Mit Eva Schlotheuber:
Die Stadt seines Herzens war Prag. Fast alles, was wir an Sehenswürdigkeiten dort heute noch bewundern, geht auf Karl IV. zurück. Er ließ die Neustadt anlegen, die dreimal größer als die ursprüngliche Stadt war. Mit drei Märkten und 40 Kirchen. Er ließ die Karlsbrücke über die Moldau bauen. Er baute die damals abgebrannte Burg wieder auf und gründete 1348 in Prag die erste Universität im Reich nördlich der Alpen mit deutschsprachigen Gelehrten. Auch kirchenpolitisch war er aktiv. Er sorgte dafür, dass Prag ein eigenes Erzbistum wurde und engagierte den Dombaumeister Peter Parler aus Schwäbisch Gmünd, der den Veitsdom schuf.
Zur Aufbewahrung der Reichsinsignien ließ er eine eigene Burg bauen. 35 km von Prag entfernt. Eine weit sichtbare Höhenburg auf einem Felsen. Hoch oben im Hauptturm ließ er eine mit Gold ausgeschmückte Kapelle errichten. Dort wurden die Krone, die Heilige Lanze, das Reichskreuz, das Zepter und der Reichsapfel verwahrt. Das war keine Burg für Gäste, dort durfte niemand übernachten. Nur das Wachpersonal und die Portraits von Karl an den Wänden beschützten die heiligen Symbole seiner Herrschaft.
Karl kompensierte seine geringe reale kaiserliche Macht durch Symbolik. Er führte wenig Kriege, war aber ein erfahrener Verhandler und Dipolmat. Mit der Goldenen Bulle stabilisierte er das Reich indem er die erste geschriebene Verfassung schuf.
Mit Eva Schlotheuber, Professorin für mittelalterliche Geschichte an der Uni Düsseldorf, spreche ich über seine Autobiografie, sein Verhältnis zu seinem Vater und seine Angst vor dem Auseinanderbrechen des Reiches.
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Das Goethe-Institut bietet diese Podcastserie auf seiner Plattform "Deutschstunde" an.
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