robust glücklich - Resilienz durch Stoizismus
Dietmar Gumprecht

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- Manche Menschen sagen „Tschuldigung", bevor überhaupt etwas geschehen ist. Nicht für eine Tat, sondern für die bloße Anwesenheit — für Raum, für ein Bedürfnis, fürs Dasein. Diese Folge geht dem reflexhaften Entschuldigen nach: woher es kommt, was es mit uns macht, und warum ausgerechnet die Formel, die am demütigsten klingt, im Kern ein Griff nach Kontrolle sein kann.
Der Weg führt über drei Sätze, die wir für austauschbar halten — „Ich entschuldige mich", „Ich bitte um Entschuldigung", „Ich bitte um Verzeihung" — und die grammatisch drei verschiedene Dinge tun. Über Sokrates, dessen berühmte Verteidigungsrede „Apologie" heißt und doch keine Entschuldigung ist. Über die stoische Dichotomie der Kontrolle und die Frage, was eigentlich uns gehört und was nicht. Und über eine Wende: dass derselbe Mensch, der sich für Nichtigkeiten entschuldigt, sich mit der einen Entschuldigung, die wirklich zählt, oft besonders schwertut.
Am Ende steht kein Ratschlag, sondern eine Unterscheidung — und zwei Fragen, die jeder für sich nach Hause trägt.
Empirische Hinweise zur Folge:
Zur Schwelle, ab der etwas überhaupt als Vergehen wahrgenommen wird: Schumann, K. & Ross, M. (2010). Why Women Apologize More Than Men. Psychological Science, 21(11), 1649–1655. https://doi.org/10.1177/0956797610384150
Zur Unterscheidung zwischen „Ich habe schlecht gehandelt" und „Ich bin schlecht": Tangney, J. P., Stuewig, J. & Mashek, D. J. (2007). Moral Emotions and Moral Behavior. Annual Review of Psychology, 58, 345–372. https://doi.org/10.1146/annurev.psych.56.091103.070145
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Die Signation wurde von Fabien Tell komponiert und von Constanze Weltmann eingesprochen. Closing-Song: Sämtliche Urheber- und Verwertungsrechte an Text, Komposition und Produktion liegen ausschließlich bei Dietmar Gumprecht. Die Produktion erfolgte unter Einsatz KI-gestützter Werkzeuge. - Du wartest wochenlang auf etwas. Das neue Auto, die Zusage, die Reise. Und dann ist es da — und nach ein paar Tagen ist das Auto ein Auto, der Blick aus dem Hotelfenster nur noch Kulisse, vor der du deinen Kaffee trinkst. Das, was du wolltest, hast du bekommen. Und es ist still geworden.
Worum es geht
Diese Folge handelt von einem Mechanismus, den wir ständig erleben und fast nie betrachten: die Freude, die so schnell wieder verschwindet, wie sie gekommen ist. Die Psychologie nennt es hedonische Adaptation — die Fähigkeit deines Nervensystems, sich an alles zu gewöhnen. Ein nützlicher Spar-Mechanismus, der nur leider nicht zwischen einem Kühlschrankbrummen und deinem neuen Auto unterscheidet.
Seneca hat denselben Vorgang vor zweitausend Jahren beschrieben, ohne Hirnforschung, nur mit genauer Beobachtung. Seine Unterscheidung zwischen einer Begierde, die aus einem Mangel entspringt, und einer, die aus einem Laster kommt, führt tiefer als jede Glücksstudie. Denn unter der Gewöhnung liegt eine zweite Schicht: Wir suchen gar nicht das Ding. Wir suchen den Zustand des Wollens selbst. Die Jagd schmeckt besser als die Beute.
Von dort geht es weiter zur Pleonexie, dem Mehr-haben-Wollen, das keinem Objekt gilt, sondern dem Prinzip Mehr. Zur Frage, ob wir dem Begehren überhaupt trauen können — und warum die Heftigkeit eines Verlangens nichts über den Wert seines Gegenstands aussagt. Zum stoischen Spalt zwischen Impuls und Zustimmung, zum bevorzugten Gleichgültigen, das dich das Leben genießen lässt, ohne dass das Genießen zur Bedingung deines Glücks wird. Und schließlich zu der Umkehr, mit der die Folge schließt: Es gibt einen einzigen Bereich, an dem die Adaptation außer Kraft tritt — die Art, wie du selbst handelst. Dort ist genug nicht etwas, das du erreichst. Dort ist genug etwas, das du sein kannst.
