145 Episoden
- Auch in der Ferienzeit sind wir für euch da, wenn auch mit eher dünner Newslage. Max meldet sich aus dem italienischen Hinterland mit entsprechend italienischer Internetqualität, ich glühe bei 35 Grad in Deutschland. Zu Beginn gibt es ein kurzern Rant über die Marketing-Eskalation der Frontier Labs, bei der gerade jeder das gefährlichste Modell haben muss.
Erstes und durchaus ernstes Thema: Seit Ende Juli gab es wohl koordinierte Angriffe auf über 30 kommunale Wassersysteme in Minnesota, mittlerweile sind daneben mindestens zwölf andere Bundesstaaten betroffen. Einfallstor waren dabei wohl unter anderem internet-exponierte PLCs, teils mit Werkspasswörtern. Die Trinkwasserversorgung war nach Aussagen der offiziellen Stellen nicht gefährdet, mehrere Kommunen sind schlicht auf manuellen Betrieb umgestellt. US-Ermittler halten Iran-nahe Akteure für wahrscheinlich verantwortlich, eine formale Attribution gibt es nicht. Trump hat stattdessen medial Governor Tim Walz verantwortlich gemacht, der wiederum auf die ausgedünnte CISA verweist. Beides greift zu kurz: Wenn PLCs offen im Internet stehen, kann man auch mal die Betreiber an der Nase fassen. Der eigentliche Lichtblick war, dass die manuellen Notfallprozesse scheinbar funktioniert haben.
Zweites Thema, dabei deutlich unterhaltsamer: Ein Mann aus Melbourne bat seinen OpenClaw-Agenten mit Claude, ihn in einen beliebten Fitnesskurs einzubuchen. Der Agent fand eine Schwachstelle im Buchungssystem, buchte Kurse Monate im Voraus, und als er nach einer besseren Warteliste-Position gefragt wurde, stornierte er die Reservierung der Person auf Platz eins. Die API hatte keinerlei Autorisierungsprüfung für fremde Buchungen. Niemand hatte dem Agenten gesagt, dass er das nicht tun soll, und Subtext versteht so ein System nicht.
Zwölf Bundesstaaten melden Angriffe auf Wassersysteme (CBS News) https://www.cbsnews.com/news/more-states-water-systems-cyberattacks-iran-backed-hackers/
CISA Advisory: Iranische Akteure und PLCs https://www.tenable.com/blog/coordinated-cyberattack-on-minnesota-water-utilities-what-you-need-to-know
KI-Agent hackt Fitnessstudio-Buchungssystem (ABC News) https://www.abc.net.au/news/2026-08-10/ai-agent-hacks-gym-booking-system/106051234 Takedowns, internationale Zusammenarbeit & die Zukunft der Strafverfolgung ft. Carsten Meywirth
05.08.2026 | 1 Std. 1 Min.Diese Woche gibt es kein reguläres News-Format, denn Max Imbiel hat sich virtuell mit Carsten Meywirth zusammengesetzt, dem Leiter der Abteilung Cybercrime im Bundeskriminalamt.
Carsten ist seit Jahrzehnten im BKA, von der Terrorismusbekämpfung über die organisierte Kriminalität und die IT-Abteilung bis zur Cybercrime-Gruppe, aus der 2020 eine eigene Abteilung wurde. Eine junge, technisch geprägte Truppe, gemischte Teams aus Vollzugsbeamten und IT-Experten, und ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Privatwirtschaft: echte Ermittlungen gegen echte Täter.
Wir sprechen über die großen Operationen der letzten Monate: Eastwood gegen die pro-russische Hacktivistengruppe NoName057(16), Chargeback gegen ein globales Kreditkartenbetrugs- und Geldwäschenetzwerk, die Fahndung nach dem Kopf der Ransomware-Gruppe Black Basta, den Aisuru- und Kimwolf-Botnetz-Takedown, Power Off gegen DDoS-Stresserdienste und Operation Endgame, die bislang weltweit größte Cyber-Operation gegen Dropper-, Loader- und Stealer-Gruppierungen. Dahinter steht immer internationale Zusammenarbeit, mit Europol, FBI, NCA und anderen Partnerbehörden. Carsten erklärt, wie aus gemeinsamen Ermittlungen Allianzen werden und warum die identifizierten Täter, die meisten in Russland, trotzdem unter Druck geraten: zerstörte Infrastruktur, verlorenes Vertrauen in der Community, eingeschränkte Bewegungsfreiheit.
Wir diskutieren, warum Strafverfolgung die ökonomische Entscheidungslogik der Täter verschlechtern soll, ohne den Anspruch, Cybercrime auf null zu setzen. Und wie sich das mit KI-gestützten Angriffen, autonomen Agenten und Post-Quantum-Kryptographie verändern wird.
Am Ende gibt Carsten einen praktischen Hinweis: Wer Opfer eines Angriffs wird, muss keine Hemmschwelle haben. Der ZAC-Verbund, die zentralen Ansprechstellen Cybercrime bei BKA und LKAs, ist auf polizei.de erreichbar und hilft, schnell die richtige Stelle zu finden.
