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Überblick-Supervision

Tina Heitmann & Henning Schnieder
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33 Episoden

  • Überblick-Supervision

    Beziehung

    04.03.2026 | 1 Std. 28 Min.
    Im Allgemeinen werden soziale Beziehungen als eine wechselseitige Verbindung oder ein Verhältnis zwischen zwei oder mehreren Personen definiert, die über bloße Begegnungen hinausgeht und durch gegenseitige Interaktion, Austausch, Unterstützung oder Emotionen geprägt ist, wobei es viele Formen gibt – von Freundschaften über Familie bis hin zu romantischen Partnerschaften, die bestenfalls auf Vertrauen, Zuneigung und/oder gemeinsamen Zielen basieren. Mit unserem Gast, Prof. Dr. Wolfgang Weigand (Mitbegründer und langjähriger Vorsitzender der DGSv), sprechen wir über Beratungsbeziehung aus Sozialphilisophischer Perspektive, die er in Anlehnung an Martin Buber als tiefes und inneres Berühren versteht. Beziehung ist nach Buber das unmittelbare, gegenwärtige Geschehen des dialogischen Bezugs zwischen einem Ich und einem Du, in dem sich beide nicht als Objekte, sondern als ganze Personen begegnen. Weigand grenzt weiterführend seine Philosophie der Beziehung deutlich ab von funktionalen Definitionen. Angelehnt an Erich Fromm formuliert er "Beziehung ist Sein, nicht Haben", als Seinsweise. Beziehung sei zwar rollengeprägt, aber personengebunden. Als Beratende sind wir für unseren Teil der Beziehung verantwortlich, dafür, ob wir uns innerlich für die andere Person öffnen und seelisches Verstehen möglich machen können. Wir sprechen darüberhinaus auch über Machtasymmetrien, über Beziehung die nicht gelingt, über Konflikte und die Schwierigkeit (Beratungs)Beziehungen zu beenden. Tina betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Trennung von Beratungsbeziehungen zu therapeutischen Beziehungen und mit Verweis auf Honneth auf das Recht von Subjekten sich Beratungsbeziehungen zu verweigern. Wolfgang plädiert für das dauerhaft angelegte Halten der Beziehung. Henning weist auf den Faktor der zeitlichen Begrenzung in Supervisionsprozessen hin. Wir sind uns einig, ein zu stark funktional angelegter Beziehungsbegriff in Supervision und Beratung ist leer, eine stark polarisierende Betonung der Beziehung - insbesondere in beruflichen Kontexten - ist im Sinne der Aufgabenerfüllung eher dysfunktional. Weigand plädiert daher für den Begriff Arbeitsbeziehung, da dieser den Kontext der Beziehung verdeutlicht. /// Literatur /// Buber, M. (1923): Ich und Du // Fromm, E. (1976): Haben oder Sein. // Levinas, E. (1983): Die Spur des Anderen. Untersuchungen zur Phänomenologie und Sozialphilosophie // Honneth, A. (1990): Kampf um Anerkennung // Bion, W. (1990): Lernen durch Erfahrung // Winnicott, D. (1990): Babys und ihre Mütter // Baumann, Z. (2000): Flüchtige Moderne // Rosa, H. (2026): Situation und Konstellation: Vom Verschwinden des Spielraums.
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    Sexualität

    04.02.2026 | 1 Std. 49 Min.
    In der Folge sprechen wir mit der Sexualpädagogin und Supervisorin Christa Wanzeck-Sielert, die zum Thema Sexualiät in der Pädagogik - und auch in der Supervision oder in Organisationen - publiziert hat. Wir differenzieren auf der Grundlage der WHO Definition, nachdem Sexualität ein zentraler Aspekt des Menschseins ist, der über den Geschlechtsverkehr hinausgeht und Biologie, Psychologie, Emotionen, Verhalten, Identität sowie soziale Beziehungen umfasst. Dazu gehört Lust, Intimität, Fortpflanzung, Geschlechtsidentität und Orientierung, welche beeinflusst werden durch Faktoren wie Kultur, Politik und Geschichte. Davon ausgehend stellen wir Überlegungen an zu positiven und destruktiven Aspekten von Sexualität im Kontext der Arbeit in Organisationen und mit Menschen. In diesem Zusammenhang sprechen wir auch über Grenzverletzungen. Christa Wanzeck-Sielert argumentiert, dass zur Sexualkultur in Organisationen als empirischer Begriff die Aspekte "Macht, Begehren und Gender" umfasst werden, worin etablierende Werte, Rituale, Haltungen, Spielregeln, Sprache, Fantasien etc. enthalten sind. Diese wirken sich auf Organisationsroutinen ab und wirken sich auf die Arbeit aus.

