13 Episoden
- Bis vor Kurzem war es noch so: Wer in einer Beziehung war, setzte über
die Zeit Speck an, wurde insgesamt gemütlicher und genügsamer. Heute
sieht man langjährig verheiratete und verpartnerte Männer und Frauen,
die sich Sixpacks antrainieren und alles tun, um fit und sexy zu
bleiben. Ganz so, als würden sie sich vorbereiten für den Dating-Markt –
auf den sie aber gar nicht mehr zurückwollen. Gleichzeitig zeigen Daten:
Auch junge Menschen haben weniger Sex als früher. Und das, obwohl sie im
Zeitalter von Social Media und Internet-Pornografie beständig explizite
erotische Inhalte konsumieren. Was ist da los? Warum scheinen wir heute
so »oversexed but underfucked« wie noch nie? Liegt es an den
Smartphones, die uns süchtig gemacht haben und in einen ständigen
Dopaminrausch versetzen, bis wir körperliche Lust gar nicht mehr
brauchen? Liegt es an einer neuen Scheu davor, sich auf jemand anderen
einzulassen? Und was genau verbindet eigentlich den modernen Feminismus
mit dem, was schon Augustinus in der Antike über den menschlichen
Sexualtrieb gedacht hat? Diese Fragen diskutieren Nina Pauer, Lars
Weisbrod und Ijoma Mangold in der neuen Folge des Feuilleton-Podcasts
Die sogenannte Gegenwart.
Sie erreichen das Team unter gegenwart@zeit.de.
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einen Namen ein, und schon ploppt der Treffer auf – oder eben auch
nicht. Das Onlinetool der ZEIT, mit dem man in Sekundenschnelle die
NSDAP-Mitgliederkartei nach eigenen Familienangehörigen durchsuchen
kann, wurde und wird nach wie vor extrem viel genutzt. Nie schien es so
einfach, deutsche Familiengeschichte während der Nazizeit direkt zu
recherchieren. Und nie war das Interesse daran größer.
Doch woher kommt eigentlich diese plötzliche Dringlichkeit, noch einmal
genauer in die Vergangenheit zu schauen, über die wir doch eigentlich,
sozialisiert durch Schulunterricht und stets präsente nationale
Erinnerungskultur in Deutschland, schon sehr viel wissen könnten? Liegt
es daran, dass die Zeitzeugen nun nicht mehr am Leben sind und man ihr
Handeln in der Vergangenheit vermeintlich unabhängiger recherchieren
kann? Und welche Rolle spielt der Wunsch, sich historisch von den
Menschen, die Hitler wählten, abzugrenzen, dadurch, dass man sie
»historisch dingfest« macht, ein Reflex, vor dem der Zeithistoriker Götz
Aly Nachgeborene warnt?
»Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945«, so heißt sein
Buch, über das Nina Pauer und Ijoma Mangold in der neuen Folge des
Feuilletonpodcasts »Die sogenannte Gegenwart« sprechen und dabei
feststellen: Zur eigenen Geschichte ist in der Tat immer noch nicht und
womöglich nie abschließend alles gesagt.
Shownotes:
- Götz Aly: »Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 bis 1945«,
Fischer 2025
- Götz Aly zu Gast im Podcast »Jung und Naiv«
- ZEIT-Dokupodcast » Deutsche Geister«
- Ijoma Mangold: »Das deutsche Krokodil. Meine Geschichte«, Rowohlt
2017
Das Hauptthema beginnt in dieser Folge ungefähr bei Minute 20.
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Unterscheidungen. Manchmal jedoch hinkt unsere Sprache der Gegenwart
hinterher – zum Beispiel, wenn wir uns in der Politik weiter auf die
vertrauten alten Kategorien »rechts« und »links« verlassen, obwohl die
längst nicht mehr zur Wirklichkeitsbeschreibung taugen.
