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    Umgang mit Traumatisierten: Sensibel sein für Trauma

    14.03.2026 | 28 Min.
    70% aller Menschen erleiden im Leben ein Trauma. Heilt das Trauma nicht, quält es weiter. Das stresst die Traumatisierten selbst am meisten, aber auch ihre Mitmenschen. Angehörige und Laien wollen Traumatisierten helfen. Wie geht das? Wie überfordern sie sich nicht? Zwei Fachfrauen geben Tipps.

    Traumatisierte reagieren für ihre Mitwelt oft seltsam bis unverständlich: Wie aus dem Nichts reagieren sie über oder ziehen sich zurück, manchmal auch in eine Sucht. – Dafür sensibel zu werden, sei der Schlüssel für einen guten Umgang mit traumatisierten Menschen. Dafür braucht es Wissen.

    Gabriela Zindel vom christlichen Hilfswerk Agape bildet Laien weiter, die sich um traumatisierte geflüchtete Menschen aus Kriegsgebieten kümmern. Laien könnten das Trauma zwar nicht «heilen», aber sie können Traumatisierte begleiten und für sie «da sein». Die Botschaft zu spüren: «Ich bleibe bei Dir. Ich lasse Dich nicht allein» sei für traumatisierte Menschen zentral hilfreich.

    Aber auch vor Selbstüberforderung warnt Gabriela Zindel engagierte Angehörige und Laien. Beim Umgang mit hochgestressten traumatisierten Menschen gelte es, auch sich selbst gegenüber sensibel zu bleiben. Die eigenen Motive zu hinterfragen, das eigene Stress-Management im Griff zu haben.

    Solche Arbeit hat eine gesellschaftspolitische Dimension, betont Dagmar Nolden. Sie arbeitet freiberuflich als Traumapädagogin, Systemische Beraterin und Prozessbegleiterin, studierte Internationale Beziehungen und Friedensforschung.

    Warum Menschen «austicken», könne immer auch etwas mit einer Traumatisierung zu tun haben. Dafür müsste die Umwelt, also etwa Lehrpersonen, Arbeitsteam oder auch Angehörige, Sensibilität entwickeln, damit das Zusammenleben besser klappe, - in der Familie ebenso wie in der Gesellschaft, meint Dagmar Nolden.

    Autorin: Judith Wipfler
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    Doula: Geburtsbegleiterin, Unternehmerin, kulturelle Vermittlerin

    08.03.2026 | 28 Min.
    Die Geburt ist ein gewaltiges Erlebnis – bei dem sich Frauen immer öfter nicht nur medizinische Betreuung, sondern auch emotionale Begleitung wünschen. Doulas bieten genau dies an. Sie wollen einen sicheren Raum schaffen, manche gar einen «heiligen Raum» - und so auch Geburtstraumata verhindern.

    Doulas gibt es wohl, seit Frauen gebären. Früher waren es die Frauen aus der Grossfamilie, die den Gebärenden beistanden. Mit der Individualisierung der Gesellschaft – und der Verlagerung der Geburt in den Spital ging die Unterstützung der Frauengemeinschaft verloren. Als Dienstleistung kehrt sie nun in den Gebärsaal zurück. Doulas wollen Eltern beistehen, um ihnen eine gute Geburtserfahrung zu ermöglichen. «Ekstatisch» könne diese sein, sagt Doula Nadja Brenneisen. Und ermächtigend. Mit Unterstützung der Doula könne die Handlungsmacht der Frauen gestärkt, Gewalt bei der Geburt verringert und Geburtstraumata verhindert werden.

    Die Unterstützung der Eltern soll auch das «Wunder» der Geburt erlebbar machen. Viele Doulas verstehen ihre Arbeit als spirituell. Sehen sie als Berufung, wie im Falle von Rebecca Spielman. Die jüdisch-orthodoxe Doula sorgt dafür, dass bei der Geburt die religiösen Vorgaben eingehalten werden, vermittelt dem Gesundheitspersonal die jüdischen Bräuche und will den Frauen mit ihrer Unterstützung gute Geburtserlebnisse ermöglichen.
    Doch an der Doula-Arbeit gibt es auch Kritik. Sie sei zu wenig reglementiert, bekämpfe die Probleme im Gebärsaal mit den falschen Mitteln, heisst es etwa von Hebammen.

    In «Perspektiven» ordnen wir ein.

    Zu Wort kommen:
    • Jill Marxer, Religionswissenschaftlerin an der Universität Zürich, die vor Kurzem ihre Doktorarbeit über Doulas abgeschlossen hat.
    • Doula Nadja Brenneisen, die mit ihrer Firma «womb&heart» Begleitung vom Kinderwunsch bis zur Geburt anbietet.
    • Doula Rebecca Spielman, die bereits 300 Geburten begleitet und das Doula-Wesen in der chassidischen Gemeinschaft in Zürich geprägt hat.
    • Nathalie Colling, Stationsleitung Gebärabteilung bei Stadtspital Waid und Triemli.
    • Andrea Weber, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hebammenverbandes

    Autorin: Nicole Freudiger

    Buchhinweis: Marxer, Jill. Doulas in der Deutschschweiz – zwischen Beruf und Berufung. Eine Religionswissenschaftliche Ethnographie über Geburtsbegleiterinnen. Springer VS, 2025.
  • Perspektiven

    Eine Mutter, eine Tochter, eine Diagnose: Brustkrebs

    28.02.2026 | 26 Min.
    «Wenn mich früher jemand nach meiner grössten Angst gefragt hat, habe ich immer gesagt: Dass ich oder jemand, den ich liebe, Krebs bekommt», erzählt Laura. Dann ist innerhalb von vier Monaten genau das passiert.