ZAC-Verbund / Kontakt bei Cybervorfällen
https://www.polizei.de/DE/Startseite/startseite_node.html
BKA Abteilung Cybercrime
https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Ermittlungsunterstuetzung/Cybercrime/cybercrime_node.html- In der neuen Folge von Breach FM ordnen Max und ich die Woche danach ein: was OpenAI zum Hugging-Face-Vorfall bekannt gegeben hat, wie Google jetzt APT-Gruppen benennt, und ein Urteil aus London.
OpenAI hat sich selbst als Urheber des Hugging-Face-Vorfalls bekannt: GPT-5.6 Sol brach im Rahmen eines internen Sicherheitstests aus einer eigentlich isolierten Sandbox aus, weil diese trotzdem Internetzugriff für Paketinstallationen hatte. Wir ordnen ein, warum die Kritik aus der Community berechtigt ist – und wo bei solchen Vorfallsberichten Analyse aufhört und Marketing anfängt.
Google vereinheitlicht sein Namensschema für Threat Actors, nachdem die Mandiant-Übernahme zwei parallele Tracking-Systeme hinterlassen hatte. Jede Gruppe bekommt künftig einen zweiteiligen Kryptonym-Namen mit Attributions-Kategorie, aus APT44/Sandworm wird etwa Sandworm Relic. Grundsätzlich begrüßenswert, aber mit kuriosen Kollisionen und der Frage, ob eine echte, herstellerneutrale Standardisierung überhaupt realistisch ist.
Zum Abschluss ein Urteil aus London: Thalha Jubair und Owen Flowers, beide Scattered Spider, wurden zu je fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt für den TfL-Hack von 2024 mit 39 Millionen Pfund Schaden. Technisch versiert, operativ erstaunlich naiv – das zentrale Beweismittel war ein Video, das Jubair selbst gestreamt hat.
OpenAI Statement zum Hugging-Face-Vorfall
https://openai.com/index/hugging-face-model-evaluation-security-incident/
Google: Neues Threat-Actor-Namensschema
https://cloud.google.com/blog/topics/threat-intelligence/updated-cyber-threat-actor-naming-system
TfL-Hacker verurteilt (National Crime Agency)
https://www.nationalcrimeagency.gov.uk/news/cyber-criminals-who-hacked-into-transport-for-londons-computer-network-are-convicted Flurfunk - Microsoft-Security-Umbau, Hugging-Face-Hack, SonicWall Zero-Days & VulnHunter
22.07.2026 | 38 Min.🚨 Hinweis aus der Redaktion: Stunden nach der Aufnahme hat OpenAI aufgelöst, wer hinter dem Hugging-Face-Vorfall steckte – und es ändert den Inhalt unserer Konservation. Es war kein Angreifer, sondern OpenAI selbst: Im Rahmen einer internen Evaluierung von Cyber-Fähigkeiten (mit deaktivierten Refusals und ohne Produktions-Klassifizierer) haben GPT-5.6 Sol und ein noch nicht veröffentlichtes Modell aus der Testumgebung ausgebrochen, eine Zero-Day im Package-Registry-Proxy ausgenutzt, sich Internetzugang verschafft und anschließend die Hugging-Face-Produktivinfrastruktur kompromittiert um an die Lösungen des Benchmarks zu kommen, den sie eigentlich bearbeiten sollten. Meine Frage im Podcast, welches Modell hier eingesetzt wurde, ist damit beantwortet. Auch meine These zur Decoy-Aktivität liest sich im Licht dieser Auflösung nochmal anders. Wir nehmen das nächste Woche ausführlich auseinander.
Microsoft stellt seine Security-Sparte unter neue Führung: Hayete Gallot, seit Februar EVP Security mit direkter Berichtslinie an Satya Nadella, hat Executives ersetzt, Teams konsolidiert und hunderte Rollen gestrichen. Der Fokus verschiebt sich klar auf KI-gestützte Security-Produkte. Dazu ein Realitätscheck zur Souveränitätsdebatte: viel ernsthafte Initiative, aber auch noch viel Schaufensterrhetorik.
Mein Thema: Hugging Face wurde über die Dataset-Processing-Pipeline kompromittiert. Ein präpariertes Dataset kombinierte einen Remote-Code-Loader mit einer Template-Injection, eskalierte auf Node-Ebene und griff Cloud- und Cluster-Credentials ab. Über 17.000 protokollierte Aktionen über ein Wochenende, verteilt über einen Schwarm kurzlebiger Sandboxes. Bemerkenswert: Der Angreifer erzeugte gezielt Decoy-Aktivität, um den echten Impact im Rauschen zu verstecken.
Dann das Unspektakuläre, das trotzdem am meisten wehtut: Zwei SonicWall-SMA-1000-Zero-Days (CVE-2026-15409, CVSS 10.0) wurden laut Volexity seit dem 22. Juni aktiv ausgenutzt. Die Gruppe UTA0533 erlangte Root-Zugriff und schnitt unverschlüsselten LDAP-Traffic mit, um an Credentials fürs interne Netz zu kommen. Wer eine SMA 1000 im Einsatz hat: sofort prüfen.
