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Nur eine Frage

DIE ZEIT
Nur eine Frage
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28 Episoden

  • Nur eine Frage

    Sind wir frei, Rahel Jaeggi?

    07.10.2026 | 1 Std. 35 Min.
    Freiheit ist nicht nur eine individuelle, sondern eine soziale Frage, sagt Rahel Jaeggi. Die Philosophin über Machtlosigkeit und Entfremdung – und was gegen sie hilft.  

     

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können.  

    Früher war Freiheit einfach: Wer tat, was er wollte, galt als frei. Heute können wir reisen, wählen, kaufen und posten wie nie zuvor. Waren Menschen jemals freier als heute? Was bedeutet Freiheit? Und gab es jemals einen Zustand, in dem Menschen wirklich frei waren?   

    Wir fragen in dieser Folge von »Nur eine Frage« die Philosophin Rahel Jaeggi: Sind wir frei?  

    Rahel Jaeggi ist eine der einflussreichsten Sozialphilosophinnen der Gegenwart. Sie lehrt praktische Philosophie, Rechts- und Sozialphilosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin und zählt zu den wichtigsten Vertreterinnen der zeitgenössischen Kritischen Theorie. Jaeggi hat unter anderem an der Yale University, der New School in New York und der Fudan University in Shanghai gelehrt. Sie forscht zu Freiheit, Entfremdung und der Frage, wie gesellschaftliche Verhältnisse unser Leben prägen. Für ihr Buch Fortschritt und Regression erhielt sie den Philosophischen Buchpreis.   

    Ihre Antwort auf die Frage lautet: Ja – vielleicht ein bisschen. Es komme darauf an, was man unter Freiheit verstehe. Im Podcast erklärt sie zunächst, warum die Frage komplexer ist, als sie klingt, und differenziert zwischen einem negativen und einem positiven Freiheitsbegriff. 

    Ein zentraler Begriff von Jaeggi ist jener der Entfremdung. Im Podcast zeichnet sie die Geschichte des Begriffs von Rousseau über Hegel bis Marx nach und grenzt sich dabei von der Vorstellung ab, es gebe ein »wahres Selbst«, zu dem man nur zurückkehren müsse. Nach Jaeggi entstehe Freiheit dort, wo wir uns die Normen und Institutionen, unter denen wir leben, zu eigen machen könnten, wo wir sie als unsere begreifen und an ihrer Gestaltung teilhaben können. 

    Sie zeigt am Beispiel von Bewegungen wie Brexit oder Maga, wie reale Entfremdungserfahrungen in regressive Reaktionen münden können. Der Wunsch, Kontrolle zurückzugewinnen, sei zunächst verständlich, problematisch werde es jedoch, wenn daraus die Vorstellung entstehe, man müsse nur zu einer vermeintlich verlorenen Einheit zurückkehren. Jaeggi führt aus, dass Freiheit nicht dadurch entstehe, dass »die Anderen« verschwinden, sondern dadurch, dass Menschen gemeinsam gestalten können, wie sie leben wollen. 

    Die Freiheit im Kapitalismus sei doppeldeutig. Menschen könnten zwar ihre Arbeit wählen und ihren eigenen Weg gehen, aber diese Freiheit hänge von Voraussetzungen ab, die sehr ungleich verteilt seien, sagt Jaeggi. Die Frage, ob wir unsere Arbeits- und Wirtschaftsverhältnisse demokratischer organisieren können, sei deshalb eine zentrale Frage von Freiheit.  

    Jaeggi spricht über Aneignung, Veränderbarkeit sozialer Normen und Institutionen sowie über größere und kleinere Möglichkeiten, Freiheit zu gestalten. Es geht um die Frage, ob Freiheit bedeutet, frei von allen Zwängen zu sein, oder darum, die eigenen Lebensformen als veränderbar erfahren zu können.  

      

    Moderation: Jochen Wegner  
    Redaktion: Sophie Hübner, Jens Lubbadeh, Tobias Oellig  
    Videoproduktion: Nele Vogel 
    Visuelle Produktion: Michael Pfister  
    Kamera, Schnitt & Ton: ifbbw  
    Visual Director: Malin Schulz  
    Photo Director: Tina Ahrens  
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte  
    Animation: Axel Rudolph  
    Musik: Konrad Peschmann  
    Logo: Lea Dohle
  • Nur eine Frage

    Wird die Welt konservativer, Steffen Mau?

