Es muss sich ein bisschen anfühlen wie eine Wiederauferstehung für Angelo de Augustine. Denn dass der Singer/Songwriter aus Kalifornien jemals wieder ein Album fertigstellen würde, das war vor ein paar Jahren nicht abzusehen.
Nur kurz nach "A Beginner‘s Mind", seinem vielbeachteten Gemeinschaftswerk mit Labelkollege und Freund Sufjan Stevens, lähmte eine bis heute mysteriöse Erkrankung all seinen Schaffensdrang und fesselte ihn für lange Zeit ans Bett. Auf dramatische Weise war wohl sein Nervensystem kollabiert, mühsam musste Angelo de Augustine wieder lernen, laufen, sprechen, sehen, hören, Musik machen und singen zu können. Allein deshalb ist "Angel in Plainclothes", sein neues Soloalbum, ein großartiger Erfolg. Und: es ist die bewegende künstlerische Verarbeitung dieser existenziellen Krise, ein behutsamer Neuanfang mit viel Gespür für das, was wirklich wichtig ist im Leben.
Wichtig an der Hörbar ist wie immer die musikalische Vielfalt: Deshalb gibt’s in dieser Ausgabe unter anderem französische Leichtigkeit und Temperament mit Olivia Ruiz, Forró in the Dark sorgen für Bewegung zwischen brasilianischer Tradition und Großstadt. Kurdische Intensität von Aynur trifft auf mediterrane Tiefe bei Mayte Martín, dazu die nordische Schlich- und Schönheit der Musik von Juha Kujanpää und ein französisch singender Konrad Beikircher.