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Die Signation wurde von Fabien Tell komponiert und von Constanze Weltmann eingesprochen. Closing-Song: Sämtliche Urheber- und Verwertungsrechte an Text, Komposition und Produktion liegen ausschließlich bei Dietmar Gumprecht. Die Produktion erfolgte unter Einsatz KI-gestützter Werkzeuge. - Alle haben ADHS. Hochsensibel, traumatisiert, neurodivers, ein unsicherer Bindungstyp, ein Narzisst in der Familie: Die Sprache der Diagnose ist zur Sprache der Selbstbeschreibung geworden. Diese Folge fragt, was passiert, wenn aus einem Wort, das etwas beschreibt, ein Wort wird, das man ist. Wann ein Etikett Halt gibt und wann es zum Käfig wird. Und was die Stoa dem entgegenzusetzen hat: eine Praxis ohne Identität, die vor jedem Begriff die Aufmerksamkeit setzt. Erleben vor Benennen.
Es geht um die vier Bedürfnisse, die jedes Etikett bedient, um die Ökonomie einer Bewegung, die keine Produkte verkauft, sondern Identitäten, um Hybris und Standeserhebung, und um die Frage, wie man sich selbst kennt, ohne sich zu etikettieren. Mit einem ehrlichen Wort auch an die andere Seite: an alle, für die eine Diagnose kein Käfig war, sondern der erste Schritt ins Freie.
Der Song zu Beginn
Das Intro stammt aus einem Stück des Kabarettisten und Musikers Friedemann Weise. Mit freundlicher Genehmigung. Mehr von ihm auf Instagram.
Quellen und Studien zur Folge
Die in der Folge genannten Zahlen und Befunde stammen aus den folgenden Arbeiten. Wer nachlesen möchte, findet hier die Originale.
Zur Zahl, dass ein Viertel der Erwachsenen bei sich ein unerkanntes ADHS vermutet, während tatsächlich nur ein Bruchteil diagnostiziert ist: eine landesweite Befragung von 1.006 Erwachsenen der Ohio State University (2024). wexnermedical.osu.edu
Zur Beobachtung, dass sich fachlich saubere und fachlich irreführende Videos gleich gut verbreiten und dass häufiger Konsum solcher Inhalte mit einer verzerrten Wahrnehmung von ADHS einhergeht: eine Analyse der hundert meistgesehenen ADHS-Videos auf TikTok, zwei vorab registrierte Studien von Karasavva und Kollegen, PLOS ONE (2025). doi.org/10.1371/journal.pone.0319335
Zum Befund, dass Menschen, die sich selbst ein Etikett geben, sich als weniger fähig erleben, ihre eigenen Zustände zu beeinflussen, und zwar bei gleicher Symptomschwere: eine Untersuchung zur Selbstetikettierung mit Depression von Ahuvia und Kollegen, Journal of Affective Disorders (2024). Der Zusammenhang ist ein statistischer, kein bewiesen ursächlicher. doi.org/10.1016/j.jad.2024.01.229
Zum Gedanken, dass die Deutung einer Erfahrung diese Erfahrung selbst verändern kann, und dass mehr Wissen über psychische Not zugleich die Bereitschaft erhöht, Hilfe zu suchen: die Arbeit von Foulkes und Andrews zur sogenannten Prevalence-Inflation-Hypothese, New Ideas in Psychology (2023). doi.org/10.1016/j.newideapsych.2023.101010
Mehr zum Thema
Wenn dich das Thema Hochsensibilität weiter beschäftigt, findest du dazu zwei frühere Folgen: Hochsensibilität ist keine Superkraft — wie ein Begriff dich kleiner macht und Du bist nicht zu sensibel. Du bist zu verfügbar.
Weiterführende Angebote
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Die Signation wurde von Fabien Tell komponiert und von Constanze Weltmann eingesprochen. Das Song-Intro stammt von Friedemann Weise und wird mit seiner Genehmigung verwendet. - Wer sagt „ich bereue nichts", meint es meist ehrlich — und sagt trotzdem etwas, das zu viel behauptet. Denn wer wirklich nie etwas bereut, hat entweder nie eine Wahl getroffen, die ihm teuer war, oder er hört den Teil von sich nicht mehr, der noch am Verlorenen hängt.
