51 Episoden
- Annika und Anja haben in ihrer Reise durch das frühe Bachelor-Grauen schon einiges erduldet. Doch manchmal legt die Vergangenheit zwischen all den Zumutungen auch eine kleine Kostbarkeit frei. In dieser Folge hebt sich aus dem Formatmoor etwas, das beinahe ehrfürchtig macht: das Home-Date. Ein längst aufgegebener Brauch, von dem die Alten heute nur noch am Lagerfeuer erzählen, mit belegter Stimme und flackernden Augen. Damals, sagen sie, kam der Bachelor tatsächlich auf die Familien der Kandidatinnen hernieder. Er überschritt Schwellen, er betrat Elternhäuser. Er wurde Großmüttern, Vätern, Müttern und Brüdern vorgeführt. Manchmal standen Hunde dabei und sahen Dinge, die kein Hund sehen sollte.
Bei Katja beginnt alles mit ihrer Oma, die Pauls blonde Haare und blauen Augen mit einer Begeisterung würdigt, die die Szene für einen kurzen Moment in ein ungünstiges historisches Licht kippen lässt. Wenig später schafft es der Off-Erzähler, Katjas Erfahrungen mit Gewalt in früheren Beziehungen derart beiläufig abzuräumen, dass dies selbst für seine Verhältnisse einen neuen Staffeltiefpunkt darstellt. Beim Waldspaziergang performt Katja dann erneut die ihr eigene Form sexualisierter Selbstkommentierung.
Noch während Annika und Anja sich von dieser kommunikativen Überversorgung erholen, führt Natalie vor, dass auch das absolute Gegenteil keine Lösung ist. Ihr Home-Date entwickelt rasch die Atmosphäre eines Schweigeklosters, nur ohne geistliches Personal und ohne die tröstliche Aussicht, dass das Schweigen irgendeinem höheren Zweck dienen könnte.
In Karlsruhe sieht es zunächst besser aus. Anjas Mutter und Stiefvater wirken sympathisch, doch bald geraten Paul und Anja wieder in ihre sehr spezielle Körperkommunikation. Schließlich liegen und sie derart ineinander verkeilt auf dem Sofa in Anjas Fliesenfußbodenwohnung, dass der ungünstige Kamerawinkel aus erotischer Annäherung plötzlich Kuschelforensik macht: Ein Wohnzimmer, zwei reglose Körper.
In Rosenheim schließlich brillieren vor allem Sissis Brüder, zwei Männer mit jener besonderen Form familiärer Beschützerenergie, bei der man sofort versteht, warum manche Tierheime bei bestimmten Hundrassen auf ausführliche Vorgespräche bestehen. Paul wird zum Verhör gebeten. Natürlich nicht am freundlichen Küchentisch bei Kaffee und Marmorkuchen, sondern in einen Muskelkeller. Dort soll er nun schwören, dass seine Absichten gegenüber ihrer Schwester ehrenhaft sind, während man als Zuschauerin überlegt, ob RTL eigentlich verpflichtet gewesen wäre, seinen Aufenthaltsort vorher bei einer Vertrauensperson zu hinterlegen.
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Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information. - Annika und Anja nehmen am Wahlsonntag des Schreckens nach der Wahl in Sachsen-Anhalt auf und sind entsprechend ermattet. Aber für alle, die in diesen garstigen Zeiten wenigstens vorübergehend Linderung brauchen, halten sie die Katzenklappe zur Paulewelt offen. Denn dort herrschen weiterhin zuverlässig andere Gesetze als in der Gegenwart: Die größten Gefahren sind schlecht dosierte Sonnencreme, übermütiges Quadfahren und die Frage, was die eigene Mutter wohl zu Paul Janke sagen würde.
Georgina darf mit Paul zum Bungee-Jumping und verbringt das Date vor allem mit der Erkenntnis, dass sie diesen Mann unmöglich ihrer Mutter vorstellen kann. Ein Umstand, der sie offenbar dringlicher beschäftigt als die eigene Sterblichkeit. Kurz zuvor lieferte sie bereits den wahrscheinlich ersten Fall von Satanic Panic in einer Bachelor-Frauenvilla: Georgina hat Sonnenbrand, zieht aber statt unzureichenden Lichtschutzfaktors lieber eine Verhexung durch die Konkurrentinnen als Ursache in Betracht. Hautarztpraxen hassen diesen Trick.
