Zum Inhalt springen

Food Fak(t)

Stefan Fak
Food Fak(t)
Neueste Episode

75 Episoden

  • Food Fak(t)

    #74 Urlaub in Vorarlberg: So wird Kulinarik zum Reisegrund mit Renate Breuss und Christian Schützinger

    24.07.2026 | 44 Min.
    Neun Millionen Übernachtungen im Jahr – und die meisten Gäste kommen zuerst wegen der Berge. Woran sie sich hinterher erinnern, ist oft das Essen. Wie wird Kulinarik in Vorarlberg vom angenehmen Nebeneffekt zum eigenständigen Reisegrund?

    Darüber spricht Stefan Fak mit Renate Breuß, Kunst- und Kulturhistorikerin, Autorin von „Das Maß im Kochen" und langjährige Geschäftsführerin des Werkraum Bregenzerwald, sowie mit Christian Schützinger, Landestourismusdirektor und Geschäftsführer der Vorarlberg Tourismus GmbH.

    Renate Breuß führt durch die Materialgeschichte der Vorarlberger Küche: Sennerei und Milchwirtschaft, Mais im föhngeprägten Rheintal, Beeren und Pilze aus dem Wald. Warum Butter jahrhundertelang wichtiger war als Fettkäse. Wie Kresse einst als natürliches Gerinnungsmittel diente. Und weshalb zwei Grad Unterschied beim Erhitzen der Milch über feinkörnigen oder speckigen Sauerkäse entscheiden.

    Christian Schützinger erklärt, was das für den Tourismus bedeutet: Auf Vorarlbergs Alpen wird die Milch dort verarbeitet, wo sie gemolken wird – keine Einheitsmilch aus dem Tal, keine Schaukäserei. Er spricht über Tourismusorganisationen als Vermittler zwischen Landwirtschaft, Gastronomie und Bevölkerung, und über den Druck, unter dem beide Seiten stehen.

    Im zweiten Teil wird es kontroverser: Was gibt die historische Küche der Knappheit für die Klimafrage her? Zero Waste als Haltung statt als Etikett. Die Verlagerung der Milchwirtschaft in höhere Lagen. Und die Frage, ob Vorarlberg beim Bergkäse in dieselbe Klemme gerät wie Italien beim Parmesan. Zum Schluss: Wie viel Substanz steckt hinter dem Schlagwort Longevity – und wie verhindert eine Region, dass daraus bloß Wellness mit neuem Etikett wird?

    GLOSSAR ZUR FOLGE

    Alpkäse & Bergkäse – Alpkäse entsteht während des Sommers direkt auf der Alp, Bergkäse in den Talsennereien. Beide aus Rohmilch, beide mit deutlich unterschiedlichem Charakter je nach Lage, Futtergras und Reifedauer.

    Sauerkäse (Surakees) – Magerkäse aus abgerahmter Milch. Der Vorarlberger Sauerkäse hat eine Speckschicht und einen weißen Kern; ob er fein- oder grobkörnig wird, entscheidet die Erhitzungstemperatur zwischen etwa 38 und 40 Grad. Verwandte im Alpenraum: Graukäse (Tirol), Bloderkäse (Schweiz), Steirerkas (Steiermark), Harzer (Deutschland).

    Rässkäse – Würziger Magerkäse, der sich vor allem in Vorarlberg gehalten hat. Weil er mager und trotzdem kräftig ist, gilt er als bekömmlichere Komponente in den Käsknöpfle.

    Käsknöpfle – Die Vorarlberger Nationalspeise. Verwandt mit den Kässpätzle, klassisch mit einer Mischung aus Fett- und Magerkäse.

    Riebel – Maisspeise aus dem Rheintal, entstanden aus dem dortigen Maisanbau. Gilt als typisch vorarlbergisch.

    Subira (Saubirne) – Roh kaum genießbare Birne, die früher an die Schweine verfüttert wurde. Gebrannt ergibt sie einen Vorarlberg-typischen Edelbrand.

    Grünpflücke – Verarbeitung unreifer Tomaten, die ab September nicht mehr ausreifen, zu Salsa oder Eingemachtem. Das heimische Gegenstück zum französischen Verjus, der aus unreifen Trauben gewonnen wird – in Vorarlberg historisch aus unreifen Äpfeln oder Stachelbeeren.

