In dieser Folge sprechen wir über die Generalized Unsafety Theory of Stress, kurz GUTS, ein Modell aus dem Jahr 2016. Wir ordnen die Theorie evolutionspsychologisch, neurobiologisch und stressphysiologisch ein und zeigen, dass sie Stress und Angst nicht als reine Reaktion auf konkrete Gefahr versteht, sondern als Folge fehlender Sicherheitssignale.
Wir gehen dabei der Frage nach, warum Unsicherheit selbst Stress auslösen kann. Nach diesem Modell ist Stress kein Ausnahmezustand, sondern eher der Grundzustand, der nur durch empfundene Sicherheit aktiv gehemmt wird. Entscheidend ist also nicht nur, ob tatsächlich Gefahr vorliegt, sondern ob genügend Hinweise vorhanden sind, die dem Nervensystem signalisieren, dass Entwarnung möglich ist.
An Beispielen wie Dunkelheit, Nebel, einer stehen gebliebenen S-Bahn oder einer unklaren sozialen Situation machen wir deutlich, dass fehlende Vorhersagbarkeit bereits Stress erzeugen kann. Das Gehirn wird hier als Vorhersageorgan beschrieben, das laufend einschätzt, was als Nächstes passiert. Wenn diese Orientierung fehlt, entstehen Unsicherheit, Angst und Anspannung.
Wir übertragen das Modell auch auf frühe Kindheit, Trauma, komplexe Traumafolgestörungen, soziale Unsicherheit, Einsamkeit und neurodivergente Erfahrungen. Besonders betonen wir, dass Sicherheit nicht nur kognitiv verstanden, sondern emotional und körperlich erlebt werden muss. Dazu gehören Vorhersagbarkeit, Verlässlichkeit, Kompetenz anderer, soziale Einbettung und Autonomie.
Zum Schluss sprechen wir über mögliche therapeutische Konsequenzen. Wir halten fest, dass nicht nur nach konkreten Auslösern gesucht werden sollte, sondern vor allem nach fehlenden Sicherheitsfaktoren. Sicherheitssignale, Orientierung und die Erfahrung, auch bei Fehlern handlungsfähig zu bleiben, stehen dabei im Mittelpunkt.