An frostigen Tagen wird beim Ausatmen die Luft sichtbar, bei milden Temperaturen hingegen nicht. Hanna fragt Leo, woran das liegt.
Entscheidend ist ein physikalischer Zusammenhang: Luft kann Wasser in gasförmiger Form aufnehmen, allerdings abhängig von ihrer Temperatur. Je wärmer sie ist, desto mehr Wasserdampf kann sie speichern. Dieser Vorgang begegnet uns im Alltag etwa dann, wenn eine Schale Wasser im Raum stehen bleibt und der Inhalt nach einiger Zeit verschwindet. Das Wasser verdunstet, geht also vom flüssigen in den gasförmigen Zustand über und verteilt sich in der Umgebung. Wasserdampf selbst ist unsichtbar.
Sichtbar wird Wasser erst, wenn es wieder kondensiert, also vom gasförmigen in den flüssigen Zustand zurückkehrt. Genau das geschieht im Winter beim Ausatmen. Die Atemluft ist etwa 37 Grad warm und mit Feuchtigkeit gesättigt. Trifft sie auf deutlich kältere Außenluft, sinkt ihre Temperatur abrupt. Da kalte Luft weniger Wasserdampf binden kann, wird der überschüssige Anteil als feine Tröpfchen ausgeschieden.
Diese mikroskopisch kleinen Wassertröpfchen streuen das Licht und machen die ausgeatmete Luft sichtbar, ein Effekt, der auch bei Nebel zu beobachten ist. Auch hier sorgen schwebende Tröpfchen dafür, dass Licht in verschiedene Richtungen gelenkt wird.
Bei höheren Außentemperaturen bleibt dieser Effekt in der Regel aus. Die Umgebungsluft ist dann warm genug, um den zusätzlichen Wasserdampf aufzunehmen, ohne dass es unmittelbar zur Kondensation kommt.
Die sichtbare Atemluft an kalten Tagen ist somit kein „Rauch“, sondern ein physikalisch erklärbares Zusammenspiel von Temperatur, Feuchtigkeit und Kondensation.