Young Urban Anesthesiologists
Ingmar Finkenzeller (Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen)

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67 Episoden
- Es ist zwanzig vor sieben. Wasser läuft durch gemahlene Bohnen. Zwei Stunden später steht man am Kopf eines OP-Tisches — und mitten im Satz ist der Mensch weg.
Kaffeekochen und Bewusstseinsverlust gehorchen derselben Mathematik.
Das steht nicht in einem Feuilleton, sondern 2015 in Physical Review Letters — in einem Paper einer anästhesiologischen Arbeitsgruppe der University of Pittsburgh: Zhou, Mowrey, Tang und Xu,
Percolation Model of Sensory Transmission and Loss of Consciousness Under General Anesthesia.
Ohne eine einzige Rechnung klären wir:
- was Perkolation ist — und warum Espresso, Herdenimmunität und Narkose dieselbe Familie von Phänomenen sind,
- wie ein hierarchisches, fraktales Small-World-Netzwerk mit einem einzigen Parameter p (Übertragungswahrscheinlichkeit) auskommt,
- warum dieses Modell gleichzeitig Frequenzverschiebung, Burst Suppression, Synchronisation und Anteriorisierung reproduziert,
- warum Burst Suppression in diesem Bild kein Generator braucht — sondern ein Zufallsfenster,
- warum die Anteriorisierung keine Spezifität der Anästhetika voraussetzt,
- und was bei p ≈ 0,3 passiert, wenn aus Rauschen plötzlich ein Bild wird.
Eine Folge für alle, die gern über die großen Fragen nachdenken — und ein Plädoyer dafür, dass der Sprung bei der Einleitung nicht das Rätsel ist, sondern die Erklärung.
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Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich. - Jeden Arbeitstag schalten wir Anästhesistinnen und Anästhesisten reversibel etwas aus, das die Philosophie seit Jahrtausenden nicht definieren kann: das Bewusstsein. Aber was genau verschwindet da eigentlich — und kehrt beim Aufwachen zurück?
In dieser besonderen Solo-Folge nehme ich euch mit auf eine intellektuelle Reise zu einer der kühnsten und umstrittensten Ideen der modernen Wissenschaft: der Theorie der orchestrierten objektiven Reduktion (Orch OR). Entwickelt wurde sie von dem Anästhesisten Stuart Hameroff und dem Mathematiker und Physik-Nobelpreisträger Roger Penrose. Ihre These: Bewusstsein ist kein bloßes Rechenergebnis der Synapsen, sondern ein quantenphysikalisches Ereignis — und es findet in den Mikrotubuli tief im Inneren unserer Nervenzellen statt.
Wir klären Schritt für Schritt und ohne eine einzige Formel:
- warum die klassische Neurowissenschaft am „harten Problem" des Bewusstseins scheitert,
- wie eine Quantenwelle auf drei verschiedene Arten zusammenbrechen kann (und warum das für den freien Willen entscheidend ist),
- warum ausgerechnet das Zytoskelett der ideale Ort für Quanteneffekte sein soll,
- was die berühmte 500-Millisekunden-Rechnung bedeutet — und wie Bewusstsein zu einer Frequenz wird,
- und warum die Narkose möglicherweise der direkteste Eingriff in diesen Mechanismus ist.
Zum Schluss machen wir einen ehrlichen Kassensturz: die Dekohärenz-Kritik von Max Tegmark, die Erwiderungen der Befürworter und die neuen, faszinierend zweischneidigen Experimente von 2024. Denn eine große Idee erkennt man daran, dass sie eine ehrliche Prüfung aushält.
Eine Folge für alle, die gern über die großen Fragen nachdenken — und ein Plädoyer dafür, dass wir Anästhesisten näher an diesem Rätsel sind als jede andere Disziplin.
Hinweis: Orch OR ist eine hoch spekulative Minderheiten-Hypothese, kein wissenschaftlicher Konsens. Diese Folge trennt bewusst durchgängig zwischen Modell und Beleg.
