„Gerechtigkeitskonzeptionen ohne Solidarität hätten keine Hände und Solidarität ohne Gerechtigkeit hätte kein Gehirn.“
Im Zentrum dieser Podcastfolge steht das Spannungsfeld zwischen Solidarität und Gerechtigkeit – zwei Begriffe, die oft zusammen genannt, aber selten klar unterschieden werden. Wir fragen, wie sie in einer zunehmend polarisierten Gesellschaft zusammenwirken und was sie für sozialen Zusammenhalt und demokratische Stabilität bedeuten.
Für Barbara Prainsack, Professorin an der Universität Wien, ist klar: Solidarität und Gerechtigkeit sind keine Gegensätze, sondern bedingen einander. Gerechtigkeit schafft Regeln und faire Verteilung, Solidarität zeigt sich im konkreten Handeln. Erst zusammen tragen sie eine funktionierende Gesellschaft. Ein zentraler Streitpunkt ist das Nullsummendenken: die Vorstellung, dass Gewinne der einen Verluste der anderen sind. Preinsack hält dagegen: Investitionen in Bildung, Gesundheit oder Armutsbekämpfung stärken langfristig alle – und machen Gesellschaften stabiler. Dabei spielt auch institutionalisierte Solidarität eine Schlüsselrolle: Sozialstaat, Steuern und öffentliche Infrastruktur schaffen Vertrauen und bilden die Grundlage für gelebte Solidarität im Alltag. Und schließlich geht es um die digitale Zukunft: Mit dem Konzept der „Datensolidarität“ plädiert Prainsack dafür, Nutzen und Risiken von Daten fairer zu verteilen.