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Elisabeth J. Nöstlinger-Jochum
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    Jens Harzer, Marina Galic und Jossi Wieler: Peter Handke erspielen

    03.08.2026 | 10 Min.
    Er spielte den Tod im "Jedermann" an der Seite von Peter Simonischek und Caliban in Shakespeares "Sturm", er brillierte als verlotterter Raskolnikow in Andrea Breths Dostojewski-Dramatisierung von "Verbrechen und Strafe" und als Kleists Achilles an der Seite von Sandra Hüller. In Peter Handkes vielfach preisgekröntem Familienepos "Immer noch Sturm" verinnerlichte er „mit virtuoser Zerbrechlichkeit“ das Erzähler-Ich. In diesem Festspielsommer ist Jens Harzer wieder zu Gast bei den Salzburger Festspielen: mit dem eindringlichen Monolog De Profundis nach Oscar Wilde – und in der Uraufführung von Peter Handkes Schnee von gestern, Schnee von morgen in der Regie von Jossi Wieler.
    In diesem Gespräch reißen der Regisseur Jossi Wieler sowie das Schauspielerpaar Jens Harzer und Marina Galic die Erarbeitung an Peter Handkes neuem Stück „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ an. Drei Monate lang haben sie den Text des siebzig Seiten starken Büchleins gelernt, nun galt es ihn auf der Bühne umzusetzen.
    „Das Besondere an der Beschäftigung mit Handke ist, dass er mit seinen Texten vom Theater fordert, Verantwortung zu übernehmen und etwas Eigenes zu finden. Damit lässt sich ein Schatz heben“, sagt Jens Harzer. Er kennt den Dichter seit vielen Jahren und ist ein Kenner seines Werkes geworden.
    Noch bis 5. August 2026 machen sich Jens Harzer und Marina Galic auf der Bühne des Salzburger Landestheater bravourös daran, als namen- und ruheloser „Kreuz-und-Quer-Gehender“, den Handke’schen Kosmos weiter zu vermessen. Eine Sternstunde der Salzburger Festspiele 2026.

    Foto Jens Harzer, aufgenommen beim Terrassentalk auf der Presseterrasse in Salzburg
    © Elisabeth J. Nöstlinger

    Weiterführende Links:
    https://www.salzburgerfestspiele.at/
    https://wissensart.at/
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    Faust I.Inszeniert von Ulrich Rasche

    25.07.2026 | 10 Min.
    In der Figur von Goethes Faust tritt uns der Archetyp des modernen, nach Wissen, Erfahrung und Erfüllung strebenden Menschen entgegen, den Ulrich Rasche in seiner Neuinszenierung auf der Perner-Insel als Manifestationen widerstreitender Kräfte zeichnen will.

    Seit dem 16. Jahrhundert gehört die Geschichte des Doktor Faust, der seine Seele dem Teufel verschreibt, zum festen Bestand der europäischen Kultur. In den frühen Fassungen fungiert er als warnendes Beispiel menschlicher Hybris: Wer sich über die göttliche Ordnung erhebt, endet in Verdammnis. Am Ende des 18. Jahrhunderts erfährt der Stoff durch Goethe eine radikale Transformation und wird mitten hinein in die Moderne katapultiert. Goethe, der – so der spanische Philosoph Ortega y Gasset – sein Leben damit verbrachte, „sich selbst zu suchen oder zu meiden“, macht aus dem berühmten Sünder des Volksbuchs Historia von D. Johann Fausten einen rastlos und verzweifelt Suchenden – hin- und hergerissen zwischen extremer Selbstbehauptung und drohendem Selbstverlust.

    „Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust“ – in dem berühmten Satz formuliert sich Fausts Grundkonflikt: seine innere Zerrissenheit zwischen Erkenntnis und Begehren, zwischen Geist und Sinnlichkeit. Was ihn antreibt, ist jedoch nicht der Wunsch nach Ausgleich, sondern nach Überschreitung. Faust treibt die Bewegung des Überschreitens so weit, bis sie sich gegen ihn selbst richtet. Was als Suche nach Erfahrung beginnt, wird zur Entfremdung vom eigenen Leben.

    Ulrich Rasche verdichtet das Geschehen zu einem zeitgenössischen Kammerspiel. Die Welt zieht sich in einen inneren Raum zurück, in dem die Figuren als Manifestationen widerstreitender Kräfte erscheinen. Mephisto (Valery Tscheplanowa) tritt dabei weniger als äußere Macht hervor, denn als Schatten des Faust (Steven Scharf und Johannes Nussbaum) selbst – als Ausdruck seiner eigenen zerstörerischen Energien. „Mephisto ist der Gegenspieler, die Schattenseite des Faust, die Seite, die ihn immer verfolgt, die immer anwesend ist“, erläutert Ulrich Rasche. „Das ist die Verführung, die Triebstruktur, der Rausch, das Erleben von Welt, das Umarmen im Gegensatz zu dem, was Faust bisher getrieben hat, nämlich die Suche nach Erkenntnis, der Rückzug in die Wissenschaft, in das Studierzimmer.“