Bei einem Gruppendate in den Dünen überschätzt Paul unterdessen seine Fähigkeiten am Quad, woraufhin er und eine Kandidatin verunfallen. Ein Fuß ist kurz eingeklemmt (vgl Maurice im "Sommerhaus"), ansonsten bleibt zum Glück alles heil genug für weitere Rosenentscheidungen.
Zur absoluten Höchstform läuft diesmal auch der Erzähler auf, dessen schmierige Kommentare Annika inzwischen mit solcher seelenwandernder Präzision nachbildet, dass vermutlich nicht einmal seine eigene Mutter die beiden noch zuverlässig auseinanderhalten könnte. Und weil Paul bei der Frauenauslese Unterstützung braucht, reist sein bester Freund Daniel an. Seine Befragungsmethoden allerdings lassen Zweifel aufkommen, ob man ihm neben der Partnerinnensuche auch einen nur geringfügig komplizierten Kriminalfall anvertrauen sollte.
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Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information. - Annika und Anja halten sich in dieser Folge zunächst mit ausführlicher Buchcover-Forensik auf. Und das völlig zu Recht, denn zum ersten Mal liefert uns diese historische Bachelor-Staffel einen nahezu sensationellen Beweis dafür, dass Kandidatinnen in der Villa offenbar Bücher lesen durften. Ja, Plural!
Während fast alle anderen Frauen mit Paul zum Robbentauchen ausrücken, einem Date, das die Produktion womöglich hauptsächlich deshalb angesetzt hat, damit Paul sich bei der Ankunft der Kandidatinnen noch einmal blankbrüstig auf einem Boot präsentieren kann, bleibt Kandidatin Anja allein in der Villa zurück und liest. Neben ihr auf dem Beistelltisch: zwei weitere Bücher. Annika und Anja gehen sofort in die Ermittlung. Es wird gescreenshottet, herangezoomt, nachgeschärft und jedes halbwegs erkennbare Pixel laienkriminologisch analysiert. Doch trotz hingebungsvoller und hartnäckiger Spurensicherung konnten beide Werke bislang nicht identifiziert werden. Wer den entscheidenden Hinweis liefern kann: Das Beweismaterial findet ihr bei Instagram.
Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass sich Annika und Anja auch deshalb derart lange an der Literaturforensik festklammern, weil anschließend etwas wartet, das man gern noch ein wenig aufschieben möchte: Fummelei. Denn Kandidatin Anja, an dieser Stelle ausdrücklich nicht zu verwechseln mit Host-Anja, bekommt ihr Einzeldate mit Paul. Im Riesenrad wird zunächst intensiv gezüngelt, anschließend verlagert sich die Eskalation in eine Stretchlimousine und wird dort noch einmal deutlich unübersichtlicher. Annika und Anja identifizieren Hände, die verdächtig tief unter Pauls Gürtel eingehakt sind, hitziges Geflüster, erotisches Geraune und eine insgesamt bemerkenswert geringe Hemmschwelle gegenüber Kameras, Fahrpersonal und der Tatsache, dass wir uns immer noch erst in Folge vier befinden.
Kurz gesagt: Erst wird gelesen, dann wird geleckt. Wir haben die Regeln nicht gemacht, obviously.
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Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information. - Folge drei der großen Janke-Ausgrabung beginnt mit einem klassischen Vermeidungsmanöver: Mit einem verzweifelt improvisierten News-Teil und anekdotischen Abstechern in ihre jeweils private Damalszeit schinden Annika und Anja erst einmal ein bisschen Zeit. Doch irgendwann hilft alles nichts. Die Grabungsgenehmigung ist erteilt, die alten Rosenschichten rufen, wir müssen zurück ins Jahr 2012.