    Hochstämme – Traditionelle hochstämmige Obstbäume. Sie tragen erst nach vielen Jahren, dafür über Jahrzehnte. Werden kommunal wieder gefördert.

    GENANNTE HÄUSER, BETRIEBE UND PERSONEN

    Hirschen Schwarzenberg – Gasthof und Hotel am Dorfplatz von Schwarzenberg

    Tobias Schöpf, Klostertal – beeindruckender Keller voll Eingemachtem, dazu Kochkurse, bei denen morgens gemeinsam Kräuter gesammelt und anschließend in der Küche verarbeitet wird.

    Thorsten Probost – Spitzenkoch, Koch des Jahres, absolviert die Wanderführerausbildung.

    Anton Moosbrugger – Käsemacher, gibt die alte Methode des Käsemachens an junge Leute weiter und experimentiert mit langer Reifung, 36 bis 52 Monate.

    Franz Michael Felder (1839–1869) – Bauer, Schriftsteller und Sozialreformer aus dem Bregenzerwald. Von ihm stammt das Bild vom Senn als Alleskönner.
  • Food Fak(t)

    #73 Raus aus der Nische: So wird vegan zum Standard mit Albrecht Wolfmeyer

    10.07.2026 | 36 Min.
    Veganes Essen ist längst kein Nischenthema mehr – es liegt im Discounter, in der Kantine, auf jeder zweiten Speisekarte. Und trotzdem wird gerade vieles unübersichtlicher: Wer darf eigentlich „vegan" auf die Packung schreiben? Wie viel Vertrauen verdient ein Siegel, das kaum jemand vor Ort prüft? Und wie hält eine gemeinnützige Organisation ihre kritische Stimme, wenn sie mit McDonald's und Lidl zusammenarbeitet?

    Darüber spreche ich mit Albrecht Wolfmeyer, Leiter Strategie bei ProVeg Deutschland und langjähriger Direktor des ProVeg-Inkubators. ProVeg ist eine der einflussreichsten gemeinnützigen Ernährungsorganisationen weltweit – aktiv in vierzehn Ländern, mit eigenem V-Label, einem Förderprogramm für Food-Startups und direktem Draht zu Konzernen, Investoren und Politik. Albrecht kennt diese Welt von innen, und er sagt einige Dinge, die man so nicht überall hört.

    Die große Frage, um die alles kreist: Wie schafft pflanzliche Ernährung den Sprung von der Bubble in den Massenmarkt? Albrecht erklärt, warum Deutschland heute der weltweit führende Markt für pflanzliche Produkte ist, während andere Länder stagnieren. Wir reden über das V-Label und darüber, wie viel Vertrauen so ein Siegel wirklich verdient. Über die Debatte „vegan" gegen „pflanzlich" und die Reaktanz, die das Wort bei manchen auslöst.
    Es geht um Preisparität im Discounter und die harte Konsolidierung bei den Fleischalternativen – und darum, warum so viele Startups an Novel-Food-Regulierung, langem Atem und Produkten scheitern, die geschmacklich schlicht noch nicht überzeugen.

    Es wird auch unbequem: Warum setzt ProVeg auf Pragmatismus statt Ideologie? Und lässt sich das Image von Veganismus überhaupt drehen, wenn das Wort bei vielen sofort Widerstand auslöst?
    Zum Schluss schauen wir nach vorn: auf Milchproteine aus Präzisionsfermentation, auf kultiviertes Fleisch, auf Fischalternativen, die noch viel Arbeit brauchen – und auf die Frage, welche Kategorie in fünf Jahren so selbstverständlich im Regal steht wie heute die Hafermilch. Dazu Wolfmeyers Blick auf die Proteinwende, die Landwirtschaft und die New Food Conference im August in Berlin.

    Eine Folge über einen Markt im Erwachsenwerden – und über die Menschen, die entscheiden, was morgen auf unseren Tellern landet.
  • Food Fak(t)

    #72 Babynahrung: Das steckt drin, das wird uns morgen erwarten – mit Eva Neugebauer & David Rau

    26.06.2026 | 39 Min.
    Babynahrung ist das sensibelste Segment der gesamten Lebensmittelbranche – und gleichzeitig eines der am wenigsten offen diskutierten. Wer entscheidet, was in die Gläschen kommt? Was weiß die Wissenschaft, das die Industrie noch nicht umsetzt? Und was passiert, wenn Vertrauen auf dem Spiel steht?

