Künstliche Intelligenz könnte zu mehr Ungleichheit führen. Das befürchtet jedenfalls MIT-Professor Daron Acemoğlu. Der Träger des 2024er Alfred-Nobel-Gedächtnispreises für Wirtschaftswissenschaften prognostiziert, dass ein immer größerer Teil der Wertschöpfung den Kapitalbesitzern zufallen würde, ein immer kleinerer Teil den Arbeitnehmern. Wenige Ökonomen haben diese These so weit gedacht wie Philip Trammell, Sozialwissenschaftler an der Stanford Universität, und der Informatiker Dwarkesh Patel, Host des Dwarkesh Podcast und eine der prominentesten Stimmen der KI-Medien-Welt. In ihrem Ende Dezember 2025 erschienenen Aufsatz „Capital in the 22nd Century“ formulieren sie einen Satz, der die Verteilungsdebatte der nächsten Jahrzehnte prägen könnte: „Piketty was wrong about the past. He’s probably right about the future.“ Thomas Piketty ist ein französischer Ökonom und Autor des viel diskutierten Buchs Das Kapital im 21. Jahrhundert.
Mit Künstlicher Intelligenz und Robotik kippt das Komplementaritätsverhältnis. Wenn Maschinen die Arbeit ersetzen, werden Kapital und Arbeit zu Substituten. Die Kapitalquote steigt nachhaltig. Die Lohnquote fällt. Die beiden Forscher schließen nicht aus, dass der Gini-Koeffizient (0 = jeder hat das gleiche, 1 = einer hat alles) der US-Einkommensverteilung von heute 0,42 auf 0,95 steigt. Eine Größenordnung, die wir nirgendwo auf der Welt jemals gemessen haben.
Daniel Stelter im Gespräch mit Philip Trammell über die drei Mechanismen der Ungleichheitsspirale: die Privatisierung der Renditen, das Ende des internationalen Aufholens und das Ende des Generationenausgleichs.
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Hörerservice
Aufsatz Capital in the 22nd Century (29.12.2025) von Philip Trammell und Dwarkesh Patel: https://tinyurl.com/mr55t464
Interview An AI Job Apocalypse? (25.06.2026) in Top of Mind von Goldman Sachs Global Investment Research, Daron Acemoğlu im Gespräch mit Allison Nathan: https://tinyurl.com/yjwa47vy
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