14 Episoden
- Das Wort »Post« ist Latein und bedeutet »nach« – und schon seit vielen
Jahren sind Intellektuelle geradezu verliebt in diese Vorsilbe. Bekannt
und berüchtigt sind inzwischen Begriffe wie »Postmoderne« und
»Postkolonialismus«. Aber was ist der »Postliberalismus«, von dem
neuerdings alle reden?
Die kurze Antwort: Der Postliberalismus ist eine politische Philosophie,
die über den Liberalismus hinausgehen will. Die Postliberalen glauben,
dass die Schwächen, Konstruktionsfehler und Leerstellen des Liberalismus
verantwortlich sind für die politische und gesellschaftliche Großkrise,
in der wir stecken – und er will Alternativen zu dieser Krise anbieten.
Seine Gegenmittel: Tugend. Familie. Religion. Und ein guter Schuss
Paternalismus. Der Postliberale will den einsamen Individualismus, der
uns angeblich plagt, überwinden und stattdessen wieder eine gemeinsame
Idee des Guten in den Mittelpunkt stellen. Eine Idee, auf die wir alle
verpflichtet sind. Und zwar selbst dann, wenn wir ganz individuell gar
keine Lust auf sie haben. Vielleicht will der Postliberale den
Liberalismus sogar ganz abschaffen; das jedenfalls befürchten die
(liberalen) Kritiker der postliberalen Philosophie.
Egal wie man zu ihm steht: Der Postliberalismus gehört zu den
wichtigsten Theorietrends der letzten Jahre. Vielleicht ist er
tatsächlich die zentrale Leitidee einer neuen Gegenwart, die angebrochen
ist, jetzt, wo die Anziehungskraft von Wokeness, Kulturkampf und
Linksliberalismus schwindet. Der Einfluss (und die Gefährlichkeit) des
Postliberalismus zeigt sich vor allem in den USA, wo zentrale Figuren
der Trump-Regierung mit ihm verbunden sind: Vizepräsident JD Vance gilt
als rechter Postliberaler, Verteidigungsminister Pete Hegseth hat beim
postliberalen Politikwissenschaftler Patrick Deneen studiert.
In der neuen Folge von »Die sogenannte Gegenwart« sprechen Ijoma Mangold
und Lars Weisbrod über die angesagte Hype-Theorie aus der politischen
Philosophie und fragen: Wie autoritär ist der Postliberalismus wirklich?
Kann es auch einen linken Postliberalismus geben? Und was ist eigentlich
das »gemeinsame Gut«, auf das wir uns verpflichten sollen? Müssen wir
jetzt sonntags alle wieder in die Kirche gehen? Oder tut’s auch eine
Gewerkschaftsmitgliedschaft?
Und noch ein Hinweis:
Am 14. Oktober kommt »Die sogenannte Gegenwart« für einen Livepodcast
nach Düsseldorf. Tickets gibt es hier.
Shownotes
Wir sprechen über die Bücher
- »Why Liberalism Failed« von Patrick Deneen aus dem Jahr 2018
- »Postliberalismus? Eine transatlantische Debatte« herausgegeben von
Veith Selk und Julian Nicolai Hofmann und gerade erschienen bei
Suhrkamp
- dazu die Rezension im Deutschlandfunk von Nils Schniederjann
- »Politics of Virtue« von John Milbank und Adrian Pabst aus dem Jahr
2016
Außerdem über die Aufsätze
- »In search of the common good: The postliberal project Left and
Right« von Stefan Borg – eine gute Einführung ins Thema
- »States that are essentially by-products« von Jon Elster. Der
Aufsatz ist unter anderem in Elsters wichtigem Buch »Sour Grapes«
von 1983 abgedruckt.
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überall, wo es Podcasts gibt.
Klodian Makashi soll ein Konzert des umstrittenen Rappers Kanye West in
Albanien organisieren. Das Problem: Es gibt kein Stadion im Land, das
groß genug ist. Seine Lösung: Dann bauen wir halt eins. Für eine einzige
Nacht – und in zwei Monaten.
Zwischen Größenwahn, moralischen Fragen und Massenprotesten beginnt ein
riskantes Mega-Projekt.
"Mission Kanye" finden sie hier auf Apple Podcasts und hier auf Spotify.
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testen Sie jetzt 4 Wochen kostenlos DIE ZEIT. Hier geht's zum Angebot. - Jede Zeit kennt ihre eigene Leitkunst. Lange war es die Literatur, die
unsere Diskurse prägte, es waren Schriftsteller, die sich einmischten in
politische Debatten. Dann übernahm das Theater diese Rolle, später der
Film. Und im 21. Jahrhundert? Ist unsere Leitkunst die Comedy – das sagt
der Feuilletonist und Autor Jens-Christian Rabe. In seinem neuen Buch
»Komisch – Satire, Comedy und der Ernst der Lage« erzählt er davon, wie
eine lange unterschätzte und geschmähte Form der Popkultur in den
letzten 25 Jahren aufgestiegen ist zu einer Kunst eigenen Ranges – und
wie Komiker die neuen Intellektuellen wurden. Was verrät dieser
unaufhaltsame Aufstieg der Comedy über unsere Gegenwart? Und wann wird
aus Comedy eigentlich Kunst? Geht es darum, dass der Komiker sich selbst
verstrickt in die Pointen, die er reißt? Oder um die reine Lust am
Unsinn?
