22 Episoden
20. Musik und Klimakrise. Das transformative Potenzial künstlerischer Fächer mit Katharina Anzengruber
22.10.2026 | 30 Min.In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Katharina Anzengruber vom Mozarteum in Salzburg. Katharina ist Assistenzprofessorin für Musikpädagogik am Department für Musikpädagogik. Sie hat außerdem viele Jahre an einem BORG und einer Mittelschule in Strasswalchen Musik unterrichtet. Wir sprechen über das Potenzial von Musik und künstlerischen Fächern für den Umgang mit gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Klimakrise.
Katharina erklärt zu Beginn, warum künstlerische Zugänge wie Musik ein transformatives Potenzial haben. Die Fakten zur Klimakrise sind bekannt. Trotzdem erreichen sie oft nicht die emotionale Ebene. Musik und künstlerische Praxen können hier ansetzen. Sie machen Themen anders erfahrbar und schaffen Erfahrungsräume, in denen sich Schüler:innen auch selbst ausdrücken können.
Ein zentraler Aspekt ist die Selbstwirksamkeit. Jugendliche fühlen sich in Bezug auf große Themen wie die Klimakrise oft machtlos. Katharina erzählt, wie Songwriting und experimentelles Komponieren Jugendlichen helfen können, eine Stimme zu bekommen und ihre Sorgen und Ängste auszudrücken. Musik ist für Kinder und Jugendliche ein ganz zentrales Ausdrucksmedium.
An konkreten Beispielen diskutieren wir, wie transformative Lernräume in der Praxis aussehen können. Katharina erzählt von einem Projekt zum Thema Boden, in dem Physik, Biologie, Songwriting und Fotografie zusammengebracht wurden. Und von einem Projekt zu Mobilität, in dem Schüler:innen Field Recordings gemacht und daraus eine Art Zukunftsmusik komponiert haben. Beide Projekte zeigen, wie fächerverbindendes Arbeiten die Komplexität gesellschaftlicher Themen erfahrbar macht.
Außerdem geht es um die Frage, warum fächerverbindendes und projektorientiertes Arbeiten so wichtig ist. Katharina macht deutlich: Die Herausforderungen unserer Zeit sind komplex. Es gibt keine einfachen Lösungen. Umso wichtiger, dass Schule Räume eröffnet, in denen Dinge zusammengedacht und ausprobiert werden können, in denen Prozesse wichtiger sind als Ergebnisse.
Weitere Themen:
Transformatives Lernen und warum es tiefgreifende Veränderungen von Bedeutungsperspektiven braucht.
Experimentelles Komponieren und Field Recording als Zugänge im Musikunterricht.
Projektbasiertes Arbeiten im Schulalltag und wie man trotz Lehrplandruck Räume dafür schafft.
Fördertöpfe wie der OeAD und wie man als Lehrperson Mittel für künstlerische Projekte akquiriert.
Warum Musikunterricht auch unabhängig von konkreten Themen Potenziale birgt, out of the box zu denken.
Eine Folge über das transformative Potenzial künstlerischer Fächer. Über Musik als Ausdrucksmedium. Und darüber, warum Jugendliche Erfahrungsräume brauchen, in denen sie sich als selbstwirksam erleben können.
Ressourcen und Links:
Katharina Anzengruber / Mozarteum Salzburg
Elke Zobel, Katharina Anzengruber & Projektteam: Zukunft mit Zukunft. Praxishandbuch zum Projekt “Räume kultureller Demokratie” (Open Access)
Projekt “Co-CreART. Co-Creating Change” mit dem mobilen Lernort Cre-Art-Lab
musik-klima.de – Plattform zu Musik, Klima und Nachhaltigkeit
OeAD Kulturvermittlung – Fördermöglichkeiten für künstlerische Projekte in der Schule- In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Georg Marschnig von der Universität Graz. Georg ist Professor für Geschichtsdidaktik und politische Bildung. Er hat außerdem fast zehn Jahre an einem Grazer Gymnasium Deutsch und Geschichte unterrichtet. Wir sprechen über Agency und Handlungsmacht bei Jugendlichen und darüber, wie Schule nicht nur zum Nachdenken, sondern wirklich zum politischen Handeln anregen kann.
Georg erklärt zu Beginn, worin der Unterschied zwischen Handlungsfähigkeit und Handlungsmacht liegt. Agency meint für ihn nicht nur das Wissen über eigene Möglichkeiten. Es geht darum, die eigenen Anliegen auch wirklich umzusetzen. Jugendlichen in der Theorie zu zeigen, wie politische Beteiligung funktioniert, reicht nicht. Sie müssen die Erfahrung machen, sich tatsächlich einzubringen.
