PodcastsBildungEVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus

EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus

Mathias Küfner
EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus
Neueste Episode

84 Episoden

  • EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus

    Reiz und Reaktion: Wie frei ist unser Wille wirklich?

    27.06.2026 | 1 Std. 3 Min.
    In dieser Folge knüpfen wir an die vorherige Episode über Stress als Dauerzustand an. Wir sprechen darüber, dass uns oft Sicherheitssignale fehlen und wir dadurch in Alarmbereitschaft bleiben. Darauf aufbauend greifen wir die frühere Folge zum Grübeln wieder auf und ordnen das Thema neu ein.

    Im Mittelpunkt steht das Verhältnis von Reiz und Reaktion. Wir diskutieren das bekannte Zitat vom Raum zwischen beiden und fragen, wie viel Freiheit in diesem Raum tatsächlich liegt. Dabei betonen wir, dass viele Reaktionen automatisch ablaufen und nicht einfach eine klare Kette aus Reiz und bewusster Entscheidung sind.

    Wir unterscheiden zwischen Grübeln und Reflexion. Beides beginnt mit dem Nachdenken über Erlebnisse außerhalb der akuten Situation, etwa über vergangene Gespräche oder Fehlentscheidungen. Grübeln beschreiben wir als Wiederholen ohne Lösung, Reflexion dagegen als Nachdenken, das zu Einsicht und Veränderung führt.

    Ein weiterer Schwerpunkt ist die Frage, warum wir überhaupt nachträglich über Situationen nachdenken. Wir erklären das mit Automatismen, begrenzter Zeit, begrenzter Energie und der Notwendigkeit, viele alltägliche Abläufe ohne ständige bewusste Entscheidung zu bewältigen. Gleichzeitig zeigen wir, wie Rückblick und neue Informationen dazu führen können, dass wir frühere Reaktionen später anders bewerten.

    Wir ordnen das Ganze außerdem mit einer Firmenmetapher: Die bewusste Kognition ist wie die Chefetage, während viele andere Prozesse automatisch in den unteren Ebenen laufen. Grübeln und Reflexion dienen dann dazu, diese Abläufe zu überprüfen, zu trainieren und für zukünftige Situationen bessere „Hinweisschilder“ oder Regeln aufzubauen.

    Zum Schluss sprechen wir noch über freie Wille, Impulskontrolle und das Libet-Experiment. Wir erwähnen die moderne Lesart, nach der sich Handlungstendenzen im Gehirn vorbereiten, bevor sie bewusst werden, aber noch unterbrochen werden können. Abschließend verknüpfen wir das mit dem Gefühl von Agency, also dem Erleben von Kontrolle über das eigene Handeln.
  • EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus

    Angst braucht keinen Auslöser: Warum Sicherheit erst hergestellt werden muss

    20.06.2026
    In dieser Folge sprechen wir über die Generalized Unsafety Theory of Stress, kurz GUTS, ein Modell aus dem Jahr 2016. Wir ordnen die Theorie evolutionspsychologisch, neurobiologisch und stressphysiologisch ein und zeigen, dass sie Stress und Angst nicht als reine Reaktion auf konkrete Gefahr versteht, sondern als Folge fehlender Sicherheitssignale.

    Wir gehen dabei der Frage nach, warum Unsicherheit selbst Stress auslösen kann. Nach diesem Modell ist Stress kein Ausnahmezustand, sondern eher der Grundzustand, der nur durch empfundene Sicherheit aktiv gehemmt wird. Entscheidend ist also nicht nur, ob tatsächlich Gefahr vorliegt, sondern ob genügend Hinweise vorhanden sind, die dem Nervensystem signalisieren, dass Entwarnung möglich ist.

    An Beispielen wie Dunkelheit, Nebel, einer stehen gebliebenen S-Bahn oder einer unklaren sozialen Situation machen wir deutlich, dass fehlende Vorhersagbarkeit bereits Stress erzeugen kann. Das Gehirn wird hier als Vorhersageorgan beschrieben, das laufend einschätzt, was als Nächstes passiert. Wenn diese Orientierung fehlt, entstehen Unsicherheit, Angst und Anspannung.

    Wir übertragen das Modell auch auf frühe Kindheit, Trauma, komplexe Traumafolgestörungen, soziale Unsicherheit, Einsamkeit und neurodivergente Erfahrungen. Besonders betonen wir, dass Sicherheit nicht nur kognitiv verstanden, sondern emotional und körperlich erlebt werden muss. Dazu gehören Vorhersagbarkeit, Verlässlichkeit, Kompetenz anderer, soziale Einbettung und Autonomie.

    Zum Schluss sprechen wir über mögliche therapeutische Konsequenzen. Wir halten fest, dass nicht nur nach konkreten Auslösern gesucht werden sollte, sondern vor allem nach fehlenden Sicherheitsfaktoren. Sicherheitssignale, Orientierung und die Erfahrung, auch bei Fehlern handlungsfähig zu bleiben, stehen dabei im Mittelpunkt.
  • EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus

    EDHD: Das ADHS-Modell, das Hyperfokus endlich mit erklärt

    13.06.2026
    In dieser Folge sprechen wir über eine neue Studie, die ADHS nicht primär als Aufmerksamkeitsdefizit beschreibt, sondern ein Modell von Energie- und Stoffwechselregulation vorschlägt. Dabei wird der Begriff EDHD geprägt, also „Energy Deficit Hyperactivity Disorder“. Wir ordnen diese Idee als wissenschaftlichen, aber noch nicht diagnostisch anerkannten Begriff ein.