Das wollen die Podcasthosts Ijoma Mangold und Lars Weisbrod wissen – in
der neuen Folge von »Die sogenannte Gegenwart« sprechen sie deswegen mit
Jens-Christian Rabe über amerikanisches Stand-up, deutsches Kabarett und
über die Schadenfreude, die vielleicht besser ist als ihr Ruf.
Mit dieser Interviewfolge verabschiedet sich der Feuilletonpodcast in
die Sommerpause – »Die sogenannte Gegenwart« kommt zurück am 7.
September.
Sie erreichen das Team unter gegenwart@zeit.de.
Shownotes
Unsere Folge über Louis CK aus dem Jahr 2022: Können Männer lustig sein?
Das Buch von Jens-Christian Rabe (Suhrkamp Verlag): »Komisch. Satire,
Comedy und der Ernst der Lage«
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die Zeit Speck an, wurde insgesamt gemütlicher und genügsamer. Heute
sieht man langjährig verheiratete und verpartnerte Männer und Frauen,
die sich Sixpacks antrainieren und alles tun, um fit und sexy zu
bleiben. Ganz so, als würden sie sich vorbereiten für den Dating-Markt –
auf den sie aber gar nicht mehr zurückwollen. Gleichzeitig zeigen Daten:
Auch junge Menschen haben weniger Sex als früher. Und das, obwohl sie im
Zeitalter von Social Media und Internet-Pornografie beständig explizite
erotische Inhalte konsumieren. Was ist da los? Warum scheinen wir heute
so »oversexed but underfucked« wie noch nie? Liegt es an den
Smartphones, die uns süchtig gemacht haben und in einen ständigen
Dopaminrausch versetzen, bis wir körperliche Lust gar nicht mehr
brauchen? Liegt es an einer neuen Scheu davor, sich auf jemand anderen
einzulassen? Und was genau verbindet eigentlich den modernen Feminismus
mit dem, was schon Augustinus in der Antike über den menschlichen
Sexualtrieb gedacht hat? Diese Fragen diskutieren Nina Pauer, Lars
Weisbrod und Ijoma Mangold in der neuen Folge des Feuilleton-Podcasts
Die sogenannte Gegenwart.
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einen Namen ein, und schon ploppt der Treffer auf – oder eben auch
nicht. Das Onlinetool der ZEIT, mit dem man in Sekundenschnelle die
NSDAP-Mitgliederkartei nach eigenen Familienangehörigen durchsuchen
kann, wurde und wird nach wie vor extrem viel genutzt. Nie schien es so
einfach, deutsche Familiengeschichte während der Nazizeit direkt zu
recherchieren. Und nie war das Interesse daran größer.
Doch woher kommt eigentlich diese plötzliche Dringlichkeit, noch einmal
genauer in die Vergangenheit zu schauen, über die wir doch eigentlich,
sozialisiert durch Schulunterricht und stets präsente nationale
Erinnerungskultur in Deutschland, schon sehr viel wissen könnten? Liegt
es daran, dass die Zeitzeugen nun nicht mehr am Leben sind und man ihr
Handeln in der Vergangenheit vermeintlich unabhängiger recherchieren
kann? Und welche Rolle spielt der Wunsch, sich historisch von den
Menschen, die Hitler wählten, abzugrenzen, dadurch, dass man sie
»historisch dingfest« macht, ein Reflex, vor dem der Zeithistoriker Götz
Aly Nachgeborene warnt?
»Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945«, so heißt sein
Buch, über das Nina Pauer und Ijoma Mangold in der neuen Folge des
Feuilletonpodcasts »Die sogenannte Gegenwart« sprechen und dabei
feststellen: Zur eigenen Geschichte ist in der Tat immer noch nicht und
womöglich nie abschließend alles gesagt.
Shownotes:
- Götz Aly: »Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945«,
Fischer 2025
- Götz Aly zu Gast im Podcast »Jung und Naiv«
- ZEIT-Dokupodcast » Deutsche Geister«
- Ijoma Mangold: »Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte«, Rowohlt
2017
Das Hauptthema beginnt in dieser Folge ungefähr bei Minute 20.
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Über Die sogenannte Gegenwart
Was kommt nach dem Zeitalter der Wokeness? Leben wir schon in der posttherapeutischen Gesellschaft? Warum spielen Erwachsene heute so gern mit Lego? Und was verrät die Serie “White Lotus” über den Niedergang des Westens? Vom neuen Katholizismus bis zur KI, von Dark Academia bis zum Samba-Schuh von Adidas: Im Feuilleton-Podcast sprechen wir über die großen und die kleinen Phänomene, die unsere Zeit ausmachen – die ZEIT-Redakteure Nina Pauer, Ijoma Mangold und Lars Weisbrod begleiten die Hörerinnen und Hörer durch die Gegenwart.
Dieser Podcast wird produziert von Pool Artists.
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