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- Was Menschen blockiert und ihnen die Kraft nimmt, sich dem Guten zuzuwenden, beschreibt Joana Drießen als das Gegenteil von Gott. Die erste Gemeindereferentin am Paderborner Dom spricht im Podcast „Blick in die Bibel“ über das Lukasevangelium (Lk 13,10–17), in dem Jesus eine Frau heilt, die seit vielen Jahren von einem Geist geplagt wurde. Besonders berührt Drießen, dass Jesus durch Berührung, das heißt durch Auflegen der Hände, heilt. Körperliche Nähe, eine Umarmung, eine tröstende Hand: Das könne spürbar machen, dass man mit seinen Belastungen nicht allein ist. Auch Jesu Heilung am Sabbat ist für Drießen ein Zeichen seiner Haltung: Trotz aller Regeln stellt er den Menschen in den Mittelpunkt. Jesus hält den Menschen den Spiegel vor und fragt, worum es wirklich geht. Denn der Glaube soll immer für die Menschen da sein und ihre Sorgen und Nöte im Blick behalten. Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit lehrte Jesus am Sabbat in einer Synagoge. Und siehe, da war eine Frau, die seit achtzehn Jahren krank war, weil sie von einem Geist geplagt wurde; sie war ganz verkrümmt und konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte, und sagte zu den Leuten: Sechs Tage sind zum Arbeiten da. Kommt also an diesen Tagen und lasst euch heilen, nicht am Sabbat! Der Herr erwiderte ihm: Ihr Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los und führt ihn zur Tränke? Diese Frau aber, die eine Tochter Abrahams ist und die der Satan schon seit achtzehn Jahren gefesselt hielt, sollte am Sabbat nicht davon befreit werden dürfen? Durch diese Worte wurden alle seine Gegner beschämt; das ganze Volk aber freute sich über all die großen Taten, die er vollbrachte. (Lk 13,10-17)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
- „Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle umkommen“: Die Worte Jesu im Lukasevangelium (Lk 13,1–9) klingen drastisch. Dr. Thomas Lemmen erklärt, was Jesus mit zwei rätselhaften Unglücksfällen deutlich macht: Weder die von Pilatus getöteten Galiläer noch die Opfer eines einstürzenden Turms wurden für ihre Sünden bestraft. Vielmehr ist die Botschaft ein eindringlicher Aufruf zur Umkehr. Zugleich macht das Gleichnis vom Feigenbaum Mut: Obwohl er lange keine Früchte trägt, bekommt er noch eine Chance. Für Lemmen liegt darin eine tröstliche Hoffnung: Es lohnt sich, nicht vorschnell aufzugeben, sondern noch einmal Hand anzulegen und darauf zu vertrauen, dass Gutes wachsen kann.Aus dem Evangelium nach Lukas:Zu jener Zeit kamen einige Leute und berichteten Jesus von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit dem ihrer Opfertiere vermischt hatte. Und er antwortete ihnen: Meint ihr, dass diese Galiläer größere Sünder waren als alle anderen Galiläer, weil das mit ihnen geschehen ist? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle genauso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms am Schiloach erschlagen wurden – meint ihr, dass sie größere Schuld auf sich geladen hatten als alle anderen Einwohner von Jerusalem? Nein, sage ich euch, vielmehr werdet ihr alle ebenso umkommen, wenn ihr nicht umkehrt. Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine. Da sagte er zu seinem Winzer: Siehe, jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen? Der Winzer erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen. Vielleicht trägt er in Zukunft Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen! (Lk 13,1-9)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
- Im Blick auf das Tagesevangelium aus Lukas 12,54–59 erläutert der katholische Theologe und Honorarprofessor an der katholischen Hochschule Nordrheinwestfalen Dr. Thomas Lemmen die Bedeutung von Entscheidung und Verantwortung im Glauben. Jesus fordert dazu auf, die Zeichen der Zeit zu erkennen. So wie Menschen aus der Beobachtung von Himmel und Erde auf das Wetter schließen, sollen sie auch die Herausforderungen ihrer Zeit wahrnehmen und daraus Konsequenzen ziehen. Das gilt heute angesichts von Klimawandel, Armut und gesellschaftlicher Polarisierung. Auch Jesu Mahnung, sich mit einem Gegner rechtzeitig zu einigen, bevor es zum Gericht kommt, ist aktuell: Sie erinnert daran, Streit nicht eskalieren zu lassen, sondern Versöhnung zu suchen. Für Lemmen ist der Glaube dabei eine persönliche Entscheidung, die jeder Mensch selbst treffen muss. Zugleich ist er Erfahrung und Geschenk: Wer sich auf Gott einlässt, kann erfahren, dass diese Entscheidung das eigene Leben trägt.