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Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich. - „Kannst du eben mal eine Prämed machen?" — diesen Satz kennt jede und jeder von uns. Doch was steckt eigentlich hinter dem kleinen Kreuz, das wir auf jedem Narkoseprotokoll setzen? In dieser Folge nehmen Johanna und Ingmar die präoperative Risikoevaluation auseinander: das Feld, das trocken klingt und beim näheren Hinsehen erstaunlich spannend wird.
Der Aufhänger ist ein realer Fall: ein sportlicher 62-Jähriger, der täglich 40 Kilometer Fahrrad fährt und ab Kilometer 35 zunehmend Luftnot bekommt — hinter der sich eine mehrgefäßige koronare Herzkrankheit verbirgt. Zwei erfahrene Kolleg:innen, zwei Einschätzungen: ASA 2 oder ASA 3? Genau an dieser Kontroverse entlang entwickeln wir, warum die Klasse am Ende weniger zählt als das perioperative Risiko dahinter.
Wir sprechen bewusst nicht über Prämedikation im engeren Sinn (welches Medikament an- oder abgesetzt wird), sondern über die relevanten Patienten- und Eingriffsfaktoren, mit denen sich Morbidität und Mortalität abschätzen lassen. Konkret geht es um:
- ASA-Klassifikation — Herkunft (ursprünglich ein Qualitätssicherungs-Instrument!), Nutzen, Subjektivität und Grenzen; warum sie den Eingriff komplett ausklammert.
- Revised Cardiac Risk Index (RCRI / Lee-Index) — die sechs einfachen Ja/Nein-Faktoren und wie schnell man an der kritischen 1-%-Schwelle für kardiale Ereignisse ist.
- Biomarker & moderne Ergänzungen — NT-proBNP als Verfeinerung der Vorhersage, plus die Grenzen eines über 25 Jahre alten Index.
- Chirurgische Risikoscores — Surgical Risk Scale, POSSUM/P-POSSUM und der amerikanische MICA-Kalkulator.
- Pulmonales Risiko — der ARISCAT-Score und warum Routine-Lungenfunktion selten hilft.
- Frailty — Clinical Frailty Scale, Fried-Phänotyp, Edmonton Frail Scale: Warum Gebrechlichkeit oft mehr sagt als das kalendarische Alter.
- METs & funktionelle Kapazität — was hinter der berühmten „Schwelle von 4 METs" steckt und warum unsere Selbsteinschätzung der Patient:innen so ungenau ist.
- Spezielle Patientengruppen — ältere und multimorbide Patient:innen (kognitive Reserve, Delir), onkologische Patient:innen (Anämie, Prähabilitation) und Kinder (ASA pädiatrisch, PRAM-Score).
- Organisation, Ressourcen & Ökonomie — Prozessmanagement, Intensivbett-Planung, die Rolle der Anästhesie als „Perioperative Physician" und die haftungs- und abrechnungsrelevante Bedeutung der OP-Freigabe.
Am Ende steht keine starre Handlungsanweisung — die gibt es bei so patientenindividuellen Fragen auch nicht —, sondern ein klarer Gedanke: Eine gute Risikoevaluation spannt ein Netz aus Anamnese, Untersuchung und gezielt eingesetzten Scores, um Risiko sauber zu definieren. Erst dann können wir im interdisziplinären Team fundiert entscheiden, wie wir mit diesem Risiko umgehen.
Hinweis: Diese Folge ersetzt keine Leitlinie und keine individuelle klinische Entscheidung. Scores sind Werkzeuge, kein Ersatz für Anamnese, Untersuchung und klinisches Urteil.
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Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich. - In dieser Episode des Young Urban Anästhesiologists Podcasts spreche ich mit Dr. Heike Petermann, einer Expertin für die Geschichte der Anästhesiologie. Wir erkunden die Entwicklung der Schmerztherapie mit besonderem Fokus auf die Anästhesie, die in den 1840er Jahren begann. Dr. Petermann gibt faszinierende Einblicke in die kulturellen Perspektiven auf Schmerz und wie gesellschaftliche Strömungen die moderne Anästhesie beeinflussten. Wir diskutieren die technische Evolution von den ersten Anästhetika wie Äther und Lachgas bis hin zu modernen Geräten, sowie die Herausforderungen, denen Anästhesisten gegenüberstanden. Auch die heutigen Entwicklungen und ethischen Fragestellungen der Anästhesiepraxis kommen zur Sprache, während wir reflektieren, wie wichtig es ist, den Patienten als ganzheitliches Wesen zu betrachten.
