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  • Folge 291: Teil I Exilliteratur - Die Rolle der späteren Exilliteraten in den Zwanziger Jahren
    »Ihr schlagt den Besiegten kurz und klein und laßt ihn verdorren und sticken. Ihr raubt an der Weichsel und am Rhein, wir sollen ein Amen euch nicken. Ihr sprecht vom Säbel und seiner Gefahr, von teuflischen deutschen Listen, die Schuld am Kriege sei klipp und klar – Und ihr? Die dicksten Imperialisten!« Diese Zeilen stammen – überraschend – von Kurt Tucholsky, einem Autor, der dem linken Spektrum zugerechnet wird und später von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Während Tucholsky selbst noch rechtzeitig nach Schweden fliehen konnte, gehörten seine Bücher zu den ersten, die den Flammen der nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zum Opfer fielen. Doch stellt er in diesem Gedicht tatsächlich die von der Entente behauptete deutsche Alleinschuld am Ersten Weltkrieg infrage? Die Antwort bleibt rätselhaft: Eindeutig ist lediglich, dass Tucholsky die Schuldzuweisung mit dem Vorwurf des »Imperialismus« gegenüber den Siegermächten verbindet. Dadurch verleiht er seiner Kritik am Versailler Vertrag eine rationalere Grundlage, als es ein bloßer Appell an nationale Empfindungen vermocht hätte. Tucholsky stand damit auf einer Linie, die auch die intellektuellen Gegner des Versailler Vertrags insgesamt prägte: Während der rechte Flügel jegliche deutsche Schuld weitgehend bestritt, leugnete der linke Flügel zwar die Alleinschuld, erkannte jedoch eine deutsche Mitschuld an – und grenzte sich zugleich scharf von nationalistischen Positionen ab. So wird deutlich, dass der Weg in den Widerstand gegen das NS-Regime und letztlich ins Exil selten geradlinig verlief, sondern von Ängsten, Zweifeln und inneren Widersprüchen begleitet war.
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    31:33
  • Folge 290: Vom Kreuz zum Hakenkreuz - Die katholische und evangelische Kirche im Nationalsozialismus
    Zwischen 1933 und 1945 sahen sich die Kirchen in Deutschland der schwierigen Aufgabe gegenüber, ihre religiöse Identität und institutionelle Selbstständigkeit innerhalb eines totalitären Regimes zu behaupten. Während die evangelische Kirche aufgrund ihrer Aufteilung in 28 weitgehend autonomen Landeskirchen nur locker organisiert war, verfügte die katholische Kirche mit dem Papst über eine klar definierte, zentralisierte Führung. Diese strukturellen Unterschiede prägten maßgeblich die jeweiligen Reaktionen auf die Ideologie und Machtpolitik des Nationalsozialismus. Die katholische Kirche bemühte sich vor allem auf diplomatischem Wege – etwa durch den Abschluss des Reichskonkordats – ihre Rechte und Handlungsspielräume zu wahren. Zugleich erhoben einzelne Bischöfe und Geistliche durch Predigten, Hirtenbriefe und konkrete Hilfeleistungen ihre Stimme gegen staatliche Übergriffe. Die evangelische Kirche hingegen wurde innerlich zerrissen: Während die Deutschen Christen die nationalsozialistische Weltanschauung weitgehend übernahmen und die Gleichschaltung vorantrieben, formierte sich in der Bekennenden Kirche ein entschiedener theologischer und institutioneller Widerstand.
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    28:40
  • Folge 289: Die Geschichte Südtirols – Von der Grenzverschiebung zur Autonomie
    Die Geschichte Südtirols im 20. Jahrhundert ist von tiefgreifenden politischen Umbrüchen, Grenzverschiebungen und Identitätskonflikten durchzogen. Kaum eine andere Region Europas erlebte in so kurzer Zeit derart einschneidende Veränderungen. Vom Ersten Weltkrieg bis zur Verwirklichung der Autonomie im Jahr 1972 wurde Südtirol immer wieder zum Spielball der großen Mächte. Die Menschen in dieser alpinen Grenzregion sahen sich gezwungen, sich fortwährend neuen politischen Realitäten zu fügen – häufig wider ihren Willen. Vor allem die Zeit nach 1918, als Südtirol vom österreichisch-ungarischen Teil Tirols abgetrennt und Italien zugesprochen wurde, bedeutete einen tiefen Einschnitt in Geschichte, Sprache und Kultur der Bevölkerung. Die folgenden Jahrzehnte waren geprägt von Fremdherrschaft und Assimilationsdruck, aber auch von Widerstand, Beharrlichkeit und dem zähen Ringen um Selbstbestimmung und kulturelle Anerkennung.
