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  • Blick in die Bibel

    Freiheit prägt den Glauben - Gespräch mit Riccardo Wagner

    07.07.2026 | 11 Min.
    Wie prägt eine Kindheit in der DDR den Blick auf Freiheit, Demokratie und Glauben? Prof. Riccardo Wagner erzählt von der Ausreise seiner Familie kurz vor dem Mauerfall und warum ihn die Erfahrungen in einem Unrechtsstaat bis heute bewegen. Er berichtet von einer Jugend ohne jede Berührung mit Kirche oder Glauben – „Bis wenige Monate vor meiner Taufe hatte ich noch nie mit einem Priester gesprochen“ – und erklärt, weshalb ihm echter Pluralismus und Meinungsfreiheit heute besonders am Herzen liegen. Im Gespräch über das Tagesevangelium zeigt Wagner außerdem, warum Jesu Mitleid für ihn ein Vorbild für gute Führung ist: „Er sieht die Menschen, er sieht ihr Leid – und er ist erst einmal in Empathie bei ihnen.“ Ein persönliches Gespräch über Freiheit und die Kraft, den anderen wirklich wahrzunehmen.Aus dem Matthäusevangelium: In jener Zeit brachte man zu Jesus einen Stummen, der von einem Dämon besessen war. Er trieb den Dämon aus und der Stumme konnte reden. Alle Leute staunten und sagten: So etwas ist in Israel noch nie gesehen worden. Die Pharisäer aber sagten: Mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus. Jesus zog durch alle Städte und Dörfer, lehrte in ihren Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte alle Krankheiten und Leiden. Als er die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben. Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! (Mt 9,32-38)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
  • Blick in die Bibel

    "Neugier als Kompass" - Gespräch mit Riccardo Wagner

    06.07.2026 | 12 Min.
    Professor, Journalist, Berater, Verleger – Riccardo Wagner hat viele berufliche Stationen durchlaufen. Im Podcast erzählt der 52-Jährige, warum ihn vor allem seine Neugier durchs Leben getragen hat: "Ich finde viel zu viele Dinge spannend", sagt er schmunzelnd. Vor zwei Jahren ließ er sich taufen – ein Schritt, der seinem Lebensweg noch einmal eine neue Richtung gab. Im Gespräch erklärt er außerdem, warum ihm junge Menschen und ihre Zukunft am Herzen liegen und weshalb er überzeugt ist, dass es heute eine starke katholische Stimme in den Medien braucht. Im Blick auf das Evangelium macht Wagner Mut, Vertrauen zu wagen: "Ich muss einfach nur bereit sein, die Hand auszustrecken." Seine Auslegung kreist um Hoffnung, Beziehung und den Satz Jesu: "Hab keine Angst." Ein persönliches Gespräch voller Zuversicht und inspirierender Gedanken.Aus dem Matthäusevangelium:In jener Zeit, als Jesus redete, kam ein Synagogenvorsteher, fiel vor ihm nieder und sagte: Meine Tochter ist eben gestorben; komm doch, leg ihr deine Hand auf, dann wird sie wieder lebendig. Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern. Da trat eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt, von hinten an ihn heran und berührte den Saum seines Gewandes; denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Jesus wandte sich um, und als er sie sah, sagte er: Hab keine Angst, meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen. Und von dieser Stunde an war die Frau geheilt. Als Jesus in das Haus des Synagogenvorstehers kam und die Flötenspieler und die Menge der klagenden Leute sah, sagte er: Geht hinaus! Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Als man die Leute hinausgedrängt hatte, trat er ein und fasste das Mädchen an der Hand; da stand es auf. Und die Kunde davon verbreitete sich in der ganzen Gegend. (Mt 9,18-26)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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    "Junger Wein in neue Schläuche" - Gespräch mit Thomas Söding

    04.07.2026 | 15 Min.
    Ist Gott den Menschen heute gleichgültig? Der Bochumer Theologe Thomas Söding hält wenig von der These einer zurzeit viel diskutierten "religiösen Indifferenz". Zwar zeigten soziologische Studien ein wachsendes Desinteresse an Kirche und Religion. Doch daraus lasse sich nicht schließen, dass die Gottesfrage erledigt sei. Vielmehr komme es darauf an, wie diejenigen ihren Glauben leben, die sich weiterhin für Gott interessieren. Sie seien – im Bild der Bergpredigt – berufen, "Salz der Erde" und "Licht der Welt" zu sein: eine Minderheit mit Ausstrahlung.Zugleich warnt Söding davor, Glauben mit Aberglauben zu verwechseln. Christlicher Glaube befreie und schenke Hoffnung, während Aberglaube aus Angst entstehe und Menschen binde. Das Entzünden einer Kerze oder das Gebet seien Ausdruck von Vertrauen, nicht von magischem Denken.Mit Blick auf das Tagesevangelium vom "jungen Wein in neuen Schläuchen" sieht Söding einen Auftrag zur Erneuerung der Kirche. Jesus habe das Gesetz nicht abgeschafft, sondern erfüllt – und dafür neue Formen eröffnet. Auch heute müsse die Kirche ihre Tradition von innen heraus weiterentwickeln. Reformen seien deshalb kein Bruch mit dem Glauben, sondern könnten Ausdruck seiner Lebendigkeit sein. Entscheidend sei, Altes und Neues miteinander zu verbinden.Aus dem Matthäusevangelium: In jener Zeit kamen die Jünger Johannes’ des Täufers zu Jesus und sagten: Warum fasten deine Jünger nicht, während wir und die Pharisäer fasten? Jesus antwortete ihnen: Können denn die Hochzeitsgäste trauern, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, da wird ihnen der Bräutigam weggenommen sein; dann werden sie fasten.Niemand setzt ein Stück neuen Stoff auf ein altes Gewand; denn der neue Stoff reißt doch wieder ab und es entsteht ein noch größerer Riss. Auch füllt man nicht jungen Wein in alte Schläuche. Sonst reißen die Schläuche, der Wein läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Jungen Wein füllt man in neue Schläuche, dann bleibt beides erhalten. (Mt 9,14-17)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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    "Marienfrömmigkeit heute" - Gespräch mit Thomas Söding