    Eva Neugebauer und David Rau sind die Gründer von Löwenzahn Organics, einem Unternehmen, das seit 2016 Bio-Babynahrung herstellt – von Anfangsmilch über Beikost bis hin zu Produkten für Stillende. Die beiden stehen für einen Ansatz, der sich radikal an der Wissenschaft orientiert: keine Kompromisse bei Inhaltsstoffen, volle Transparenz bei Qualitätskontrollen, und ein klares Nein zu zugesetztem Zucker – auch dann, wenn es das Gesetz noch erlauben würde.

    Im Gespräch geht es um konkrete Fragen, die Eltern bewegen, aber selten laut ausgesprochen werden. Warum kommt das DHA in ihren Produkten aus Algen statt aus Fisch? Was sagt die aktuelle Forschung zum Mikrobiom von Säuglingen – und warum ist das für die Gehirn- und Immunentwicklung relevanter, als viele ahnen? Wie geht ein junges Unternehmen mit einem Lebensmittelskandal um, der die gesamte Branche trifft – und was lehrt ein Fall wie der mit dem vergifteten Babygläschen über Sicherheit und Vertrauen?
    Eva und David erklären außerdem, warum ihr Netzwerk von über 2.000 Hebammen kein Marketinginstrument ist, sondern ein echter Wissenskanal – in beide Richtungen. Und sie geben einen Ausblick darauf, wohin sich Babynahrung entwickelt: mehr Fokus auf Darmgesundheit, weniger Zucker, funktionale Inhaltsstoffe, die heute noch Nische sind und morgen Standard sein werden.

    Wer Kinder hat, plant oder einfach verstehen will, wie eine Branche mit so viel Verantwortung wirklich funktioniert – diese Folge gibt Antworten, die man sonst nirgendwo bekommt.
  • Food Fak(t)

    #71 Future Food Technology: Wie Biotechnologie unser Essen neu erfindet mit Jenny Rädecke

    12.06.2026 | 26 Min.
    Vanille ist knapp. Kakao wird teurer. Fischöl ist endlich. Und die Lebensmittelindustrie schaut oft noch zu, während die Rohstoffbasis, auf der sie seit Jahrzehnten aufbaut, unter Druck gerät. In dieser Folge spreche ich mit Jenny Rädecke — Betriebswirtin, Food-Expertin und meine Co-Gründerin bei Future Food Technology — über die Frage, die uns beide seit einer Weile beschäftigt: Was kommt, wenn die klassischen Rohstoffe nicht mehr reichen?

    Future Food Technology ist ein Unternehmen, das wir gemeinsam gegründet haben, um genau diesem Problem zu begegnen. Gemeinsam mit einem Biotechnologen, Forschungseinrichtungen und Industriepartnern arbeiten wir an Rohstoffen, die über biotechnologische Prozesse hergestellt werden — Rohstoffe, die bisher schwer zugänglich waren, zu teuer, zu instabil oder schlicht nicht in ausreichender Menge verfügbar.

    Im Gespräch klären wir, was hinter Begriffen wie Präzisionsfermentation und pflanzlicher Zellkultivierung wirklich steckt — ohne Fachjargon, ohne Hype. Präzisionsfermentation ist dabei keine neue Erfindung: Labferment, das für die Käseherstellung benötigt wird, wird bereits seit den Neunzigern auf diesem Weg produziert. Was sich verändert hat, sind die Anwendungsfelder — tierisches Protein ohne Tier, Kakaobutter aus dem Bioreaktor, Vanillin ohne Vanilleschote.

    Wir reden auch darüber, warum die Industrie trotz steigender Rohstoffpreise oft noch zögerlich reagiert, welche technischen Hürden bei der Zellkultivierung noch zu nehmen sind und was die europäische Novel-Food-Regulatorik mit dem Tempo dieser Entwicklung macht. Und wir wagen einen konkreten Blick nach vorne: Welche Produkte könnten in zehn Jahren Standard im Supermarkt sein — und was wird trotz großer Versprechen vielleicht verschwinden?