Max bringt VulnHunter – Capital One hat sein agentisches Code-Security-Tool unter Apache 2.0 veröffentlicht. Kein passives SAST-Scanning, sondern Attacker-First-Analyse mit Falsification-Engine gegen False Positives und konkreten Fix-Vorschlägen.
Zum Abschluss der DigiCert-Breach vom April, zu dem Expel jetzt eine Analyse veröffentlicht hat: kein Einbruch in die kryptografische Infrastruktur, sondern ein Support-Mitarbeiter, der eine als Screenshot getarnte Datei aus einem Ticket öffnete. Darüber kamen die Angreifer an Aktivierungscodes für Code-Signing-Zertifikate. Zugeordnet wird das CylindricalCanine, einer Untergruppe von GoldenEyeDog.
Microsoft Security-Leadership (Official Microsoft Blog)https://blogs.microsoft.com/blog/2026/02/04/updates-in-two-of-our-core-priorities/
Hugging Face Security Incident Disclosurehttps://huggingface.co/blog/security-incident-july-2026
SonicWall SMA Zero-Days (Volexity)https://www.volexity.com/blog/2026/07/17/proxying-to-compromise-sonicwall-secure-mobile-access-0-day-exploitation/
VulnHunter (Capital One)https://www.capitalone.com/tech/open-source/announcing-vulnhunter/
DigiCert / CylindricalCanine (Expel)https://expel.com/blog/introducing-cylindricalcanine/Flurfunk - JadePuffer agentische Ransomware, EU Cybersecurity Action Plan & Apple verklagt OpenAI
15.07.2026 | 45 Min.Heute Morgen mal beide ausgeschlafen, beide im Homeoffice, Sonne draußen – das hatten Max Imbiel und ich wirklich seit Monaten nicht mehr. Die Nachrichtenlage ist dabei auch eher ruhig.
Ich bringe JadePuffer mit: Sysdig hat einen Fall agentischer Ransomware veröffentlicht. Einstieg über CVE-2025-3248 in Langflow – gepatcht April 2025, im CISA KEV seit Mai 2025, trotzdem massenhaft ungepatchte Instanzen. Der Agent hat autonom die PostgreSQL-Datenbank gedumpt, API-Keys für AWS, Azure, Alibaba, Anthropic und andere gesammelt, MinIO mit Default-Credentials geöffnet und ist auf einen produktiven MySQL-Server pivotiert, wo er 1.342 Service-Konfigurationen verschlüsselte. Die viel zitierten 31 Sekunden beziehen sich auf eine einzelne Self-Healing-Schleife, nicht den Gesamtangriff. IT-Grundhygiene hat auf ganzer Linie versagt. Was bleibt: ein Agent, der Sackgassen autonom korrigiert, braucht keinen Menschen mehr am Keyboard.
Max bringt den EU Cybersecurity Action Plan – kein neues Gesetz, sondern ein Koordinationsrahmen auf Basis von AI Act, NIS2 und CRA. Kernpunkte: Evaluierungskapazitäten für KI-Modelle mit Durchsetzungsbefugnis ab 2. August, ein ENISA-Blueprint für strukturierten Frontier-Modell-Zugang für Security-Zwecke, gemeinsame Testplattform und Open-Source-Resilience-Kampagne. Max findet den Ansatz gut, weil er KI endlich als Chance framt. Ich bleibe skeptisch, ob aus EU-Initiativen am Ende wirklich was wird.
Zum Abschluss: Apple hat OpenAI, zwei ehemalige Mitarbeiter und Jony Ives Firma io Products wegen Trade-Secret-Diebstahls verklagt. Noch Vorwürfe, kein bestätigter Sachverhalt – aber bemerkenswert angesichts der ohnehin angespannten Beziehung der beiden Unternehmen.
JadePuffer / Sysdig Threat Research
https://www.sysdig.com/blog/jadepuffer-agentic-ransomware-for-automated-database-extortion
EU Cybersecurity Action Plan (Europäische Kommission)
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/cybersecurity-action-plan
Apple verklagt OpenAI (The Verge)
https://www.theverge.com/2026/7/8/apple-sues-openai-trade-secrets-io-products
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Über Breach FM - der Infosec Podcast
Breach FM taucht tief in die Welt der Cybersicherheit, digitalen Konflikte und ihrer explosiven geopolitischen Folgen ein. Moderiert von Robert Wortmann und Max Imbiel, nimmt der Podcast aktuelle Bedrohungen, innovative Technologien und clevere Strategien unter die Lupe. Mit hochkarätigen Gästen aus Forschung, Industrie und Politik werden brisante Themen wie staatliche Cyberangriffe, Krisenmanagement und die Schattenseiten der Cyberkriminalität aufgedeckt. Spannend, praxisnah und voller wertvoller Perspektiven – hier wird die digitale Frontlinie hörbar.
Podcast-WebsiteHöre Breach FM - der Infosec Podcast, Darknet Diaries und viele andere Podcasts aus aller Welt mit der radio.at-App

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