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Achtung: Fortbildungspunkte können nur innerhalb von 4 Wochen nach Veröffentlichung der Episode beantragt werden. Eine nachträgliche Meldung ist bei der Ärztekammer leider nicht möglich. - In dieser Episode des Young Urban Anästhesiologist-Podcasts widmen wir uns dem Thema ROTEM, einem Point-of-Care Verfahren zur Beurteilung der Blutgerinnung. Sarah, die neu im Team ist, teilt ihre Erfahrungen aus einem klinischen Fall, in dem sie die Entscheidung treffen musste, ein ROTEM durchzuführen, und stellt die Frage, ob es hierzu bereits eine Podcast-Episode gibt, was zur heutigen Diskussion führte.
Wir starten mit einem tiefen Einblick in die Blutgerinnung und klären die grundlegenden Konzepte der primären und sekundären Hämostase. Während wir die verschiedenen Phasen der Blutstillung analysieren, werfen wir einen Blick auf entscheidende Faktoren wie Thrombozyten, Fibrin und deren jeweilige Funktionen. Es wird ausführlich erklärt, wie die Verkettung der Gerinnungsfaktoren erfolgt und welche Rolle der extrinsische und intrinsische Weg dabei spielt.
Im weiteren Verlauf besprechen wir die klassischen Labortests zur Blutgerinnungsdiagnostik und deren Limitationen. Hierbei wird klar, dass diese Tests oft nur Teilaspekte abbilden und nicht die tatsächliche Blutungsneigung eines Patienten widerspiegeln können. Im Gegensatz dazu zeigt ROTEM die gesamte Gerinnungsdynamik im Vollblut und ermöglicht uns, die Ursachen von Gerinnungsstörungen differenziert zu betrachten.
Sarah und ich führen die Zuhörer durch die wichtigsten Parameter wie Clotting Time (CT), Clot Formation Time (CFT) und die maximale Clot Firmness (MCF). Zudem diskutieren wir spezifische Testansätze wie EXTEM, INTEM, FIBTEM und HEP-TEM, die einen detaillierten Blick auf die Blutgerinnung ermöglichen und helfen, gezielte therapeutische Entscheidungen zu treffen. Dabei betonen wir, wie entscheidend eine frühzeitige und gezielte Gerinnungsdiagnostik in Notfallsituationen ist, um den Patienten bestmöglich zu versorgen.
Ein zentraler Punkt unserer Diskussion ist die Anwendung von ROTEM in der klinischen Praxis, insbesondere bei Patienten mit schweren Blutungen oder während komplexer chirurgischer Eingriffe. Wir erläutern, wie ROTEM die Behandlung von Patienten optimieren kann, indem es schnelle und maßgeschneiderte Entscheidungen ermöglicht, die für die Patientenversorgung von entscheidender Bedeutung sind.
Dennoch halten wir die Limitationen von ROTEM für wichtig, da beispielsweise die Sensitivität gegenüber bestimmten Antikoagulanzien variieren kann und nicht alle Gerinnungsstörungen adäquat erfasst werden. Abschließend runden wir das Gespräch mit einem Ausblick auf die Zukunft solcher Verfahren in der klinischen Anwendung und deren Bedeutung in Leitlinien ab, während wir auf die Notwendigkeit von geschultem Personal hinweisen.
Diese Episode ist für alle, die ein tieferes Verständnis für die Blutgerinnung und die modernen Diagnosetools in der Anästhesiologie und Notfallmedizin entwickeln möchten.
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Über Young Urban Anesthesiologists
Der Podcast aus der Klinik für Anästhesiologie der Universitätsmedizin Göttingen. Wir berichten über Aktuelles aus Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerzmedizin. Manchmal sprechen wir auch einfach über Dinge, die uns interessieren.
"Young Urban Anesthesiologists", kurz "YUAN" referenziert das Weiterbildungsformat der Abteilung, auch wenn wir weder besonders jung noch urban sind.
CME-Fortbildungspunkte für das Hören des Podcasts können über unsere Homepage beantragt werden.
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