So sieht es jedenfalls der Politikwissenschaftler Philip Manow. In
seinem neuen Buch versucht er, den politischen Raum neu zu vermessen:
Welche »Spaltungslinien« – so der Titel – muss man kennen und
kartografieren, wenn man unsere aktuellen politischen
Auseinandersetzungen korrekt erfassen will? Entlang welcher Frontlinien
versammeln sich die neuen Rechtspopulisten? Ihren Wählern unterstellt
man gern, von kulturellen Ressentiments getrieben zu sein – sie seien
gegen Wandel, Kosmopolitismus, Vielfalt und progressive Werte. Manow
hingegen behauptet: Gerade die Arbeiter wählen heute rechtspopulistische
Parteien wie die AfD, weil sie dort ihre eigentlichen ökonomischen
Interessen vertreten sehen.
In der neuen Folge von »Die sogenannte Gegenwart« diskutieren Ijoma
Mangold und Lars Weisbrod über Philip Manows streitbare Thesen, über
»Wohlfahrtsstaat-Chauvinismus« und die Rentenpolitik der AfD.
Shownotes:
- Das Interview, das Ijoma Mangold mit Manow geführt hat
- Die Kritik an Manows Buch, insbesondere an seinen empirischen
Aussagen
- Das Interview mit Wolfgang Streeck
Das Hauptthema beginnt in dieser Folge bei Minute 17:44.
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schäme sich dafür und zeige ihn lieber nicht. Das jedenfalls behauptete
vor einiger Zeit ein Artikel in der US-amerikanischen »Vogue«. Auf
TikTok trenden Begriffe wie »boyfriendsober«, und immer mehr weibliche
Stimmen melden sich in der Öffentlichkeit, die sich ganz grundsätzlich
fragen: Können wir überhaupt noch mit Männern zusammenleben? Brauchen,
ja wollen wir das heute noch: mit einem Mann das Leben, die Wohnung, das
Bett teilen? Wo aus Sicht von Feministinnen doch so viele Gründe gegen
die heterosexuelle Beziehung sprechen, von Gender-Pay-Gap bis zu
Skandalen wie Pelicot und Fernandes? Wer »nein« antwortet, der bekennt
sich zum Heterofatalismus. So heißt das neue Schlagwort, das gerade im
Netz und in der Presse diskutiert wird.
Auch im Feuilletonpodcast »Die sogenannte Gegenwart« fragen Nina Pauer
und Lars Weisbrod: Wie steht es um die Zukunft der Heterosexualität?
Wird sie bald abgeschafft – und die Romantik gleich mit? Oder bleibt sie
uns, allem Pessimismus zum Trotz, doch noch eine Weile erhalten?
Das Hauptthema beginnt in dieser Folge bei Minute 18.
SHOWNOTES
Text aus der »Vogue«: »Is Having a Boyfriend Embarrassing Now?«
Text aus dem »Süddeutsche Magazin« von Nele Sophie Karsten: »Wie soll
ich einen Mann lieben?«
Text aus der »Welt« von Julian Theilen: »Herrischer Feminismus: Warum
ich Frauen nicht mehr brauche«
Der Essay von Asa Seresin aus dem Jahr 2019: »On Heteropessimism«
Julia Werthmanns Text im Magazin »Jacobin«: »Entromantisierung ist keine
Emanzipation«
Das ZEIT-Interview mit der Philosophin Sally Haslanger: »Der Begriff
›Frau‹ sollte mehr als bloß eine Bedeutung haben«
Das Zitat von Amia Srinivasan stammt aus ihrem Buch »The Right to Sex«.
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Über Die sogenannte Gegenwart
Was kommt nach dem Zeitalter der Wokeness? Leben wir schon in der posttherapeutischen Gesellschaft? Warum spielen Erwachsene heute so gern mit Lego? Und was verrät die Serie “White Lotus” über den Niedergang des Westens? Vom neuen Katholizismus bis zur KI, von Dark Academia bis zum Samba-Schuh von Adidas: Im Feuilleton-Podcast sprechen wir über die großen und die kleinen Phänomene, die unsere Zeit ausmachen – die ZEIT-Redakteure Nina Pauer, Ijoma Mangold und Lars Weisbrod begleiten die Hörerinnen und Hörer durch die Gegenwart.
Dieser Podcast wird produziert von Pool Artists.
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