»Kraken zu beschreiben, ist«, sagt Sonja Beller, »wie der Versuch, eine Wolke festzuhalten.« Unser Gespräch im Berliner Aquarium wird also ein so beherzter wie tastender Griff in die Wolken – vor einem verlassenen Becken: Der Berliner Krake ist vor zwei Wochen gestorben. Wir sitzen vor dem Glasscheibe und erschaffen ihn im Gespräch vor dem inneren Auge: Es ist nicht einfach, denn sein fluides und jede Kategorie sprengendes Wesen wirkt, als hätte die Evolution ein zweites Mal gewürfelt und dabei alle Sinne und Körperteile ganz und gar neu zusammengesetzt. Svenja nähert sich diesem schier unfassbaren Wesen in der Forschung, der Literatur und der eigenen Begegnung auf ihren Tauchgängen. Doch kaum erspäht sie einen Kraken, verändert sich dessen Hautfarbe, wolkenhafte Schatten huschen über die Oberfläche hinweg, das Tier verändert unentwegt seine ganze Gestalt. Seine acht autonom agierenden Arme sind mit 10.000 Neuronen ein denkendes Körperteil. Das Tier ist nicht zu fassen. Sein nonkonformistisches Dasein die natur- und kulturwissenschaftliche Forschung und alle, die das Andersartige nicht befremdet, sondern fasziniert.
[Buch Kraken. Ein Portrait](https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/kraken.html)
[Verlag Matthes&Seitz Berlin](https://www.matthes-seitz-berlin.de/matthes-seitz-berlin.html)
[Biografie Svenja Beller](https://www.matthes-seitz-berlin.de/autor/svenja-beller.html)
[Website Svenja Beller](https://www.svenjabeller.com/)
[Berliner Aquarium](https://www.aquarium-berlin.de/de)