Diese Folge richtet sich an Psychotherapeut:innen in Ausbildung (PiAs) und an alle, die darüber nachdenken, eine Therapiegruppe zu starten. Sie zeigt, wie sich die Anfangsphase anfühlt und worauf man achten sollte. Herr Boddin begann mit der gruppentherapeutischen Arbeit, als er noch wenig Erfahrung hatte. Ein mutiger Schritt. Heute freut er sich auf seine wöchentlichen Gruppentermine! Ein Gefühl, das viele Gruppentherapeut:innen teilen und das zeigt: Gruppentherapie lohnt sich.
Herr Boddin befindet sich im vierten Jahr seiner Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten im Verfahren Verhaltenstherapie. Bereits zwei Jahre nach Beginn seiner Ausbildung startete er seine erste Therapiegruppe und leitet nun seit 1,5 Jahren eigenständig eine störungsübergreifende, halboffene Gruppe mit sechs 12- bis 16-Jährigen in einer sozialpsychiatrischen Praxis.
Als größte Herausforderungen zu Beginn nennt er die Themenvorbereitung und das manchmal unvorhersehbare Verhalten der Jugendlichen. Mit zunehmender Routine habe sich der Aufwand jedoch deutlich reduziert. Schon nach rund zehn Sitzungen sei ein spürbarer Übungseffekt eingetreten.
Vorteile der Gruppentherapie sieht Herr Boddin vor allem in der gegenseitigen Unterstützung der Jugendlichen. Sie lernen voneinander, profitieren von der Interaktion und erleben, dass Ratschläge von Gleichaltrigen oft anders wirken als die des Therapeuten. Er empfindet die Gruppensitzungen als bereichernd und häufig weniger anstrengend als Einzeltherapien, da er mehr moderieren und das Geschehen „laufen lassen“ könne.
Bei der Auswahl der Jugendlichen achtet er darauf, dass sie Interesse an der Gruppentherapie haben. Nach der Diagnostik bietet er Schnupperstunden an und führt anfangs oft Einzelgespräche, kündigt aber direkt an, dass nur Gruppenplätze frei sind. Dass er seine Patient:innen selbst auswählen kann, sieht er als entscheidend für eine gute Gruppendynamik.
Angehenden Gruppentherapeut:innen rät Herr Boddin, Ruhe zu bewahren, genau zu beobachten, wer welche Rolle in der Gruppe einnimmt, und das Geschehen so zu strukturieren, dass alle integriert werden. Wichtig sei, zu erkennen, wann man eingreifen sollte – und wann nicht. Gruppendynamik verlaufe sehr unterschiedlich und beeinflusse die Rolle der Therapeutin bzw. des Therapeuten stark.
In der Psychotherapieausbildung sieht Herr Boddin organisatorische Hürden, die dazu führen, dass Gruppentherapie oft nicht umgesetzt wird. Er wünscht sich mehr gruppentherapeutische Lerninhalte. Unter den PiAs, die er kennt, erwerben etwa 50 % die Gruppenzulassung, meist durch Anrechnung von Klinikzeiten. Rund ein Drittel würde sie gerne erwerben, findet aber keine Möglichkeit dazu. Sein Rat: Gruppentherapie einfach ausprobieren – sie macht Spaß, bringt Abwechslung und neue Interventionen, auch wenn nicht jede sofort funktioniert.
Für seine Zukunft sieht Herr Boddin die Gruppentherapie als festen Bestandteil seiner Arbeit: Sie bereichert den Therapiealltag, entlastet im Vergleich zur Einzeltherapie und bietet Jugendlichen wertvolle soziale Lernmöglichkeiten.
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