Ein Teamleiter, Anfang 40, sagt von sich selbst: Ich bin ADHSler. Beiläufig, fast wie eine Selbstverständlichkeit. Seine Führungskraft weiß nicht mehr, was sie noch fordern darf; das Etikett steht im Raum, und mit ihm das Ende des Nachdenkens.
In dieser ersten Solo-Episode geht es um eine Beobachtung, die Svenja Hofert zunehmend in Workshops, Coachings und Gesprächen mit Führungskräften macht: Diagnosen wie ADHS erklären immer öfter alles - und verstehen dabei wenig. Nicht weil ADHS nicht real wäre, sondern weil hinter denselben Symptomen sehr viel verschiedenes stecken kann: komplexes Trauma, Hochbegabung, Introversion, Postkonventionalität. Und weil ein Begriff, der Identität wird, aufhört, eine Frage zu sein.
Svenja führt durch drei Fallen, die Coaches, Beraterinnen, HR-Fachkräfte und Führungskräfte kennen sollten; sie stellt ein praktisches Dreiebenen-Modell vor, das verhindert, zu früh in die falsche Schublade zu greifen; und sie gibt zwei Fragen mit, die im nächsten Gespräch mehr öffnen als jede Diagnose.
Für alle, die professionell mit Menschen arbeiten - und merken, dass in ihrem Umfeld plötzlich irgendwie jeder ein Etikett trägt.