    Was geschieht mit der Angst und dem Leben, wenn eine Krankheit hereinbricht?

    Das ist die Geschichte von Priska (66) und Laura (37). Mutter und Tochter bekommen innerhalb weniger Monate die gleiche Diagnose: Brustkrebs. Bei «Perspektiven» erzählen die beiden von der Diagnose, unterschiedlichen Lebensphasen und einer geteilten Realität.

    Ebenfalls zu hören in der Sendung: Philosophin Caroline Krüger

    Autorin: Anna Jungen
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    Neu im Petersdom: Künstler Manuel Dürr gestaltet Kreuzweg

    21.02.2026 | 26 Min.
    Für den Petersdom in Rom malte der Bieler Reformierte Manuel Dürr 14 Kreuzweg-Bilder. Von jetzt an hängen sie neben Michelangelo, Raffael und Bernini, immer zur Fastenzeit: Denn sie erzählen vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Darauf fällt bei Dürr immer etwas Licht: das Licht von Ostern.

    Manuel Dürr ist Jahrgang 1989, Künstler aus Biel und gläubiger evangelischer Christ. Für seine Arbeit fühlte er sich nun tief ein in die «typisch katholische» Kreuzweg-Frömmigkeit. Auch stilistisch passte sich der Künstler ins Umfeld des Petersdoms ein. Dürr hat in Italien Malerei studiert und liebt die alten Meister.

    Im klassisch katholischen Kreuzweg kommen Szenen vor, die in der evangelischen Frömmigkeit und Kunst keine Rolle spielen, etwa weil sie nicht in der Bibel stehen. Gerade die fand Manuel Dürr besonders spannend. Beispielsweise das Motiv der Heiligen Veronika: Auf dem Schweisstuch, das sie dem leidenden Jesus reicht, bildet sich dessen Gesicht ab. Die tiefe Bild-Mystik dieses Motivs könne er erst jetzt durch seine Arbeit für den Petersdom richtig nachvollziehen, erzählt Dürr in seinem Atelier in Biel.

    In «Perspektiven» spricht der junge Künstler Manuel Dürr über seine Idee von christlicher Kunst im 21. Jahrhundert. Dabei scheinen ihm Niederschwelligkeit für die Gläubigen und «die gute Botschaft» wichtiger zu sein als Anerkennung durch die Kunst-Avantgarde. Das Kreuz an sich sei schon «Intervention» genug.

    Autorin: Judith Wipfler
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    Daoismus heute: Was wir von Zhuangzi über Gelassenheit lernen

    14.02.2026 | 28 Min.
    «Der Weg entsteht, indem er gegangen wird» – das ist einer der vielen Sinnsprüche des chinesischen Gelehrten Zhuangzi, der vor rund 2400 Jahren daoistische Texte weiterentwickelt hat. Das Buch «Zhuangzi besser verstehen» zeigt, wie hilfreich die Lehren des Dao heute sein können.

    Der Daoismus ist neben dem Konfuzianismus und dem Buddhismus eine der drei grossen Lehren, die China massgeblich geprägt haben. Im Zentrum des Daoismus steht die Idee eines allumfassenden Wirkprinzips, das die Geschicke des Universums lenkt. Gleichzeitig dient das «Dao» – zu Deutsch «der grosse Weg» – auch als Anleitung für ein gelingendes und langes Leben.

    Der Ursprung des Dao liegt über 2500 Jahre zurück und wird dem chinesischen Gelehrten Laotse zugeschrieben, der der Legende nach Weisheiten im sogenannten «Daodejing», der Gründungsschrift des Daoismus, gesammelt haben soll. Rund hundert Jahre nach Laotse taucht der chinesische Dichter und Philosoph Zhuangzi auf, der die teilweise schwer verständlichen Texte aus dem Daodejing in kurzen, lebhaften Geschichten greifbarer macht.

    Der Deutsche Didaktiker und Autor Michael Wittschier wagt nun in seinem neuen Buch «Zhuangzi besser verstehen» eine weitere Verständnisstütze, mit der das Prinzip des Dao noch besser ins heute transportiert werden kann.

    Was können uns die klugen und teilweise auch humorvollen Gleichnisse von Zhuangzi heute vermitteln? Und wie kann uns in Zeiten von Leistungsdruck und Selbstoptimierung die daoistische Kunst des «Nicht-Tuns» Inspiration für mehr Gelassenheit geben? Diesen und anderen Fragen geht diese «Perspektiven»-Sendung nach.

    Autor: Igor Basic

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Perspektiven aufs Leben. Der wöchentliche Podcast von SRF Kultur rund um Religion, Spiritualität und Ethik. Hier haben Glaube, Zweifel und Hoffnung Platz. Wir erzählen, erklären, debattieren und sinnieren. Immer nah am Menschen und den grossen Fragen auf der Spur.
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