Diese Folge nimmt das Entscheiden beim Wort. Das lateinische decidere heißt abschneiden, und genau das tut jede Wahl: Sie trennt eine Möglichkeit ab und lässt sie liegen. Wähle ich diese Stadt, sterben die anderen Städte. Wähle ich diesen Weg, bleiben die ungegangenen für immer ungegangen. Entscheiden ist eine Form von Abschied, und Abschied kostet.
Im Zentrum steht eine Unterscheidung, die im Alltag ständig verschwimmt: Bedauern ist nicht dasselbe wie Reue. Reue sagt, ich hätte anders gekonnt und sollen. Bedauern weiß, dass die Wahl richtig war, und trauert trotzdem dem nach, was sie gekostet hat. Man kann beides zugleich haben. Man kann eine Entscheidung für richtig halten und den Verlust darin dennoch spüren.
Daraus wird eine andere Art zu fragen. Nicht mehr: Wie wähle ich so, dass ich nichts bereue? Sondern: Welchen Verlust kann ich tragen? Das Bedauern gehört in die Entscheidung eingerechnet, bevor man wählt — und nach der Wahl gehört es nicht mehr gegen ein Leben aufgerechnet, das es nie gegeben hat. Wähle dein Bedauern. Nicht als Formel gegen den Schmerz, sondern als Einladung, ihn vorher zu kennen.
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Die Signation wurde von Fabien Tell komponiert und von Constanze Weltmann eingesprochen. Closing-Song: Sämtliche Urheber- und Verwertungsrechte an Text, Komposition und Produktion liegen ausschließlich bei Dietmar Gumprecht. Die Produktion erfolgte unter Einsatz KI-gestützter Werkzeuge. - Ein Video von sich selbst, ein Mensch, der nicht sieht, was Fremde sofort erkennen – und ein Befund, der sich seit Jahrzehnten wiederholt: Genaues Hinschauen hilft an dieser Stelle nichts. Diese Folge geht der unbequemen Frage nach, wo Selbsterkenntnis wirklich an ihre Grenzen stößt.
Ausgangspunkt ist ein Satz, der auf Kaffeetassen und in Instagram-Kacheln steht: Niemand weiß besser als du, was gut für dich ist. Woher er stammt, was Carl Rogers tatsächlich gemeint hat und wie aus einer Haltungsregel für Therapeuten eine Behauptung über die Beschaffenheit von Menschen wurde – das ist der erste Teil dieser Folge.
Der zweite Teil zeichnet eine Landkarte: Wo bist du dir selbst die zuverlässigste Quelle, und wo sind es die anderen? Zwei einfache Fragen entscheiden darüber. Und ein Satz zieht sich durch die gesamte Folge: Je wichtiger dir eine Eigenschaft ist, desto unzuverlässiger ist dein Blick darauf.
Diese Folge nimmt auch den Gegeneinwand ernst – die Geschichte testimonialer Ungerechtigkeit, verzögerter Diagnosen, jahrelang nicht geglaubter Erfahrung. Und sie trifft eine Unterscheidung, an der, wenn sie stimmt, alles hängt: die zwischen Erfahrung und Deutung.
Am Ende stehen zwei sehr alte Stimmen. Epiktet, der beobachtet, welche Fehler Menschen zugeben und welche nie. Und Galen von Pergamon mit einer Anleitung aus dem zweiten Jahrhundert: Such dir jemanden, der dir sagt, was du nicht siehst – und wenn er schweigt, glaube ihm nicht.
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Über robust glücklich - Resilienz durch Stoizismus
Grübeln, Überreaktionen, emotionale Abhängigkeit – keine Charakterfehler, sondern Gewohnheiten. Und Gewohnheiten lassen sich ändern.
robust glücklich ist der Podcast für innere Stabilität und Widerstandskraft – ohne Selbstoptimierungshype. Grundlage ist die Stoa: eine Philosophie, die sich als erstaunlich brauchbar für den Alltag erweist.
Themen: Ärger, Kontrollverlust, innere Unruhe, Grübeln, Gelassenheit.
Von Dietmar Gumprecht, Autor, psychologischer Berater und Coach.
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