Und dort wartet eine echte Überraschung: Schon damals verfügte RTL offenbar über eines jener Date-Schinde-Instrumente, die bis heute zuverlässig aus dem Bachelor-Fundus gezogen werden: die Zipline. Zwar handelt es sich bei Pauls Exemplar eher um die frühzeitliche Kurzstreckenversion und nicht um jene beinahe bachelorbrechende Hochrisikoanlage, die Tim zuletzt bewältigen musste. Dafür lässt sie sich mehrfach befahren. Und weil einige Kandidatinnen verständlicherweise ungern allein durch die Lüfte sausen möchten, stellt sich Paul als menschlicher Rosenairbag zur Verfügung. Sicherheitstechnik war 2012 offenbar noch sehr körpernah gedacht.
Noch bedeutsamer für die Bachelor-Chronistik: Es fällt der erste Kuss der Staffel – und das für deutsche Verhältnisse erstaunlich früh. Gemessen am selbstverständlich streng wissenschaftlich ermittelten durchschnittlichen Bachelor-Erstkusszeitpunkt, kurz DBEZ, befindet sich Paul damit deutlich auf der flotteren Seite der Schlabberstatistik. Annika und Anja trifft diese Entwicklung allerdings weniger unvorbereitet als vorgesehen, schließlich hatte die plapprige Erzählerstimme den kommenden Lippenkontakt bereits in der vorherigen Folge überschwänglich angekündigt.
Kandidatin Sissi ereilt der historische Moment schließlich auf dem Rücken eines Elefanten. Was neben romantischer Entschlossenheit vor allem Pauls beachtliche Zielgenauigkeit dokumentiert: Direkt vor den beiden sitzt schließlich noch der Guide, der das bedauernswerte Tier lenkt, und bei den engen Platzverhältnissen hätte eine kleine Fehlberechnung der Kussflugbahn gereicht, um die Bachelor-Geschichte in eine völlig andere Richtung abzubiegen. Paul aber trifft: Der erste Kuss sitzt.
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Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information. - Wir reisen weiter durch ein Land vor unserer Zeit: die zweite deutsche Bachelor-Staffel, jene Epoche, in der eine ganze Folge sich anbahnenden Liebesglücks noch in rund 45 Minuten erledigt war. Was Anja und Annika selbstverständlich nicht daran hindert, diese 45 Minuten mit der gebotenen epischen Gründlichkeit zu archäologisieren.
Paul Janke absolviert sein erstes Einzeldate mit Bernadette und bekommt dabei direkt eine Lektion in frühzeitlicher Dating-Diplomatie: Sein Äußeres sei für sie ein absoluter Minuspunkt, bescheidet die nämlich unverblümt. Keine Schleife drum, kein Wattebausch, einfach zack, Urteil gefällt. Das geht so hart ins blondierte Herz, dass mindestens eine unserer beiden Hosts kurz Mitleid mit Paul empfindet. Welche, wird aus Gründen des Persönlichkeitsrechtsschutzes hier selbstverständlich nicht verraten.
Überhaupt scheinen Dates damals erstaunlich lange gedauert zu haben, was nicht in jedem Fall ein Geschenk der Fernsehgeschichte ist. Auf einer Picknickdecke kommt es bei schwierigen Lichtverhältnissen zu zaghaften Nacken-Begrabbelversuchen. Auch das Gruppendate auf dem Bachelor-typischen Fortbewegungsmittel Yacht entwickelt eher die Atmosphäre einer Betriebsausflugs-Schifffahrt mit romantischem Pflichtprogramm. Immerhin darf Paul zum ersten Mal seinen Badehosenkörper präsentieren und wird dafür von den Frauen ausgiebig bestaunt. Doch auch der GröBaZ, der größte Bachelor aller Zeiten, muss lernen: Selbst unter besten körperlichen Voraussetzungen fördert die Balzarchäologie nicht nur Schätze zutage.
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Über Der Bätchcast
Anja Rützel und Annika Brockschmidt schauen den (amerikanischen) "Bachelor", damit ihr es nicht müsst! Sie erklären dabei "Bachelor Nation", wie das Fandom und die Show aktuelle Konflikte der amerikanischen Gesellschaft widerspiegeln, weshalb Sex in Windmühlen und Gottesfürchtigkeit einander hier nicht ausschließen und lassen euch in die absurde Welt des amerikanischen Reality TV eintauchen. Hosted on Acast. See acast.com/privacy for more information.
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