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    23:26
  • Folge 288: Günter Grass – Leben, Werk und politisches Engagement eines deutschen Intellektuellen
    Günter Grass war ein deutscher Schriftsteller, Bildhauer, Maler und Grafiker, der sich zeitlebens durch seine persönliche Biografie verpflichtet sah, einen Beitrag zur Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands zu leisten. In seinen frühen Werken schildert er eindringlich das Heranwachsen seiner Protagonisten im Umfeld des NS-Regimes, während seine späteren Romane den allmählichen Verlust historischer Erinnerung im Zuge des Generationswechsels thematisieren. Auch der Verlust seiner Heimat Danzig bildet ein wiederkehrendes und prägendes Motiv seines Schaffens. Grass’ Sprache zeichnet sich durch eine außergewöhnliche stilistische Dichte und den bewussten Einsatz rhetorischer Mittel aus, die seine Leserinnen und Leser zum Nachdenken und kritischen Hinterfragen anregen sollen. Seine öffentliche Präsenz, die ihm nicht nur nationale, sondern auch internationale Anerkennung und schließlich den Nobelpreis für Literatur einbrachte, nutzte er zugleich als Plattform für politisches Engagement. Als langjähriger Wahlkampfhelfer der SPD pflegte er enge Beziehungen zu den ehemaligen Bundeskanzlern Willy Brandt und Gerhard Schröder, die er sowohl beratend als auch begleitend unterstützte. Grass gilt als herausragendes Beispiel für das fruchtbare Zusammenspiel von Literatur, Kunst und Politik. Mit seiner Stimme als Intellektueller verstand er es, gesellschaftliche Missstände zu benennen, Diskurse anzustoßen und das politische Geschehen aktiv mitzugestalten.
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    22:52
  • Folge 287: Der Bund Deutscher Mädel - Die Mädchen von heute, die Mütter von morgen
    In den 1930er-Jahren war der Bund Deutscher Mädel (BDM) fester Bestandteil des Alltags beinahe jedes Mädchens in Deutschland. Was nach unbeschwerten Freizeitaktivitäten wie Wandern, Singen und Sport aussah, entpuppte sich in Wahrheit als Teil eines umfassenden Erziehungsprogramms des nationalsozialistischen Staates. Der BDM hatte das Ziel, junge Mädchen zu gehorsamen, pflichtbewussten und körperlich robusten Frauen zu formen – zu künftigen Müttern, die im Sinne Hitlers den „neuen Menschen“ heranziehen sollten. Hinter der Fassade von Gemeinschaft, Idealismus und jugendlicher Lebensfreude verbarg sich ein perfides System politischer Indoktrination, das Millionen junger Frauen ideologisch prägte und in den Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung stellte.
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    23:51

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Über Stalingrad Podcast

Christoph Fromm, Autor des Historienromans ”Stalingrad - Die Einsamkeit vor dem Sterben” spricht in diesem wöchentlichen Podcast über Themen rund um das Dritte Reich: Idealismus, Fanatismus und bedeutende Persönlichkeiten des Dritten Reiches, sowie die schrecklichen Folgen des Krieges, die teils bis heute spürbar sind. Bei Fragen oder Anregungen schreibt uns gerne auf Instagram (@primero_verlag) oder per Mail an [email protected]. Helft uns, den Podcast weiterhin für euch zu produzieren! https://www.paypal.com/donate?hosted_button_id=XFVPLBVWM4FTE Falls auf eurer Lieblingsplattform die ersten Stalingrad Podcast Folgen nicht mehr verfügbar sind, hört sie auf PodBean, völlig kostenlos und ohne Anmeldung: https://stalingradpodcast.podbean.com/page/14/
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