    Im Mittelpunkt steht die These, dass Konzentration, Exekutivfunktionen und Hyperaktivität stark vom jeweiligen Energiezustand abhängen. Wir beschreiben, dass Aufmerksamkeit bei ADHS nicht grundsätzlich fehlt, sondern situativ verfügbar ist. Hyperaktivität, Fidgeting, Task-Switching und Rückzug werden als Strategien verstanden, um unter Belastung Energie zu kompensieren oder aufrechtzuerhalten.

    Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Mitochondrien und der ATP-Verfügbarkeit in Gehirnzellen. Die Folge erklärt, dass ATP als unmittelbare Energiequelle dient und bei neurodivergenten Personen an manchen Stellen weniger stabil verfügbar sein kann. Daraus leiten wir ab, dass Leistungsfähigkeit nicht nur von Willenskraft abhängt, sondern auch von Erholung, Belastung, Kontext und körperlicher Energieversorgung.

    Wir gehen außerdem darauf ein, dass das Modell Überschneidungen mit Schlafproblemen, Burnout, Depression, Angst und neuroinflammatorischen Prozessen besser einordnen kann. Die Folge betont, dass sichtbare Leistungsfähigkeit Erschöpfung oft verdecken kann und dass kurzfristige Hochleistung nicht mit dauerhafter Belastbarkeit verwechselt werden sollte.

    Abschließend wird die Studie als wichtiger neuer wissenschaftlicher Rahmen vorgestellt, der bestehende Erklärungen zu ADHS ergänzt und teilweise korrigiert. Wir sehen darin ein Modell, das Betroffenen- გამოცდილungen besser abbilden kann, auch wenn es noch weiter validiert werden muss.
  • EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus

    👥Talk: Kant, Homo Faber und Neurodivergenz: Was ist der Mensch?

    06.06.2026
    👥Talk: Kant, Homo Faber und Neurodivergenz: Was ist der Mensch?
  • EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus

    Warum Neurodivergente und Neurotypische so oft aneinander vorbeireden

    30.05.2026
    In dieser Folge sprechen wir über Kommunikationsmuster und darüber, wie neurodivergente und neurotypische Menschen oft aneinander vorbeireden. Wir ordnen das Thema in unser Grundthema Neurodivergenz ein und machen deutlich, dass es dabei um Perspektiven rund um Autismus, ADHS und verwandte Bereiche geht.

    Wir arbeiten mit vereinfachten Begriffen wie NeurXA und NeurXM, um unterschiedliche Tendenzen zu beschreiben. Dabei betonen wir, dass es sich nicht um feste Typen handelt, sondern um Modelle zur Orientierung. Kommunikation wird hier als etwas beschrieben, das je nach Kontext unterschiedliche Gewichtungen haben kann.

    Ein Schwerpunkt liegt auf dem Gegensatz zwischen sachbezogener und sozial-hierarchischer Kommunikation. Wir beschreiben, dass NeurXA-Menschen eher direkt, informationsorientiert und auf Verständnis ausgerichtet kommunizieren, während bei NeurXM-Menschen soziale Signale, Status, Beziehungspflege und indirekte Formulierungen stärker mitlaufen.

    Dazu zählen Smalltalk, vorsichtige Andeutungen und verklausulierte Wünsche. Wir erläutern, dass solche Formen für NeurXM oft normal und funktional sind, von NeurXA aber leicht als unklar, ineffizient oder manipulativ erlebt werden können. Umgekehrt kann direkte Kommunikation auf neurotypischer Seite als hart oder bedrohlich wahrgenommen werden.

    Wir gehen auch auf Warum-Fragen, Kritik, Lob und Missverständnisse ein. Wir beschreiben, dass NeurXA-Menschen häufig verstehen wollen, warum etwas so ist, um handlungsfähig zu werden, während NeurXM das eher als Infragestellen lesen kann. Ebenso betonen wir, dass positives Feedback für viele neurodivergente Menschen wichtig ist und fehlendes Lob zu Selbstzweifeln, Rückzug und Überlastung führen kann.

    Am Ende verknüpfen wir das mit größeren Fragen zu Gesellschaft, Hierarchien, Anpassung, Masking und schriftlicher Kommunikation. Wir kündigen an, dass wir das Thema weiter aufgreifen und auch andere Aspekte von Neurodivergenz in späteren Folgen behandeln werden.
Weitere Bildung Podcasts
Über EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus
Dein Podcast zu Neurodiversität, Evolutionärer Psychologie, Gesellschaft, Philosophie und mentaler Entwicklung www.evomentis.de
Podcast-Website

Höre EVOMENTIS - Neurodiversität, ADHS, Autismus und darüber hinaus, Quarks Science Cops und viele andere Podcasts aus aller Welt mit der radio.at-App

Hol dir die kostenlose radio.at App

  • Sender und Podcasts favorisieren
  • Streamen via Wifi oder Bluetooth
  • Unterstützt Carplay & Android Auto
  • viele weitere App Funktionen
Rechtliches
Social
v8.10.5| © 2007-2026 radio.de GmbH
Generated: 6/28/2026 - 7:18:51 PM