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit sprach Jesus zu der Volksmenge: Wenn ihr im Westen eine Wolke aufsteigen seht, sagt ihr sofort: Es gibt Regen. Und so geschieht es. Und wenn der Südwind weht, sagt ihr: Es wird heiß. Und es geschieht. Ihr Heuchler! Das Aussehen der Erde und des Himmels wisst ihr zu deuten. Warum könnt ihr dann diese Zeit der Entscheidung nicht deuten? Warum findet ihr nicht schon von selbst das rechte Urteil? Denn wenn du mit deinem Gegner zum Gericht gehst, bemüh dich noch auf dem Weg, dich mit ihm zu einigen! Sonst wird er dich vor den Richter schleppen und der Richter wird dich dem Gerichtsdiener übergeben und der Gerichtsdiener wird dich ins Gefängnis werfen. Ich sage dir: Du kommst von dort nicht heraus, bis du auch die letzte Münze bezahlt hast. (Lk 12,54-59)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen“ - Gespräch mit Thomas Lemmen
22.10.2026 | 10 Min.„Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen“ – die Worte Jesu im Lukasevangelium (Lukas 12,49–53) wirken irritierend. Wie passen sie zur Botschaft der Nächstenliebe? Dr. Thomas Lemmen, Islamexperte und langjähriger Referent für Islamfragen im Erzbistum Köln, erklärt: Die Spaltung steht für die Entscheidung, die Menschen treffen müssen, wenn sie mit Jesu Botschaft konfrontiert werden. Diese Entscheidung kann zu Konflikten führen, sogar innerhalb von Familien. Das Feuer verweist auf Läuterung und Gericht, die Taufe auf Jesu bevorstehenden Tod. Doch die Entscheidung für Jesus bedeutet nicht, andere abzulehnen. Vielmehr bleibt es die Aufgabe seiner Nachfolger, allen Menschen mit Respekt, Liebe und Wertschätzung zu begegnen. Lemmen betont, dass die schwierige Textstelle nur im Zusammenhang mit der gesamten Botschaft Jesu zu verstehen ist. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem und er weiß, was ihm bevorsteht - das Evangelium läuft auf den Höhepunkt zu und da mahnt Jesus, sich für Gottes Reich zu entscheiden.Aus dem Evangelium nach Lukas:n jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und wie bin ich bedrängt, bis sie vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf der Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, sondern Spaltung. Denn von nun an werden fünf Menschen im gleichen Haus in Zwietracht leben: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei; der Vater wird gegen den Sohn stehen und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter, und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. (Lk 12,49-53)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)- Im Lukasevangelium, Kapitel 12, Verse 39 bis 48, spricht Jesus eindringlich über Wachsamkeit und Verantwortung. Auf seinem Weg nach Jerusalem ist ihm bewußt, dass ihn dort Leiden erwarten. Jesus mahnt seine Zuhörer - im Angesicht seines tragischen Schicksals - auf die Wiederkunft des Herrn vorbereitet zu sein. Doch warum droht Jesus mit Schlägen? Ist das schwarze Pädagogik? Dr. Thomas Lemmen ordnet die drastischen Bilder in den Gesamtkontext des Evangeliums ein: Sie sollen nicht wörtlich verstanden werden, sondern die Menschen aufrütteln. Die Botschaft: Wer um seinen Auftrag weiß, trägt Verantwortung für sein Handeln. Wer wider besseres Wissen handelt, muss sich stärker verantworten als jemand, der es nicht besser wusste. Dr. Thomas Lemmen ist katholischer Theologe, Islamexperte und Honorarprofessor an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen. Bis vor wenigen Wochen war er Referent für Islamfragen im Erzbistum Köln.Aus dem Evangelium nach Lukas:In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht. Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet. Da sagte Petrus: Herr, sagst du dieses Gleichnis nur zu uns oder auch zu allen? Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über sein Gesinde einsetzen wird, damit er ihnen zur rechten Zeit die Tagesration gibt? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Wahrhaftig, ich sage euch: Er wird ihn über sein ganzes Vermögen einsetzen. Wenn aber der Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verspätet sich zu kommen! und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, dann wird der Herr jenes Knechtes an einem Tag kommen, an dem er es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen. Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen. Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man umso mehr verlangen. (Lk 12,39-48)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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