmetterlingsart abgeleitet. Warum also ausgerechnet Erdbeben? Irgendwann habe ich mal aufgeschnappt, dass viele Schmetterlinge Vorboten für Erdbeben sein sollen. Keine Ahnung, ob das stimmt. Aber kennst du das? Manche Gedanken verbinden sich mit etwas – und dann wird man sie kaum noch los. Schmetterlinge und Erdbeben.Und wenn ich weiterdenke, dann steckt da vielleicht mehr drin als ich zuerst gedacht habe. Denn so ein Schmetterlingsleben ist ja eigentlich auch eine Erschütterung. Am Anfang ist da diese kleine Raupe. Ganz nah an der Erde. Langsam unterwegs. Versteckt zwischen Blättern, damit sie niemand entdeckt. Und sie frisst und frisst, wird größer, schwerer … vermutlich ist das alles ziemlich mühsam.Und dann passiert etwas, das ich fast beneidenswert finde. Diese Raupe verwandelt sich. In einen Schmetterling. Aber auch das ist ja keine sanfte Veränderung. Das ist ein Umbruch. Eine Verwandlung, die alles durcheinanderbringt. Im Kokon geschieht etwas, das wir kaum verstehen können. Und ich frage mich: Weiß der Schmetterling eigentlich noch, dass er einmal eine Raupe war?Ich glaube, ich muss gar nicht neidisch sein. Denn diese Verwandlung ist bestimmt nicht nur schön. Sondern auch anstrengend. Vielleicht sogar schmerzhaft. Und auf jeden Fall: erschütternd. Und genau deshalb ist der Schmetterling ja auch so ein starkes Bild. Gerade im Glauben. Für Auferstehung. Für Veränderung. Für dieses: Es wird nicht einfach nur anders – es wird neu. Eine Veränderung, die leicht machen kann. Die uns fliegen lässt. Die etwas bewegt. Manchmal sogar mehr, als wir denken.Es gibt diesen Gedanken, dass ein Flügelschlag eines Schmetterlingsirgendwo auf der Welt etwas Großes auslösen kann. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Aber ich mag die Vorstellung. Dass etwas Kleines eine Wirkung haben kann, die größer ist als es selbst. Und vielleicht ist genau das die eigentliche Verbindung. Nicht Erdbeben und Angst. Sondern Erschütterung, die etwas in Bewegung bringt.
  • Morgenimpuls

    Was macht Jesus eigentlich für dich aus?

    16.08.2026 | 3 Min.
    Der Schriftsteller Arno Schmidt hat über Jesus geschrieben: "Lebe erst einmal und lerne und komme in 30 Jahren wieder." Für Schmidt ist Jesus belanglos, aus einem unbedeutenden Zwergstaat, keine Kultursprache sprechend, keine Bildung, ein barbarischer Dialekt und so schreibt er weiter: "Die Persönlichkeit des Mannes, nach dem sich 30 Prozent der Menschheit nennt, genügt mir nicht." Ein Journalist nannte das später Blasphemie auf höchstem Niveau und doch ist es interessant. Gerade diese scheinbare Belanglosigkeit lässt Jesus bis heute nicht los. Dichter wie Arno Schmidt, Kritiker wie Nietzsche oder Feuerbach, Atheisten und Andersgläubige, sie alle reiben sich an ihm; nicht an Macht oder Erfolg, sondern an seinem Lebensgefühl, denn Jesus lebt anders. Er hält das Leben nicht fest, um es zu sichern. Er gibt es hin, um es zu schenken.Im Johannesevangelium heißt es: "Aus seiner Seite flossen Blut und Wasser." Zeichen neuen Lebens für die Welt, Zeichen dafür, dass Gott nicht verschließt, sondern sich öffnet. Man wirft uns Christen manchmal vor, wir würden die Wirklichkeit verdrängen, aber der Glaube spricht eigentlich eine andere Sprache. Er macht das Leid nicht kleiner, das Unrecht nicht harmlos und das Böse nicht gut. Aber er setzt ein neues Lebensgefühl dagegen, dass es sich lohnt, für das Leben sich einzusetzen, dass jeder Mensch zählt, dass kein Leben belanglos ist. Oder anders: Dein Leben ist wichtig. Du bist bedeutungsvoll, du bist ein geliebtes Kind Gottes, eine geliebte Kind-Tochter, ein geliebter Sohn.Papst Benedikt XVI. hat dieses Lebensgefühl einmal so beschrieben: "Er ist Gott, Licht vom Licht. Um in das ewige Leben einzugehen, muss man auf Jesus hören ihm nachfolgen und dabei in der Hoffnung stehen." Daraus kommt eine persönliche Frage: Was macht Jesus eigentlich für dich aus? Und welches Lebensgefühl gibt er deinem Leben?
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Über Morgenimpuls
Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.
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