In dieser Folge von BIBLIOTHEK BACKSTAGE spricht Gerald Wödl mit Ursula Sauer, Betriebsratsvorsitzende am Austrian Institute of Technology (AIT). Gemeinsam schauen sie auf die Betriebsbücherei des Forschungsunternehmens, die ihre Wurzeln in den frühen 1960er-Jahren am Standort Seibersdorf hat und lange Zeit Teil einer echten „Grundversorgung“ am Campus war: Kultur, Austausch, Gesprächsstoff in der Kantine, Leselisten und Neuerwerbungen, die am Mittwoch am Mittagstisch diskutiert wurden.
Ursula Sauer erzählt offen, warum es heute knirscht. Der Hauptstandort ist nach Wien-Floridsdorf gewandert, die Bücherei blieb in Seibersdorf. Der langjährige Betreuer ging in Pension, ehrenamtliche Ressourcen sind knapp, und ein Großteil des Bestands ist historisch gewachsen. Gleichzeitig spürt man: Der Wille zum Relaunch ist da. Sauer spricht über die Idee einer zeitgemäßen Betriebsmediathek, die analog und digital zusammendenkt, neue Zielgruppen anspricht und wieder ein Ort wird, an dem Dialog entsteht. Nicht parteipolitisch, sondern als Raum für gesellschaftliche Fragen, Orientierung und gemeinsame Diskussion.
Ein Highlight ist auch die Lieblingsbuchfrage. Sauer antwortet mit Schmäh und Herz: Fast wäre es die Normensammlung mit dem Arbeitsverfassungsgesetz geworden. Stattdessen nennt sie „Zirkuskind“ von John Irving und erklärt, warum sie dicke Bücher liebt, die einen in ein pralles Universum ziehen, mit schrägen Figuren, glaubwürdig, detailreich und so geschrieben, dass man am liebsten gleich noch einmal von vorne anfängt.
Hören Sie rein und begleiten Sie eine Betriebsbücherei auf dem Weg vom Kellerraum mit Ostblock-Charme hin zu einer Idee, die wieder aufwecken will, was schon lange da ist: Lesekultur, Begegnung und ein bisschen mehr gemeinsames Denken im Arbeitsalltag.