    Foto: Faust I 2026: Ulrich Rasche (Regie / Bühne), Valery Tscheplanowa (Mephistopheles), Steven Scharf (Faust
    © SF/Jan Friese
    Von 25.7.2026 bis 6.8.2026 ausgenommen am 27. Juli

    Weiterführende Links:
    https://www.salzburgerfestspiele.at/
    https://wissensart.at/
  • wissensART

    AI und Kunst: Bedrohung oder Chance

    20.07.2026 | 23 Min.
    Die Zukunft der Kunst wird vermutlich durch eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen Menschen und intelligenten Maschinen geprägt sein, denn die künstliche Intelligenz hat sich zu einem der disruptivsten Phänomene der modernen Kunstwelt entwickelt. Während Algorithmen erstaunlich authentische Bilder generieren und Auktionshäuser Millionenumsätze mit KI-Systemen erzielen, steht die Kulturszene vor einer existenziellen Frage: Ist das noch Handwerk oder schon eigenständige Kunst? Die Verschmelzung von Technologie und Schöpferkraft spaltete Kreative weltweit in begeisterte Pioniere und besorgte Kritiker.
    Experimentelle Projekte mit interaktiven KI-Systemen zeigen bereits, wie dynamische Dialoge zwischen Künstler und Maschine entstehen können. Dabei sind nicht nur technische Weiterentwicklungen entscheidend, sondern auch ein bewusster Umgang mit den sozialen und kulturellen Auswirkungen.
    Fazit: Künstliche Intelligenz stellt im Bereich der Kunst sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance dar. Sie erweitert die kreativen Möglichkeiten erheblich, erfordert jedoch auch eine kritische Auseinandersetzung mit den damit verbundenen ästhetischen, ethischen und gesellschaftlichen Fragen. Die Integration von KI in den künstlerischen Prozess ist keineswegs der Ersatz menschlicher Kreativität, sondern vielmehr eine Erweiterung und Neuinterpretation dessen, was Kunst heute und in Zukunft bedeuten kann. In dieser neuen Ära ist es wichtig, die Potenziale von KI verantwortungsvoll zu nutzen und zugleich den einzigartigen menschlichen Beitrag zur Kunst zu würdigen.

    Elisabeth J. Nöstlinger spricht anlässlich der Ausstellung „AI and its Consequences – Artistic Positions on Post-Digital Futures“ im Kulturforum Warschau, die nun bis Ende August in der AG18 Galerie in Wien zu sehen ist, mit Mag. Andreas Schlichtner über AI und Kunst.
    Ein Hinweis zum Foto: Es ist zeigt das Ergebnis einer Abbildung einer mit LLM angelernten Gesichtserkennungssoftware mit Kamera, die geschlechtsspezifisch die Penislänge von Menschen, die im Raum sind, misst. Die Arbeit stammt vom Meaningful Noise Collective, einer Forscherin und Künstlerin vom ISTA Institut (das Institut hat aber nichts mit der Arbeit zu tun).

    Foto: Andreas Schlichtner (rechts), Daniel Mazanik (Mitte), Sebastian Pfeifhofer (links)

    ©Andreas Schlichtner & The Meaningful Noise Collective

    In der Podcast-Serie, „Kunst im Gespräch“, kommen im zweiwöchigen Rhythmus all jene Künstlerinnen und Künstler zu Wort, die durch ihre Zusammenarbeit mit österreichischen Kulturforen und Botschaften inspiriert wurden.
    Wenn Ihnen Gehörtes gefallen hat, abonnieren Sie bitte diesen Podcast. Besonders freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung auf Apple Podcasts und Spotify.

    Weiterführende Links:
    www.austriakulturinternational.at/
    https://www.bmeia.gv.at/
    https://wissensart.at/
    Auskunft: @wissensart@wissensart.at/
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    Mit Gefühl und Empathie: Tania Singer im Gespräch