    /// Literatur /// Sielert, Uwe et al. (Hrsg.) (2026): Handbuch Sexualität – Sexuelle Gesundheit – Sexualkultur, Weinheim, Basel, BeltzJuventa // Sielert, Uwe; Wanzeck-Sielert, Christa (2024): Supervision im Kontext der Sexualkultur von Organisationen, in: Supervision Mensch.Arbeit.Organisation. Zeitschrift für Beraterinnen und Berater, Heft 2/2024, Gießen, Psychosozialverlag // Wanzeck-Sielert, Christa (2022): Brennpunkt Kuschelecke. Kindliche Sexualität und grenzverletzende Kinder als Thema in Kindertagesstätten. Einblicke aus supervisorischer Sicht. In: Deutsche Gesellschaft für Supervision und Coaching e.V. (Hrsg) Heft 1/2022, Köln // Rohrmann, Tim; Wanzeck-Sielert, Christa (2023) (3. aktualisierte Auflage): Mädchen und Jungen in der KiTa. Körper-Gender-Sexualität, Stuttgart, Kohlhammer
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    Coaching ≠ Supervision

    03.12.2025 | 1 Std. 19 Min.
    In unterschiedlichen Kontexten werden wir immer wieder mit der Frage konfrontiert, was eigentlich Supervision von Coaching unterscheidet. Ist es die Zielsetzung, das Handlungsfeld, die Entstehungsgeschichte, das Vorgehen - oder gibt es vielleicht gar keinen Unterschied?
    Darüber sprechen wir mit Dr. Astrid Schreyögg, die zu beiden Formaten geforscht und publiziert hat. Bereits 1994 hat sie die Zeitschrift Organisationsberatung Supervision Coaching (OSC) gegründet. Sie hat die Unterscheidung geprägt, Supervision sei Personenentwicklung und Coaching Personalentwicklung.

    Letzteres konzentriere sich auf die Performanz und den beruflichen Erfolg von vor allem Führungskräften, oder helfe lösungsorientiert bei der Entscheidungsfindung in beruflichen Veränderungsprozessen. Supervision versteht sie im Gegensatz dazu als "klinisch" und sieht hier eine Verbindung mit psychotherapeutischen Ansätzen - worüber wir kontrovers diskutieren.

    Uns, Tina & Henning, als Hosts des Podcast, ist die Trennung zwischen Beratung und jedlichen Therapieformen besonders wichtig, wenngleich wir die Psychologie als eine wichtige Bezugsdisziplin verstehen. Dieses Anliegen teilt Astrid Schreyögg nicht. Aus ihrer Sicht sind die von uns aufgeworfen Fragen und Positionen fachinterne Diskussionen, die politischer Art und für die Adressat:innen der Beratungsformen nicht relevant sind.

    Die DGSv hat sich ebenfalls mit der Definition von Coaching und Supervision intensiv auseinander gesetzt und dazu auf dieser Grundlage die Unterscheidung anhand der Zielsetzung als zentral gesetzt. Unser Berufs- und Fachverband markiert den professionalisierten supervisorischen Habitus als fundamental für ethisch fundierte und die Dimensionen Person, Rolle und Organisation berücksichtigende, arbeitsweltbezogene Beratung.

    Sowohl im Diskurs zur Supervision, als auch in der Coaching-Debatte gibt es weitere Argumente und auch Forschungsperspektiven, die in dieser Folge kaum zur Sprache kamen. Das ist uns bewusst. Für entsprechende Ergänzungen und wissenschaftlich fundierte Argumente in den Kommentaren sind wir dankbar, da sich dadurch letztlich nicht nur unser Wissenshorizont erweitert.

    /// Literatur ///
    Drath, Karsten: „Coaching und seine Wurzeln“ (2012) // Greif, Siegfried; Möller, Heidi; Scholl, Wolfgang: "Handbuch Schlüsselkonzepte im Coaching“ //
    Elberfeld, Jens: „Anleitung zur Selbstregulation - Eine Wissensgeschichte der Therapeutisierung im 20. Jahrhundert“ (2020) //
    Böning, Uwe & Kegel, Claudia: "Stand der Coaching-Forschung" (2015) - In dem Band wird eine ausgeprägte Begriffsdiffusität deutlich - Es zeige sich insgesamt eine „sehr unterschiedliche Anwendungen von Coaching mit verschiedenen Zielgruppen und Themen“. Die Analyse zeige auf, dass dem Coaching-Begriff eine Art Container-Charakter zukomme, da nur lose Verbindungen einzelner Ansätze und Umsetzungen sichtbar werden, sondern stattdessen eine Vielzahl von relativ unspezifischen Handlungsabläufen darunter gefasst werden können (S. 135) //
    Kühl, Stefan: Coaching und Supervision. Zur personenorientierten Beratung in Organisationen (2007) //
    Schreyögg, Astrid: "Supervision. Ein integratives Modell. Lehrbuch zu Theorie und Praxis" (2004, 4. Aufl., Orig. 1991) //
    Schreyögg, Astrid: "Coaching. Einführung für Praxis und Ausbildung" (2003, 6. Aufl., Orig 1995) //
    Schreyögg, Astrid: "Die konzeptionelle Einbettung der Coaching-Praxeologie am Beispiel eines integrativen Handlungsmodells furs Coaching" In: Schmidt-Lellek, C., Schreyögg, A. (Hg.): Praxeologie des Coaching (2009)
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    Brückenschlag

