229 Episoden
- Nico's neues Buch, progressives Christentum und warum Gott für ihn nicht als Person gedacht werden sollte
In dieser Folge sprechen Jason und Nico über Nicos neues Buch, das seit dem 7.8. erschienen ist, und über die theologische Grundfrage, wie man heute ehrlich von Gott sprechen kann. Im Zentrum stehen progressives Christentum, Paul Tillich, Prozesstheologie und die praktische Frage, wie Glaube in Gemeinden, Ritualen und Seelsorge lebendig wird.
Jason bringt dabei die Perspektive aus der Prozesstheologie ein, während Nico seine Position aus progressiver, eher liberaler Theologie entfaltet. Gemeinsam arbeiten sie heraus, warum Glauben für beide nicht bei richtigen Sätzen stehen bleiben darf, sondern Erfahrung, Wirkung und gelebte Konsequenzen braucht.
(Leider hat es technische Probleme gegeben, das tut mir sehr leid. Demnächst wieder in besserer Qualität)
Key topics
Nico erklärt, warum das Buch aus seiner Community heraus entstanden ist: Viele Menschen wollten etwas über seinen Glauben lesen, ohne theologische Vorkenntnisse mitbringen zu müssen.
Er beschreibt das Buch als allgemeinverständliche Einführung in progressive Theologie, nicht als akademisches Werk für Theologinnen und Theologen.
Progressives Christentum definiert Nico als eine Theologie, die stärker auf das fokussiert, was Jesus getan und gesagt hat, als auf spätere Dogmen über Jesus.
Er betont die soziale und ethische Dimension: Im Zentrum stehen marginalisierte, unterdrückte und ausgeschlossene Menschen.
Jason und Nico kritisieren gemeinsam ein Christentum, das sich in richtigen Glaubenssätzen erschöpft, aber wenig Wirkung auf die reale Welt hat.
Nico macht deutlich, dass ihn Kategorien wie konservativ oder liberal weniger interessieren als die Frage, wie Menschen Glauben tatsächlich erleben.
Ein großer Schwerpunkt ist Paul Tillich: Für Nico ist Gottesrede sinnvoller als Rede vom Daseinsgrund, nicht von einem personalen Gegenüber.
Die beiden diskutieren ausführlich den Unterschied zwischen einem personal gedachten Gott und einer prozesshaften, erfahrungsbezogenen Gottesvorstellung.
Nico erklärt, warum er die klassische Vorstellung von Gottes Handeln für problematisch hält, vor allem im Blick auf Leid und Theodizee.
Bei Jesus kommt Nico zu dem Schluss: Jesus ist nicht Gott im ontologischen Sinn, sondern der Mensch, in dem der Grund des Seins sichtbar und wirksam wird.
Im zweiten Teil geht es sehr praktisch um Nicos Gemeindearbeit: offene Abendmahlspraxis, angepasste Einsetzungsworte, Seelsorge online und reflektierte Liturgie.
Nico beschreibt, wie er bewusste Irritation in Gottesdiensten nutzt, etwa durch weibliche Gottesbilder und variierende Sprache, um eingefahrene Vorstellungen aufzubrechen.
Timestamps
00:00 - Begrüßung, Buchrelease und worüber heute gesprochen wird
01:05 - Das Buch ist seit dem 7.8. draußen
02:04 - Warum Nico das Buch geschrieben hat
03:01 - Ein Buch für Nicht-Theologinnen und Nicht-Theologen
04:00 - Nicos Alltag als Pastor und digitaler Seelsorger
05:32 - Was progressives Christentum für Nico bedeutet
08:56 - Warum Glaubenssätze ohne Weltbezug zu wenig sind
10:48 - Warum Nico sich gegen enge theologischen Schubladen wehrt
12:29 - Theologie muss politische Konsequenzen haben
14:24 - Paul Tillich als wichtige Inspirationsquelle - #NewNormal – Wie lebt es sich als deutsch-israelische Familie in Berlin?
Hannah ist neu im Schöner-Glauben-Team – und bringt eine Perspektive mit, die in progressiven deutschsprachigen Diskursen selten so offen zu hören ist: Sie ist Deutsche, mit einem Israeli verheiratet, Mutter einer dreijährigen Tochter, die den israelischen Nachnamen ihres Vaters trägt. Und sie lebt in Berlin.
