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Zen

Rei Ho Christoph Hatlapa Roshi
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Neueste Episode

271 Episoden

  • Zen

    Z00270 Der wahre Schüler des Weges schaut nicht auf die Mängel der Welt. (Sommer-Sesshin 07.07.2026)

    31.10.2026 | 49 Min.
    In Abschnitt XIII des Rinzai-Roku beschreibt Rinzai wahre Einsicht nicht als Rückzug aus der Welt, sondern als die Fähigkeit, sich sowohl auf das Heilige als auch auf das Schmutzige, auf Entstehen und Vergehen, einzulassen. Wer dies verwirklicht, erkennt die Freiheit der Nichtabhängigkeit und das ursprungslose Wesen allen Lebens.

    Doch unsere Kultur richtet den Blick ständig auf persönliche, gesellschaftliche und politische Defizite und nährt so den Eindruck eines feindlichen Universums. Wie kann es gelingen, trotz aller Erschütterungen aus dem Vertrauen zu leben, dass das Universum im Grunde freundlich ist? Im Zentrum dieses Teishos steht die Frage, wie sich der Blick von den Mängeln der Welt hin zu ihrer Fülle und Lebendigkeit wenden lässt.

    Christoph Rei Ho Hatlapa lädt anhand sehr persönlicher Erfahrungen dazu ein, Leid und Verlust nicht auszublenden, sondern als Teil des So-Seins zu betrachten. Wenn wir aufhören, die Welt vor allem unter dem Gesichtspunkt des Mangels wahrzunehmen, können Schönheit, Wertschätzung und Lebendigkeit neu sichtbar werden. Vielleicht beginnt wahre Einsicht genau dort, wo unsere Vorstellungen von Begrenzung ihre Selbstverständlichkeit verlieren, und wir lernen, uns der Wirklichkeit anzuvertrauen.

    Wer dies verwirklicht, für den gibt es nur den Menschen des Weges, der von nichts abhängig ist. Ihn bezeichnet Rinzai als die Mutter aller Buddhas. Und weiter heißt es: »Deshalb werden Buddhas aus der Nichtabhängigkeit geboren. Einmal zur Nichtabhängigkeit erwacht, muss auch kein Buddha mehr erlangt werden.«

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  • Zen

    Z00269 Der Buddha erschafft keine schöne harmonische Welt. (Pfingst-Sesshin 25.05.2026)

    17.10.2026 | 19 Min.
    Im Rahmen der Mönchsordination dreier Praktizierender erinnert Christoph Rei Ho Hatlapa an die Überlieferung von Huineng und zitiert eine Passage aus dem 10. Kapitel des Diamant-Sūtras: »Ein Buddha sollte einen Geist entwickeln, der nirgendwo verweilt.« Ein Bewusstsein also, das weder an Sinneseindrücken noch an Konzepten haftet. Doch wie kann ein Mensch frei von Anhaftung leben und zugleich Verantwortung für die Welt übernehmen? Im Zentrum steht die Praxis der Gelübde: nicht als moralische Vorgaben, sondern als lebendige Schulung des Geistes im Alltag von Gemeinschaft, Sprache, Konflikt und Mitgefühl. Sie weisen auf einen Weg, der Freiheit nicht gegen die Welt stellt, sondern mitten in ihr verwirklicht.

    In diesem Sinne ist die Ordination kein besonderer Status oder Abschluss, sondern der bewusste Schritt in eine Praxis, die Einfachheit, Geduld und Mitgefühl nicht idealisiert, sondern verkörpert – Tag für Tag, inmitten der Bedingungen des Lebens.

    Anmerkung:
    Die Aufzeichnung des Teishos endet mit dem Beginn der nachfolgenden Ordinationen.

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  • Zen

    Z00268 Keine Erklärung, keine Bedeutung - und dadurch grenzenlos frei. (Pfingst-Sesshin 24.05.2026)

    03.10.2026 | 25 Min.
    Im Teisho zum Koan Mians »wahre Bedeutung« aus dem Shumon Kattoshu (Fall 22-2) geht es um das unmittelbare So-Sein der Wirklichkeit. Ausgangspunkt ist die Geschichte von Meister Tokusan, der mit seinen Essschalen zum Speisesaal geht, obwohl das Signal zum Essen noch gar nicht ertönt ist. Als der Koch ihn darauf hinweist, dass die Glocke noch nicht geschlagen hat, reagiert Tokusan weder mit Rechtfertigung noch mit Diskussion, sondern dreht sich einfach um und geht zurück. Ein Mönch fragt später nach der Bedeutung dieses Verhaltens, doch der Meister Mian Xianjie antwortet schlicht: »Keine Bedeutung.«

    Tokusan folgt unmittelbar dem So-Sein der Situation, ohne inneren Widerstand und ohne sich in Erklärungen zu verlieren. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zur weit verbreiteten Neigung, hinter allem einen besonderen Sinn oder eine Erklärung zu suchen. Die Zen-Praxis verweist auf eine Wirklichkeit, die keiner zusätzlichen Erklärung bedarf. Es gilt, diese zunehmend zu verkörpern und dadurch ihre beiden Pole zu verbinden: das grenzenlose, unfassbare Wesen der Leerheit und das konkrete So-Sein jedes Augenblicks.

