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- Sechsundzwanzig Buchstaben, eine feste Reihenfolge, auswendig gelernt seit der Kindheit, und bis heute kann niemand sicher erklären, warum sie ausgerechnet so lautet. Das Alphabet entstand vor rund 3.800 Jahren, vermutlich als semitischsprachige Arbeiter in ägyptischen Bergwerken Hieroglyphen für die Anfangslaute ihrer eigenen Wörter nutzten, aus dem Bild eines Hauses (bayt) wurde so das Beth, aus einem Ochsenkopf das Aleph. Über Phönizier, Griechen und Etrusker gelangte dieses System zu den Römern und zu uns, nur die ursprüngliche Buchstabenreihenfolge selbst bleibt bis heute ein Rätsel. Noch überraschender ist, wie lange es dauerte, bis Menschen diese Ordnung tatsächlich zum systematischen Sortieren nutzten, vom griechischen Gelehrten Kallimachos über das erste vollständige alphabetische Nachschlagewerk 1286 bis zum ersten englischen Wörterbuch 1604. Heute verliert das Alphabet als Zugang zu Wissen an Bedeutung, Suchmaschinen und Sprachassistenten machen das Buchstabieren zunehmend überflüssig.
- 2026 feiert Beretta, das älteste durchgehend operierende Waffenunternehmen der Welt, sein 500-jähriges Bestehen, ein guter Anlass für einen Blick auf die frühe Geschichte der Pistole. Die ersten Handfeuerwaffen entstanden bereits im 14. Jahrhundert, deutlich früher als gedacht, wurden aber erst mit der Erfindung des Radschlosses um 1517 zur echten Neuerung: Erstmals ließ sich eine geladene, schussbereite Waffe unbemerkt verstecken, was die ersten gezielten Waffengesetze der Geschichte auslöste. Aus Italiens Bergregion Gardone Val Trompia, wo bis heute rund die Hälfte der regionalen Waffenproduktion entsteht, kommen dabei überraschende Details, etwa von Frauen, die im 16. Jahrhundert bewaffnet und reformationsnah unterwegs waren, sehr zum Missfallen der Obrigkeit. Von Leonardo da Vincis Waffenskizzen bis zu den ersten Schießwettbewerben mit Preisgeldern erzählt diese Folge, wie aus einer anfänglich verpönten Erfindung binnen weniger Jahrzehnte ein alltägliches Statussymbol wurde.
- Zahnschmerz fühlt sich an, als würde etwas im Zahn nagen, und genau diese Beobachtung führte Kulturen auf der ganzen Welt, die nie voneinander wussten, zur selben falschen Erklärung: dem Zahnwurm. Die älteste erhaltene Spur ist eine babylonische Tontafel aus Nippur, rund 1800 vor Christus, doch fast identische Vorstellungen finden sich in Ägypten, Indien, China, bei den Azteken und Maya. Selbst Hildegard von Bingen und der mittelalterliche Chirurg Guy de Chauliac glaubten noch an das Tier im Zahn. Erst der französische Zahnarzt Pierre Fauchard widerlegte den Mythos 1728 unter dem Mikroskop und gilt seither als Begründer der modernen Zahnmedizin. Ganz verschwunden ist der Zahnwurm nie: 1949 kehrte er in einem norwegischen Kinderbuch zurück, als Karius und Baktus, diesmal wissenschaftlich ziemlich treffend.
Titelbild: Zahnwurm, Abbildung aus einem zahnärztlichen Lehrbuch des 18. Jahrhunderts aus dem Osmanischen Reich - Modeinfluencerinnen gab es lange vor Instagram, Frauen, die ihr eigenes Bild bewusst inszenierten und damit ganze Epochen prägten. Königin Alexandra von Dänemark trug wegen einer Narbe hohe Halsketten und machte damit den Choker zum Modeklassiker, während ihr leichtes Hinken zur nachgeahmten Modeerscheinung wurde. Die Comtesse de Castiglione ließ sich über vier Jahrzehnte in immer neuen Rollen fotografieren und gilt heute als Pionierin der Selbstinszenierung durch die Kamera. Weitere Stilfiguren wie die Erbin Daisy Fellowes, die Muse Élisabeth Greffulhe, die als Vorbild für eine Figur bei Marcel Proust diente, und die exzentrische Marchesa Luisa Casati prägten Mode weit über ihre Zeit hinaus. Den Abschluss bildet eine Wienerin: Emilie Flöge, Gustav Klimts langjährige Weggefährtin, befreite mit ihrem korsettfreien Reformkleid Frauen buchstäblich aus dem Panzer ihrer Kleidung.
- In den 1920er-Jahren galt Radioaktivität als Gesundheitswunder, und ein Getränk namens Radithor versprach neue Energie: reines Radium, gelöst in destilliertem Wasser. Erfunden hatte es William Bailey, ein Harvard-Abbrecher, der sich als Arzt ausgab und einen frei erfundenen Doktortitel der Universität Wien führte. Sein prominentester Kunde, der Golfmeister und Industriellensohn Eben Byers, trank über Jahre mehr als tausend Flaschen, bis ihm die Zähne ausfielen und der Kiefer zerfiel. Als Byers 1932 an einer Strahlenvergiftung starb, wurde er in einem bleiummantelten Sarg beigesetzt, damit die Strahlung nicht entweichen konnte. Bailey wurde nie verurteilt und trank angeblich bis zuletzt selbst radioaktives Wasser. Erst der Fall Byers führte dazu, dass die US-Behörden solche Mittel überhaupt verbieten durften.
Foto: Sam LaRussa from United States of America, CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons
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