    13.07.2026 | 21 Min.
    Es könnte einem das Herz brechen, wenn man erfährt, dass Empathie und Mitgefühl eine Angelegenheit des Gehirns und nicht der Seele sind. Genauso ist es mit der negativen Seite der Gefühle, dem Hass. Tania Singer die Neurowissenschaftlerin und Psychologin leitet innerhalb der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin die Forschungsgruppe soziale Neurowissenschaften. Dort beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit Emotionen, Empathie und Mitgefühl und schaut sich an, wie aus Hass Fürsorge werden kann. Leidenschaftlich baut sie Brücken zwischen jenen Bereichen, die normalerweise nicht miteinander interagieren. Besonderes Augenmerk legt Professorin Dr.in Tania Singer dabei auf die hormonellen, neuronalen und entwicklungsbedingten Grundlagen menschlichen Sozialverhaltens. Dazu gehören auch negative Emotionen wie Hass und Wut.
    Durch eine der bislang größten Studien über soziales Verhalten hat sie festgestellt, dass Empathie, Mitgefühl und Fairness durch mentales Training formbar sind. Auch der Umgang mit Hass und Wut. Dafür hat Tania Singer das Dyaden Gespräch entwickelt. Dabei sitzen zwei einander fremde Menschen gegenüber und hören einander achtsam zu. Dabei wird auch das Körpergefühl in der jeweiligen Gefühlswelt angesprochen. Nach fünf Minuten erklingt ein Gong und die Rollen werden getauscht. Nun hört der andere Partner achtsam und empathisch zu, ohne zu unterbrechen. Man könnte das als Meditation zu zweit betrachten, meint Tania Singer. Wie effektiv diese Übung ist, um das empathische Zuhören, aber auch das Wahrnehmen und Ausdrücken der eigenen Gefühle und den Umgang mit schwierigen Emotionen wie Stress zu verbessern, zeigt sich im Gehirn. Es zeigt sich auch, wo Empathie und Mitgefühl verortet sind. Um den Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl herauszufinden, hat Tania Singer, einen buddhistischen Mönch in den Scanner gelegt. Schon vorher hat sie die große „Mind and Life“ Konferenz mit dem Dalai Lama mitorganisiert und die daraus erzielten Erfahrungen in ihre Studie miteinfließen lassen.
    Mehr über den Unterschied zwischen Empathie und Mitgefühl sowie über das Dyadenprogramm und die Anwendung in der Medizin aber auch bei Friedensprozessen, erzählt Tania Singer bei den diesjährigen Disputationes im Rahmen der Ouvertüre Spirituelle zum Auftakt der Salzburger Festspiele am 22. Juli 2026, von 15.00 bis 18.00, in der Festspielkulisse in der Hofstallgasse in Salzburg. Anmeldungen sind erbeten unter schmidthahn@disputationes.at
    Das Gespräch über das Dyadenprogramm habe ich mit Tania Singer bei den diesjährigen Goldegger Dialogen geführt und sie auch gefragt, ob sie selbst noch das Dyadentraining macht. Hören Sie rein, denn Tania Singer macht das Training auch selbst.

    ©Max-Planck-Gesellschaft
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    Weiterführende Links:
    https://wissensart.at/
    https://www.social.mpg.de/tania-singer
    www.taniasinger.de
    Auskunft:
    schmidthahn@disputationes.at
    wissensart@wissensart.at/
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    Bernhard.Fest mit Sven-Eric Bechtolf

    02.07.2026 | 9 Min.
    Ein Fest für Thomas Bernhard hat Karin Bergmann, die Leiterin des Schauspiels in Gmunden und Intendantin der Salzburger Festspiele für die Salzkammergut Festwochen Gmunden 2026 auf das Programm gesetzt. Das langjährige Burgtheatermitglied Sven-Eric Bechtolf spielt dabei mehrere Rollen. Gleich zu Beginn gibt der den Großindustriellen Rudolph Herrenstein. „Seit seinem Unfall ist dieser auf den Rollstuhl angewiesen. Mit zwei Angestellten lebt er in einem herrschaftlichen Appartement am Wiener Opernring, Blick auf die Staatsoper. Wien ist ihm unerträglich, darum packt er seine Koffer, nach Altaussee möchte er fliehen. Oder auf den Semmering. Weder den Semmering noch Altaussee erträgt er aber besser als die Stadt. Als die englische Königin auf Staatsbesuch kommt, laden alle möglichen Bekannten sich bei Herrenstein ein, um von seinem Balkon aus die Königin zu sehen.“ (Text Programmbuch Salzburger Festwochen)
    „Elisabeth II“ ist das vorletzte Stück von Thomas Bernhard. Die Aufführung konnte er selbst nicht mehr miterleben. Claus Peymann hat es im Burgtheater 1988 zur Aufführung gebracht. Gerd Voss spielte die Hauptrolle. Spielte, bis der Luster von der Decke krachte.
    Am 3., 4. und 6. Juli spielt nun Sven-Eric Bechtolf die Hauptrolle in Elisabeth II. Ein Stück, das als eine Art Bernhardsches Vermächtnis betrachtet werden kann, denn es schreitet den ganzen Theaterkosmos Thomas Bernhards aus. Hochkomisch und tödlich verzweifelt wird sich Sven-Eric Bechtolf drei Abende lang im Rollstuhl winden. Aussichtslos. Einsam. Verzweifelt? Man wird sehen. Jedenfalls: die alten Meister leben noch.
    P.S.: Im Korrekturverlag ist eine Erzählung von Thomas Bernhards Halbschwester Susanne Kuhn erschienen. Drei Wochen mit Thomas Bernhard in Torremolinos. Auf wissensART erzählt sie davon.
    https://wissensart.at/2026/02/thomas-bernhard-und-susanne-kuhn-in-torremolinos/

    ©Rudi Gigler
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    Weiterführende Links:
    https://wissensart.at/
    https://www.festwochen-gmunden.at/
    Auskunft: wissensart@wissensart.at/
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