    Diese Folge ist etwas Besonderes, weil ich hier ausnahmsweise auch in eigener Sache spreche. Es ist ein Gespräch zwischen zwei Menschen, die an einer Sache arbeiten, von der sie überzeugt sind — und die offen darüber reden wollen, wo wir stehen, was noch fehlt und warum es höchste Zeit ist, dieses Thema aus den Laboren in die öffentliche Diskussion zu bringen.

    Wer mehr über Future Food Technology erfahren möchte: www.futurefoodtechnology.com
  • Food Fak(t)

    #70 Tempeh statt Tofu: Vielseitig, proteinreich und auf dem Vormarsch – mit Merle Scheer und John Wreth

    29.05.2026 | 46 Min.
    Tempeh ist eines der ältesten fermentierten Lebensmittel der Welt – und in Deutschland trotzdem noch weitgehend unbekannt. Das ändert sich gerade. In dieser Episode spreche ich mit Merle Scheer und John Wreth, den Gründern von FourTaste aus Lübeck, die Tempeh aus heimischen Süßlupinen und gelben Erbsen herstellen. Kein Soja, keine Kompromisse beim Geschmack.

    Wir reden darüber, was Tempeh eigentlich ist, wie die Pilzfermentation funktioniert und warum das Ergebnis nutritiv gesehen Tofu und Seitan klar hinter sich lässt. 22 Gramm Protein und 9 Gramm Ballaststoffe auf 100 Gramm – das ist keine Marketingaussage, das ist Laborergebnis. Und weil der Pilz die Makronährstoffe bereits vorverdaut, ist Tempeh auch für Menschen mit empfindlichem Verdauungstrakt verträglich, die sonst mit Hülsenfrüchten kämpfen.

    Dazu gibt es praktische Küchentipps: Wie wird Tempeh knusprig, ohne trocken zu werden? Warum ist die Marinade bereits im Produkt? Und lässt sich daraus wirklich eine Schokoladenpraline machen? Spoiler: ja, und sie klingt verdammt gut.

    Merle und John haben FourTaste vollständig aus eigener Kraft aufgebaut – kein Investor, kein Rückenwind von außen. Zweieinhalb Jahre, viel Aufklärungsarbeit in der Gastronomie, eine Aktionswoche bei Budni und ein frisch gestarteter Onlineshop. Sie erzählen offen, was schwer war, was sie gelernt haben und warum sie trotzdem weitermachen.

    Eine Episode für alle, die Tempeh noch nicht kennen – und für alle, die es kennen und endlich verstehen wollen, warum es so viel mehr ist als eine weitere Fleischalternative.
Weitere Ernährung Podcasts
Über Food Fak(t)
Bei Food Fak(t) servieren wir die Zukunft auf dem Teller. Food-Pionier Stefan Fak taucht in die spannendsten Entwicklungen der Ernährungswelt ein: Fleisch aus dem Labor, Milch aus dem Drucker, Proteine aus der Luft. Das sind nur einige der Dinge, die wir bei Food Fak(t) beleuchten. Dinge, die unsere Ernährung in Zukunft vielleicht neu definieren werden. Hier erfahrt ihr nicht nur, was hinter diesen neuen Ideen steckt, sondern auch, wie solche Innovationen unser Essen und unsere Umwelt beeinflussen können. Jede Episode beleuchtet ein neues Thema, stellt Fragen und sucht Antworten. Gemeinsam mit Expert:innen und Visionären erkunden wir, was in Zukunft auf unseren Tellern landen könnte. Wie Technologie, Natur und Kreativität zusammenwirken, um neue Ernährungslösungen zu schaffen. Food Fak(t) ist die neue Anlaufstelle für umweltbewusste Genießerinnen und Genießer, Technologie-Enthusiasten, kritische Verbraucherinnen und Verbraucher und alle, die sich für das Essen von morgen interessieren. Alle zwei Wochen auf Spotify, Apple Podcast und wo immer ihr Podcasts hört.
Podcast-Website

Höre Food Fak(t), einfach. besser. essen. und viele andere Podcasts aus aller Welt mit der radio.at-App

Hol dir die kostenlose radio.at App

  • Sender und Podcasts favorisieren
  • Streamen via Wifi oder Bluetooth
  • Unterstützt Carplay & Android Auto
  • viele weitere App Funktionen
Rechtliches
Social
v8.11.10 | © 2007-2026 radio.de GmbH
Generated: 7/27/2026 - 11:18:05 AM