An konkreten Beispielen diskutieren wir, warum politisches Lernen in der Schule oft im Theoretischen stecken bleibt. Georg beschreibt die Schule als machtdurchzogenen Ort, der politisches Lernen manchmal sogar erschwert. Er erzählt von einem Projekt zu zivilem Ungehorsam. Jugendliche haben sich beim BILLA auf den Boden gesetzt, Flashmobs und Sitzaktionen gemacht. So haben sie körperlich erfahren, was es heißt, sich im öffentlichen Raum zu positionieren.
Ein zentrales Beispiel ist das Projekt rund um einen vergessenen Gedenkstein in Graz-Straßgang, der an ein NS-Endverbrechen erinnert. Über zweieinhalb Jahre haben Georgs Schüleri*nnen gemeinsam mit Historiker*innen und städtischen Akteur*innen versucht, den Gedenkstein neu zu verhandeln. Dabei haben sie gelernt, mit politischem Widerstand und Kompromissen umzugehen.
Außerdem geht es um die Verbindung von historischem und politischem Lernen. Georg macht deutlich: Historisches Lernen kann nie politikfrei sein. Umgekehrt braucht politisches Verstehen immer auch historisches Denken. Besonders in Österreich mit dem Fach Geschichte und politische Bildung ergibt sich daraus die Chance, beides enger zusammenzudenken.
Weitere Themen:
Schule als ambivalenter Ort politischen Lernens und warum Machtstrukturen Diskussionen im Klassenzimmer erschweren.
Reflexion als zweiter Schritt. Warum Erleben allein nicht reicht und Nachbesprechungen Handlungsmacht sichtbar machen.
Projekte in der Geschichtskultur. Wie Denkmaldiskussionen und Straßennamendebatten als Lernanlässe funktionieren.
Lehrpläne aus der Gegenwart heraus denken. Warum aktuelle politische Debatten wie Lueger, die steirische Landeshymne oder Black Lives Matter gute Anknüpfungspunkte sind.
Eine Folge über Agency und Handlungsmacht als Ziele politischer Bildung. Über das Verlassen des Klassenzimmers. Und darüber, warum echte politische Erfahrungen Jugendliche nachhaltiger prägen als jede Diskussion in der Schule.
Ressourcen und Links:
Georg Marschnig / Universität Graz
Christian Heuer: Straßenkämpfe. Zu den Zeitpraktiken zivilen Ungehorsams. In: Didactica Historica 11 (2025)
Lale Yildirim: Historische Agency auf dem Markt der Erinnerungen der pluralen Gesellschaft: historische Diskursfähigkeit als Handlungsmächtigkeit
Georg Marschnig & Kolleg*innen: Enacting Agency in Digital Realms. Mapping Colonial Heritage as Civic Engagement. In: Barsch, Sebastian & Rein, Franziska (Hrsg.): Digital Civic Engagement and Youth Empowerment towards Achieving Inclusive Society. Oxford University Press (erscheint 2027)
Herman Melville: Bartleby, der Schreiber - Staffel 3 von Didaktik:Dialog startet am 8. Oktober! In dieser kurzen Ankündigungsfolge erzähle ich dir, was dich in den nächsten Monaten erwartet — und warum Staffel 3 ein bisschen anders wird als die ersten beiden.
Acht Gäste, acht Themen: politische Bildung und Agency, Musikunterricht und Klimakrise, sprachliche Bildung, Wissenschaftsverständnis, wirtschaftliche Bildung, Lernen mit dem ganzen Körper, KI im Informatikunterricht und literarische Mehrsprachigkeit. Und am Ende der Staffel eine Sonderfolge, in der alle Gäste auf die Frage antworten: Was läuft im Bildungssystem besonders gut — und was müsste dringend verbessert werden?
Alle zwei Wochen donnerstags, überall wo es Podcasts gibt. - In dieser Sonderfolge zum Staffelfinale von Didaktik:Dialog stellt Denis Weger allen Gästen der zweiten Staffel dieselbe Frage: Was macht guten Unterricht aus? Die Antworten kommen aus acht verschiedenen Fächern und Perspektiven – von Literaturdidaktik über Kunstpädagogik und Sachunterricht bis hin zu inklusiver Pädagogik und evidenzbasierter Lehrer*innenbildung. Und trotzdem klingt vieles erstaunlich ähnlich.
Die Gäste teilen ihre persönlichen Vorstellungen von gelungenem Unterricht:
Wann ist ein Inhalt wirklich bedeutsam – und warum reicht es nicht, einfach ein „aktuelles" Thema auszuwählen?
Was hat handlungsorientiertes Lernen mit Eigenverantwortung und Motivation zu tun?
Warum gibt es kein Patentrezept für guten Unterricht – und was Ted Lasso damit zu tun hat?
Besonders spannend: Obwohl alle Gäste aus völlig unterschiedlichen Fächern und Kontexten kommen, beschreiben sie am Ende denselben Moment. Den, den Cathrin Reisenauer Flow nennt – wenn die Kinder so im Tun sind, dass die Stunde vorbei ist, bevor irgendjemand auf die Uhr geschaut hat.