    02.07.2026 | 16 Min.
    Für Theologieprofessor Thomas Söding ist Maria weit mehr als eine Identifikationsfigur katholischer Frömmigkeit. Entscheidend sei das biblische Bild der Frau aus Nazareth: die Mutter Jesu, die Gottes Ruf in Freiheit annimmt und so den Weg für die Menschwerdung ebnet. Maria stehe nicht für Unterordnung, sondern für eine Freiheit, die aus dem "Ja" zu Gott und den Menschen erwachse. Moderne Begriffe wie Emanzipation ließen sich zwar nicht einfach auf das Neue Testament übertragen, dennoch könne Maria Frauen bis heute inspirieren.Zugleich warnt Söding vor überbordender Marienverehrung und kitschigen Verklärungen. Maßstab müsse immer die Heilige Schrift bleiben. Im Evangelium von der Begegnung Marias mit Elisabeth erkennt er eine zentrale Botschaft: Maria macht sich auf den Weg zu den Menschen – ein Vorausbild des Wirkens Jesu. Ihr Lobgesang, das Magnificat, eröffne eine Hoffnungsperspektive, in der Gott die Mächtigen entmachtet und die Niedrigen erhöht. Diese Verheißung sei Auftrag und Ermutigung für Christinnen und Christen bis heute.Aus dem Lukasevangelium:In jenen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharías und begrüßte Elisabet. Und es geschah: Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, in dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Und selig, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter. Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut. Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter. Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig. Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht über alle, die ihn fürchten. Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten: Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen. Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unsern Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.Und Maria blieb etwa drei Monate bei ihr; dann kehrte sie nach Hause zurück. (Lk 1,39-56)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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    "Kirchen sind besondere Resonanzräume" - Gespräch mit Thomas Söding

    01.07.2026 | 14 Min.
    "Sorry, aber ich bin kein Fan davon, eine Besichtigungsgebühr für den Kölner Dom zu verlangen", sagt Theologieprofessor Thomas Söding. Der Dom sei für ihn weit mehr als eine Touristenattraktion – ein Ort kultureller Faszination und spiritueller Tiefe. Söding weist aber darauf hin, dass es über die Mitgliedschaft im Zentral-Dombau-Verein die Möglichkeit gebe, den Dom weiterhin zu jeder Zeit kostenfrei besuchen zu können. Ab dem 1. Juli bezahlen Touristen eine Besichtigungsgebühr von 12 Euro für den Kölner Dom.Mit Blick auf die Zukunft der Kirchen betont Söding deren bleibende Bedeutung als Orte der Stille, der Begegnung und der Spiritualität. Auch wenn manche Kirchen anders genutzt oder aufgegeben werden müssten, blieben sie besondere Resonanzräume. Entscheidend sei nicht nur das Gebäude, sondern die Gemeinschaft: "Ihr selbst seid das Haus Gottes", erinnert Söding an den Apostel Paulus. Wo Menschen Verantwortung für ihre Kirche übernehmen, entstehe neues Leben.Das Tagesevangelium von der Austreibung der Dämonen in eine Schweineherde versteht Söding als zugleich eindrücklich und mit feiner Ironie erzählt. Im Mittelpunkt stehe nicht das Schicksal der Schweine, sondern die befreiende Kraft Jesu. Die Dämonen symbolisierten Mächte, die Menschen gefangen halten. Jesus schenke Freiheit und eröffne einen Neuanfang – eine Botschaft, die nach Söding bis heute aktuell geblieben ist.Aus dem MatthäusevangeliumIn jener Zeit, als Jesus an das andere Ufer kam, in das Gebiet der Gadaréner, liefen ihm aus den Grabhöhlen zwei Besessene entgegen. Sie waren so gefährlich, dass niemand auf jenem Weg entlanggehen konnte. Und siehe, sie schrien: Was haben wir mit dir zu tun, Sohn Gottes? Bist du hierhergekommen, um uns vor der Zeit zu quälen? In einiger Entfernung weidete eine große Schweineherde. Da baten ihn die Dämonen: Wenn du uns austreibst, dann schick uns in die Schweineherde! Und er sagte zu ihnen: Weg mit euch! Die aber fuhren aus und in die Schweine hinein. Und siehe, die ganze Herde stürmte den Abhang hinab in den See und kam in den Fluten um. Die Hirten aber flohen, liefen in die Stadt und erzählten alles, auch das, was mit den Besessenen geschehen war. Und siehe, die ganze Stadt zog hinaus, um Jesus zu begegnen; als sie ihn sahen, baten sie ihn, ihr Gebiet zu verlassen. (Mt 8,28-34)(© Ständige Kommission für die Herausgabe der gemeinsamen liturgischen Bücher im deutschen Sprachgebiet)
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