Deutschland steht nach Ansicht des Ökonomen Stefan Kolev vor einer Entwicklung, deren Folgen mit dem Strukturbruch nach dem Mauerfall vergleichbar sein könnten. Seine Sorge gilt vor allem der zunehmenden Auswanderung gut ausgebildeter und leistungsstarker Fachkräfte, die Deutschland im globalen Wettbewerb um Talente immer häufiger verlassen. Problematisch sei dabei nicht die Auswanderung einzelner Menschen, sondern die Gefahr eines schleichenden Kipp-Punkts: Wenn vor allem junge, qualifizierte und international gefragte Arbeitskräfte gehen, verliert das Land nicht nur Fachwissen und Innovationskraft, sondern auch einen Teil seiner wirtschaftlichen Dynamik und Steuerbasis. Als Ursachen nennt Kolev unter anderem hohe Abgaben, ausufernde Bürokratie und eine wachsende Unzufriedenheit mit den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Während andere Staaten gezielt um hoch qualifizierte Arbeitskräfte werben, drohe Deutschland an Attraktivität zu verlieren. Die eigentliche Gefahr bestehe darin, dass dieser Prozess lange unterschätzt werde – bis seine Auswirkungen auf Wohlstand, Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Stabilität unübersehbar werden.
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Redaktion: Antonia Beckermann & Josefin Herrmann
Produktion: Serdar Deniz
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