    05.11.2025 | 1 Std. 17 Min.
    In dieser Episode sprechen wir mit Prof. Dr. Erhard Tietel, Psychologe, Supervisor und langjähriger Begleiter von Betriebsrät:innen und Gewerkschaften. Gemeinsam beleuchten wir, warum die gesetzlich geforderte „vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe“ in der Praxis so schwer einzulösen ist. Uns interessiert, wie der Betriebsrat zwischen Anerkennungsdefiziten, überhöhten Erwartungen und realen Machtgrenzen navigiert und welche besondere Rolle Beratung und Supervision im Feld der Interessenvertretung ergänzend zu Schulungen spielen kann. Ein Gespräch über die Kunst, Widersprüche auszuhalten – und warum Supervision für betriebliche Interessenvertretungen weit mehr ist als ein „individuelles Coaching“, sondern auch ein arbeitspolitisches Projekt. Sie gehören nicht zur klassischen Zielgruppe der Supervision, sind aber in besonderer Weise in ihren Arbeitszusammenhängen herausgefordert, denn sie bewegen sich täglich in einem Spannungsfeld: Sie sollen die Anliegen der Beschäftigten vertreten, mit der Geschäftsleitung auf Augenhöhe verhandeln und zugleich die eigene Handlungsfähigkeit sichern. Doch wie gelingt das in einer Arbeitswelt, die von Unsicherheit, Digitalisierung und wachsender Heterogenität geprägt ist? ///

    Zur Homepage von Erhard Tietel geht es hier: https://erhard-tietel.de/ und hier zur Homepage des Deutschen Betriebsrätepreis: https://www.bund-verlag.de/betriebsrat/deutscher-betriebsraete-preis ///

    Literatur ///
    https://erhard-tietel.de/wp-content/uploads/2023/03/Nach_dem_Betriebsrat_Berufliche_Perspektiven_einer_paradoxen_Fuehrungskraft_OSC.pdf ///
    https://www.researchgate.net/publication/275039030_Betriebspolitik_im_Wandel_-_Betriebsrate_als_Grenzganger ///
    https://erhard-tietel.de/wp-content/uploads/2024/09/2024_Die-vertrackte-Augenhoehe-AiB-Version-ausfuehrliche-Version.pdf ///
    https://erhard-tietel.de/wp-content/uploads/2023/03/Betriebsratsvorsitzende_als_paradoxe_Fuehrungskraefte_AiB_4_12l-1.pdf ///
    https://erhard-tietel.de/wp-content/uploads/2023/03/Kunkel_Tietel_Gute-Arbeit_Positionen.pdf
  • Überblick-Supervision

    Preisverleihung

    01.10.2025 | 48 Min.
    Die Stiftung Supervision verleiht unserem Podcast in Berlin den Förderpreis 2025!
    Nach einleitenden Worten des Stiftungsgründers und Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Wolfgang Weigand hält der stellvertretende Stiftungsvorsitzende Andreas Nolten eine Laudatio. Anschließend werden in unserem Live-Podcast während der Preisverleihung am 27.09.2025 die Rollen vertauscht: Tina Heitmann & Henning Schnieder werden von Moderator Andreas Nolten zu Erkenntnissen und Erfahrungen mit dem Podcasten befragt. Das Publikum vor Ort hat die Möglichkeit sich interaktiv zu beteiligen und nutzt diese auch ausgiebig. Wir danken allen die da waren und insbesondere der Stiftung für diese besondere Würdigung. Wir fühlen uns geehrt!

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Über Überblick-Supervision

Die Supervisoren Tina Heitmann und Henning Schnieder sprechen monatlich mit Gästen aus Wissenschaft und Praxis zu Themen rund um Supervision und Beratung. Die Beiträge leben vom dynamischen Gespräch, in dem die Wortbeiträge jeweils in der Verantwortung der Sprechenden liegen. Wir wünschen uns einen möglichst offenen Diskurs und laden herzlich dazu ein, dass sich auch die Zuhörenden durch Kommentare zu den Episoden, oder per Mail, daran beteiligen. Die Beiträge der Zuhörenden werden in der weiteren Gestaltung des Podcastes diskursiv berücksichtigt.
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Generated: 3/9/2026 - 6:11:00 PM