Eine Folge für alle, die sich fragen: Was will ich eigentlich erreichen, wenn ich vor einer Klasse stehe?
Ressourcen & Links:
Jill Hadfield: Classroom Dynamics (Oxford University Press)
Zoltán Dörnyei: Group Dynamics in the Language Classroom (Cambridge University Press)
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Keywords:
Guter Unterricht, Unterrichtsqualität, Lehrkräftebildung, Handlungsorientierung, Lernmotivation, Flow im Unterricht, Didaktik, Didaktik Dialog - In dieser Folge von Didaktik:Dialog spreche ich mit Cathrin Reisenauer vom Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung der Universität Innsbruck, die zusätzlich als Beratungslehrerin in Tirol tätig ist, über inklusive Pädagogik, gemeinsames Lernen in heterogenen Klassen und die Frage, wie Schule zu einem Ort werden kann, an dem wirklich alle Kinder ihren Platz haben.
Ausgangspunkt ist die Frage, was inklusive Pädagogik im Kern will und warum Vielfalt nicht als Belastung, sondern als Ressource verstanden werden sollte. Cathrin macht deutlich, dass Inklusion mehr ist als das Nebeneinander von Kindern mit und ohne sonderpädagogischem Förderbedarf und keine Aufgabe einiger weniger spezialisierter Lehrpersonen, sondern eine gemeinsame Verantwortung aller in der Schule tätigen Personen.
Anhand konkreter Beispiele aus ihrer Arbeit diskutieren wir, wie inklusiver Unterricht praktisch aussehen kann, warum das verbreitete Modell, Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf aus der Klasse herauszunehmen, kritisch zu betrachten ist und warum die Orientierung an einem fiktiven Durchschnittsschüler nicht nur langsam, sondern auch schnell lernende Kinder zurücklässt.
Ein zentrales Konzept ist die Entwicklungslogische Didaktik nach Georg Feuser mit ihren Prämissen Kooperation am gemeinsamen Gegenstand und innere Differenzierung. Cathrin erläutert, wie diese Theorie über Differenzierungsmatrizen in konkretes Material übersetzt wird, und spricht über das Lehr-Lern-Labor der Universität Innsbruck, in dem Lernkisten für Schulen entwickelt werden.
Ein zweiter Strang ist die verstehende Diagnostik als Zugang zu herausforderndem Verhalten. An einem eindrücklichen Beispiel zeigt Cathrin, wie der Wechsel von der Frage „Warum?" zur Frage „Wozu?" Lehrpersonen neue Handlungsoptionen eröffnet, die Beziehung stärkt und das eigene Stresserleben reduziert.
Weitere Themen:
Inklusion zwischen Segregation, Integration und Inklusion: Warum die Umsetzung stark vom Inklusionsverständnis der Schule abhängt.
Theorie-Praxis-Transfer: Wie die Doppeltätigkeit als Wissenschaftlerin und Beratungslehrerin beide Bereiche befruchtet.
Lernen am gemeinsamen Gegenstand: Wie ein Thema wie die Wärmelehre auf sensomotorischer, handelnder und symbolischer Ebene zugleich bearbeitet werden kann.
Beziehung als Kern pädagogischer Arbeit: Warum Verstehen auch die Lehrperson selbst entlastet.
Hospitieren als Lernform: Warum Bilder im Kopf von gelingendem inklusiven Unterricht oft fehlen und wie Hospitationen diese Lücke schließen.
Eine Folge über inklusive Pädagogik als gemeinsame Verantwortung, über didaktische Modelle, die Vielfalt im Klassenzimmer produktiv machen, und darüber, warum Verstehen oft der wirksamste pädagogische Zugang ist.
Ressourcen und Links:
Cathrin Reisenauer / Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung
Lehr-Lern-Labor für Inklusive Bildung an der Universität Innsbruck – Lernkisten und Materialien für inklusiven Unterricht
Index für Inklusion – Selbstevaluation für inklusive Kulturen, Strukturen und Praktiken
Entwicklungslogische Didaktik nach Georg Feuser – Grundlagentexte zur inneren Differenzierung
Deutscher Schulpreis – ausgezeichnete Schulen für Hospitationen
Österreichischer Staatspreis Innovative Schulen – ausgezeichnete Schulen in Österreich
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Über Didaktik:Dialog
Willkommen bei Didaktik:Dialog – dem Podcast über guten Unterricht und innovative Didaktik. Ich bin Denis Weger, war früher Lehrer und bin heute Wissenschaftler an der Universität Wien. In jeder Folge spreche ich mit Expert*innen aus verschiedenen Fachdidaktiken über Theorie, Praxis und persönliche Erfahrungen. Für alle, die sich für guten Unterricht und professionelle Lehrer*innenbildung interessieren.
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