Jason und Hannah reden über das, was der 7. Oktober mit einer Familie wie ihrer gemacht hat. Nicht nur das unmittelbare Trauma – Hannahs Mann hat ein Familienmitglied verloren – sondern das, was danach kam und seitdem bleibt: die Frage, welche Sprache man auf der Straße spricht, ob man in bestimmten Stadtteilen hebräisch redet oder lieber nicht, was es bedeutet, wenn die eigene Tochter in drei Jahren mit einem israelischen Nachnamen eingeschult wird.
Das Gespräch hält viele Gleichzeitigkeiten aus. Hannah benennt klar, dass sie den Begriff Genozid für das, was in Gaza passiert, inzwischen selbst verwendet – und erzählt gleichzeitig, wie schwer es ist, dafür einen Ort zu finden, der weder die israelische Kriegsführung ausblendet noch das Leid der Opfer des 7. Oktober. Sie berichtet von einer Veranstaltung israelischer Friedensaktivistinnen in Neukölln, die vom eigentlich solidarischen Publikum regelrecht von der Bühne gebuht wurden. Und von dem Gefühl, in der deutschen Linken ein stückweit politische Heimat verloren zu haben.
Jason bringt seinen Schulalltag ein: Wie unterrichtet man das Thema, wenn es weder im Curriculum vorkommt noch jemanden kalt lässt? Wie geht man mit Schüler:innen um, die TikTok-Ausschnitte zeigen – ohne den Kontext, aber mit vollem Schmerz?
Am Ende steht kein Fazit, sondern eine Orientierung: Die Stimmen, die es braucht, sind die von Menschen, die auf beiden Seiten gleichzeitig stehen – wie die Bewegung Standing Together oder die neu gegründete Partei Macom le Culano. Laut machen, statt wegschauen.
Auf www.schoenerglauben.jetzt könnt ihr uns finanziell unterstützen. Danke! - #Ungefiltert – Nana Myrrhe über Purity Culture, Körperscham und den Weg raus
Nana Myrrhe ist Autorin, Aktivistin und betreibt den Account Purity Britney – und ist damit eine der lautesten und kreativsten deutschsprachigen Stimmen gegen Purity Culture. Moritz hat ihr Buch Feucht und Fromm gelesen und wollte sie einfach kennenlernen. Das ist #Ungefiltert.
Das Gespräch beginnt biografisch: aufgewachsen in charismatisch-fundamentalistischen Kreisen, in denen der Körper als Ort der Gefährdung galt, Sexualität als dämonische Energie und Jungfräulichkeit als das Heiligste, was man bewahren konnte. Nana erzählt, wie tief diese Prägungen gingen – bis in die Scham, sich selbst nackt zu sehen. Und was passiert, wenn man ein Leben lang darauf wartet, dass die Ehe das alles wie von Zauberhand auflöst.
Spoiler: Es löst sich nicht auf. Nana spricht offen über Vaginismus, über die psychosomatischen Folgen von Purity Culture und über den Moment, in dem die Wut größer wurde als die Angst. Daraus entstand ihr Buch – und Purity Britney.
Dazu geht's um: warum Paulus so viel mehr zitiert wird als Jesus. Wie biblische Texte über Ehe und Körper im historischen Kontext gelesen werden müssen – und was passiert, wenn man das nicht tut. Britney Spears als unfreiwillige Ikone der Purity Culture. Und was Humor als Aufklärungsformat leisten kann, das sachliche Argumente allein nicht schaffen.
📖 Feucht und Fromm von Nana Myrrhe – am besten direkt bei ihr bestellen (sie signiert und bekommt mehr davon): @nanamyrrhe oder nanamyrrhe.de
🎵 Musikvideo zu Toxic (Purity Culture Parodie) – https://www.youtube.com/watch?v=GYjiNsrVr10&list=RDGYjiNsrVr10&start_radio=1
📬 Newsletter (kommt selten, dafür gut): nanamyrrhe.de
Das frühere Gespräch mit Franzi und Andrea Hansen zu Purity Culture gibt's auch bei Schöner Glauben, einfach runterscrollen :)
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