    Leiden entsteht vor allem dort, wo Menschen gegen die Wirklichkeit kämpfen. Wenn wir sagen »Es sollte anders sein«, geraten wir in Widerstand zum Leben. Wirkliche Freiheit entsteht im tiefen Annehmen dessen, was ist – auch von Schmerz, Verlust, Krankheit und Vergänglichkeit. Christoph Rei Ho Hatlapa betont, dass es dabei nicht um oberflächlichen Optimismus geht, sondern um die Bereitschaft, auch schwierige Erfahrungen in das Ganze des Lebens aufzunehmen und ihnen geborgen im Raum des So-Seins zu begegnen. Frieden entsteht nicht durch das Erzwingen bestimmter Zustände, sondern durch die Rückkehr in die eigene Mitte und das Einverständnis mit dem Fluss des Lebens.

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    Z00267 Wie frei kann ein Mensch werden, obwohl er in Bedingungen und Zusammenhänge eingebunden bleibt? (Pfingst-Sesshin 23.05.2026)

    19.09.2026 | 48 Min.
    Das berühmte Koan »Hyakujōs Fuchs« aus dem Mumonkan führt mitten hinein in diese zentrale Frage. Ausgangspunkt ist die Geschichte eines alten Mönchs, der auf die Frage, ob ein erleuchteter Mensch dem Gesetz von Ursache und Wirkung unterliege, antwortet: »Nein, er fällt nicht darunter.« Für diese Antwort muss er 500 Leben als Fuchs erdulden, bis er schließlich durch Hyakujōs Antwort »Er missachtet die Kausalität nicht« befreit wird.

    Einerseits können wir durch die Zen-Praxis unser Denken verändern, alte Muster durchschauen und dadurch Handlungsspielräume gewinnen, die vorher verborgen waren. Wer etwa Feindbilder überwindet und Mitgefühl entwickelt, verändert die Qualität seiner Beziehungen und damit die Wirklichkeit. In diesem Sinne fällt der Erwachte nicht vollständig unter das Joch der Kausalität, da er nicht mehr blind von seinen Gedanken und Reaktionen bestimmt wird.

    Zugleich war die ursprüngliche Antwort des alten Mönchs unvollständig und verhängnisvoll. Denn auch ein erleuchteter Mensch bleibt Teil der Bedingungen des Lebens. Krankheit, Vergänglichkeit, Gewalt und Tod können nicht einfach aufgehoben werden. Spirituelle Freiheit bedeutet also weder Allmacht noch Unverletzlichkeit, sondern ein bewusstes, mitfühlendes und geistesgegenwärtiges Leben innerhalb dieser Bedingungen.

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    Z00266 Dies ist Myōhō. (Sesshin 22.05.2026)

    05.09.2026 | 32 Min.
    Was geschieht, wenn wir vom Gipfel spiritueller Erfahrung wieder ins gewöhnliche Leben zurückkehren? Anhand von Koan 23 aus dem Hekiganroku geht Christoph Rei Ho Hatlapa der Frage nach, wie sich die Erfahrung des Absoluten im Alltag verwirklichen kann.

    Ausgangspunkt ist die Geschichte von Hofuku und Chōkei, die über den heiligen Berg Myōhō sprechen, der für das absolute Samadhi steht – die Erfahrung von Grenzenlosigkeit und Einheit. Die eigentliche Erkenntnis geschieht jedoch nicht auf dem Gipfel selbst, sondern erst nach dem Abstieg zurück in die Welt des Handelns und der Beziehungen. Zen bedeutet demnach nicht, sich im Absoluten zu verlieren, sondern die Erfahrung der Einheit in das alltägliche Leben hineinzutragen. Was uns daran hindert, die Wirklichkeit unmittelbar zu erleben, sind unsere Gedanken, Urteile und Erwartungen, in denen wir gefangen sind. Diese geistigen Muster erzeugen Leiden. Wir wünschen uns, dass Menschen anders wären, dass die Welt anders wäre oder dass wir selbst anders sein müssten. Dadurch verlieren wir den Kontakt zum So-Sein der Wirklichkeit – zu dem, was einfach ist.

    Zen-Praxis bedeutet deshalb auch, diese alten Muster zu erkennen und allmählich loszulassen, um freier, spielerischer und unmittelbarer leben zu können. Wenn es uns gelingt, unsere gedanklichen Blasen allmählich zu verlassen, erkennen wir, dass wir von Wundern umgeben sind. Bis wir Myōhō schließlich nicht mehr als einen fernen mystischen Ort erleben, sondern als die allgegenwärtige Wirklichkeit selbst.

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