Stunde Null – Überleben und Hungerjahre 1945–1950: In dieser Episode erzählt Dolfi Eder von den erschütternden Monaten nach Kriegsende und den Jahren darauf, die zu den härtesten seines Lebens gehören. Die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht, die Bildung einer provisorischen österreichischen Regierung und die Aufteilung des Landes in vier Besatzungszonen bilden den politischen Rahmen – doch für Dolfi, damals zwölf Jahre alt, prägt vor allem eines diese Zeit: das nackte Überleben.
Unmittelbar nach dem Einmarsch der Roten Armee erlebt Dolfi drei Monate völliger Gesetzlosigkeit: nächtliche Schüsse, Schreie, Vergewaltigungen, Plünderungen, brennende Häuser. Tiere, Lebensmittel, Kleidung, Besitz – alles wird konfisziert. Für die Jugend bedeutet das tägliche Gefahr: Schläge, Willkür, Demütigungen und Todesangst.
Dolfi beschreibt in bedrückender Klarheit, wie die Russen ein riesiges Barackenlager bauen, wie Frauen täglich „für Dienste“ abgeholt werden, wie er selbst schlafend Zeuge von Gewalt gegenüber den Frauen im Haus wird und wie betrunkenen Soldaten aus purer Unterhaltung mit Maschinenpistolen auf spielende Kinder schießen.
Als ein hoher russischer Offizier im Ort einzieht, verändert sich die Lage langsam. Gewalt wird unter Strafe gestellt, ein Gemeinderat eingerichtet, und erstmals seit Monaten kehrt etwas ein, das man vorsichtig „Normalität“ nennen könnte. Doch der Alltag bleibt hart: Die Bevölkerung hungert, Tiere und Lebensmittel sind verschwunden, die Geschäfte sind leer, Brot gibt es monatelang keines. Hunger wird zum ständigen Begleiter – fünf Jahre lang, bis 1950.
Zwischen politischen Umbrüchen, der ersten freien Wahl im November 1945, der Anerkennung der provisorischen Regierung, den Herausforderungen der Entnazifizierung und den Schwierigkeiten des Wiederaufbaus entsteht ein vielschichtiges Bild der Zweiten Republik in ihren allerersten Tagen.
Dolfi Eder erzählt nicht nur, was geschah – er lässt uns spüren, wie es sich anfühlte. Seine Erinnerungen sind ein erschütterndes, tief persönliches Zeugnis darüber, wie schwer der Weg in den Frieden sein kann – und wie lange ein Krieg nachwirkt.
Der vorletzte Zeitzeuge – Ein Podcast mit Dolfi Eder
Produktion: STUDIO DREIVIERTEL
Dolfi Eder - Erzähler
Oliver Sartena - Moderation
Maria Radutu - Redaktion
Andreas Mühlmann - Audioproduktion
Kristina-Josefin Bigler - Art Direction
Eine Produktion von STUDIO DREIVIERTEL.
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