Spielfilmen – Der filmographische Podcast
Patrick Lohmeier & Dennis Bastian

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- Gute Laune allerorten, denn Dennis (Lichtspielcast) und Patrick (Bahnhofskino) sprechen über die erste Hälfte von Joachim Triers Filmographie. Aber Spaß (oder Ernst?) beiseite: Was die beiden Herren dann doch überrascht, ist der teils bitterböse Humor in den überwiegend tieftraurigen Geschichten, die der norwegische Regisseur und sein Stammautor Erik Vogt erzählen. Zumindest Triers Spielfilmdebüt AUF ANFANG (Reprise, 2006) kann ganz schön lustig sein, seiner Geschichte rund um gescheiterte Karrieren, Liebschaften und Freundschaften zum Trotz. Wenig bis nichts zu lachen gibt es hingegen im in Drogen, Alkohol und Verzweiflung fast ersaufendem OSLO, 31. AUGUST (2011), dem die beiden Co-Hosts euphorisch Meisterwerk-Qualitäten bescheinigen. Zu solch lobhudeligen Höhenflügen steigt Triers erster und bis Dato einziger englischsprachiger Film LOUDER THAN BOMBS (2015) nicht hinauf, staubt aber Dank seines unter anderem mit Gabriel Byrne und Isabelle Huppert glänzend besetzten Ensemble einige Sympathien ab. Aber was zum Teufel macht eigentlich Jesse Eisenberg in diesem Film?
- Zum Glück spricht Patrick circa 30 Prozent besser französisch als niederländisch, weswegen er sich diesmal nicht die Zunge verknoten muss, um Namen wie Isabelle Huppert, Laurent Lafitte oder Virginie Efira über die Lippen zu bringen. Aber zuvor begeben sich die Herren Bastian und Lohmeier ins besetzte Holland kurz vor Ende des zweiten Weltkriegs, wo Paul Verhoeven den Spionage-Abenteuerfilm BLACK BOOK (Zwartboek, 2006) angesiedelt hat. Dieser geht nicht nur adäquat respektlos mit dem düstersten Kapitel der Geschichte des 20. Jahrhunderts um, sondert zaubert auch mit Carice van Houten einen neuen Star auf die Leinwand. Ganz anders Madame Huppert, die schon vor ELLE (2016) einer der größten Ikonen des französischen Kinos der letzten Jahrzehnte war. Umso erstaunlicher, dass sich die Schauspielerin für wirklich gar nichts zu fein ist und ihr Porträt einer traumatisierten Frau so schonungslos und ehrlich ist, wie es die düstere Geschichte um Sex, Gewalt und Mord verlangt. Selbiges gibt es auch zur Genüge in BENEDETTA (2021), dem (mutmaßlichen) finalen Werk des niederländischen Regisseurs, das neben lüsternen Nonnen, angriffslustigen Schlangen und platzenden Pestbeulen auch noch einen echten sexy Jesus von Nazareth auffährt. Aber kann dieser pietätlose Historienfilm qualitativ mit dem Rest von Verhoevens Werk mithalten? Hmm, "Jein!", finden Dennis und Patrick ...
- Nach drei großen Kinohits in Folge war es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis Paul Verhoeven wieder auf dem Boden der Tatsachen landen würde – oder auf dem heißen (und harten!) Pflaster von Las Vegas. Showgirls (1995) wurde von Kritik und Publikum in aller Welt derart mit Häme überschüttet, dass bis heute fast alle Beteiligten mit Zorn auf den kolossalen Flop zurückblicken, allen voran Hauptdarstellerin Elizabeth Berkley. Aber wie steht es Jahrzehnte später um den Status Quo dieses Millionengrabs aus der Feder von Joe Eszterhas? Meisterwerk? Trashperle? Purer Camp? Der Film ist alles und nichts davon, meinen zumindest Dennis und Patrick. Sehr viel einiger sind sich die beiden Herren hinsichtlich Starship Troopers (1997), für dessen ätzende Satire die Welt vor knapp 30 Jahren nicht bereit schien und der sich mittlerweile x-fach rehabilitiert hat. Ganz anders als Hollow Man (2000), den Verhoeven selbst als kreative Bankrotterklärung betrachtete und ihm den letzten guten Grund lieferte, Hollywood den Rücken zu kehren. Aber so streng sollte der skandalträchtige Regisseur wirklich nicht mit sich selbst ins Gericht gehen ...
- Nach einem holprigen Start mit der US-europäischen Co-Produktion FLESH + BLOOD (1985) fasste Paul Verhoeven mit seinem englischsprachigen Zweitling ROBOCOP (1987) so richtig Fuß in Hollywood – und im Rest der Welt. Nicht nur ließ die actionreiche SciFi-Satire die Kinokassen klingeln, auch die Kritikerschaft zeigte sich begeistert und machte den umtriebigen Niederländer zum gefeierten wie begehrten Regisseur für starbesetzte Filmprojekte. Und größer als eine Zusammenarbeit mit Arnold Schwarzenegger konnte es in Hollywood anno 1990 kaum werden, weswegen sich auch die Philip K. Dick-Verfilmung TOTAL RECALL: DIE TOTALE ERINNERUNG (1990) wenig überraschend zum dicken Blockbuster mauserte. Das Verhoeven nicht nur großes Effektkino und kontroverse Satire perfekt beherrscht, sondern auch ganze Karrieren wie die von Rutger Hauer auf den richtigen Weg bringen kann, bewies er wiederum mit BASIC INSTINCT (1992). Dessen Erfolg wurde nicht für einige Jahre zum Maßstab für erotische Thriller und ebnete ganz nebenbei Newcomerin Sharon Stone den Weg zum Superstar-Status. Aber ihr mörderischer und grandios inszeniertes Koitus mit Michael Douglas war auch für einen mittelgroßen Skandal gut. Ach, Paul!
- Hatten wir erwähnt, wie sehr wir die (meisten) Filme von Paul Verhoeven lieben? Natürlich hatten wir das. Aber auf der zweiten Etappe unserer filmographischen Reise durch das Werk des holländischen Blockbuster-Provokateurs haben wir wiederum viel Gelegenheit zum kritisch-analytischen Lobhudeln. Mit dem expliziten Teen-Drama Spetters (1980) und dem symbolgeladenen Psychothriller Der 4. Mann (1983) stehen dabei nicht nur zwei wirkliche Highlights auf unserer to-do-Liste, sondern auch die Werke, die Verhoeven schlussendlich Richtung Hollwood wandern ließen. Dass ihm mit dem US-europäischen Abenteuerfilm Flesh + Blood (1985) nicht gleich der ganz große Wurf in Übersee gelang, war sicher nicht nur sein Versagen. Auch Rutger Hauer wollte da ein Wörtchen mitreden. Aber das ist nur eine von zahlreichen Anekdoten zur Produktion dieser drei Filmperlen, die wir für unsere heutige Podcastfolge aus den Archiven gekramt haben.
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Über Spielfilmen – Der filmographische Podcast
Patrick Lohmeier und Dennis Bastian blicken einmal monatlich auf die Filmographien großer und kleiner Regielegenden zurück. Von Hollywood bis Babelsberg – von Kinohit bis Kassengift. Viel Spaß!
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