    15.09.2026 | 1 Std. 24 Min.
    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. 

     

    Steffen Mau ist Soziologe, Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und seit Oktober 2025 Direktor der Abteilung Ungleichheit, Transformation und Konflikt am Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft. 2021 erhielt er den Leibniz-Preis, die höchstdotierte Forschungsauszeichnung Deutschlands. Kaum jemand hat die Frage, wie sich unsere Werte und Konflikte verändern, so gründlich vermessen wie er. Einer seiner Bestseller, »Triggerpunkte« (2023), wertet repräsentative Befragungen aus 30 Jahren aus, mit dem überraschenden Ergebnis: Das Bild der Polarisierung ist falsch und die vermeintlich gespaltene Gesellschaft nur ein Mythos. Er berät die Bundesregierung, und der von ihm mitgeprägte Begriff »Veränderungserschöpfung« ist in den Sprachgebrauch der Politik und in Regierungsklausuren übergegangen. In seinem Buch »Sortiermaschinen« (2021) beschreibt er, wie sich die Welt abschottet und sich eine Veränderung manifestiert hat. Aktuell forscht er erneut an dem Thema.  

     

    Im Gespräch mit Jochen Wegner in der neuen Folge von »Nur eine Frage« beantwortet Mau die Frage »Wird die Welt konservativer?« global betrachtet und angesichts der Stärke autoritärer Regime mit einem »Ja«. Auf der Ebene von Werten und politischen Einstellungen sehe es anders aus. Inwiefern dort weiterhin ein Liberalisierungstrend auszumachen sei, auch wenn er ins Stocken geraten ist, erklärt Mau im Podcast.  

     

    Mau betont, die Gesellschaften seien liberaler, als der öffentliche Diskurs es vermuten lässt. Er spricht darüber, warum das verbreitete Bild der Polarisierung »vom Kopf auf die Füße« gestellt werden müsse, weil Polarisierung politisch erzeugt und dadurch der Eindruck einer stark gespaltenen Gesellschaft verstärkt werde.  

     

    Im Gespräch geht es um »eine politische und soziokulturelle Erschöpfung des liberalen Modells«, das schwindende Vertrauen in staatliche Institutionen, um soziale Unsicherheit, die »eingequetschte Mittelschicht« und die Reproduktion bestehender Klassenstrukturen durch das dreigliedrige Bildungssystem. Mau spricht über den Einfluss von sozialen Medien und rechten Influencern auf die politische Sozialisation von Jugendlichen und vor allem jungen Männern und zeigt, wie sich dadurch eine kulturelle Liberalisierung verlangsamt.  

     

    Mit Blick in die Zukunft erwartet Mau eine multipolare Welt, in der die Dominanz des Westens abnimmt. Er sagt: »Die Vorstellung, dass sich die Welt westernisiert oder die Demokratie globalisiert, wird sich so schnell nicht realisieren lassen.« 

     

     Die Folge wurde am 24. August 2026 aufgenommen. Das heißt, kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. 

     

    Moderation: Jochen Wegner 
    Redaktion: Sophie Hübner 
    Visuelle Produktion: Michael Pfister   
    Videoproduktion: Lucie Liu, Nele Vogel, Iona Young
    Kamera, Schnitt und Ton: ifbbw
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle 

     

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  • Nur eine Frage

    Ist die deutsche Einheit gelungen, Steffen Mau?

    04.09.2026 | 1 Std. 8 Min.
    Der Soziologe Steffen Mau erklärt, was man bei der Wiedervereinigung hätte besser machen können und warum der Osten politisch so anders tickt. 

     

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. 

    Ist die deutsche Einheit gelungen? Wenn es um diese Frage geht, gibt es wohl kaum jemanden, der sie besser beantworten kann als unser Gast in der neuen Folge von »Nur eine Frage«. 

    Steffen Mau ist Soziologe, Professor für Makrosoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin und seit Oktober 2025 Direktor der Abteilung »Ungleichheit, Transformation und Konflikt« am Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft. 2021 erhielt er den Leibniz-Preis, die höchstdotierte Forschungsauszeichnung Deutschlands. Seine Bücher über die deutsche Einheit sind Bestseller: 2019 »Lütten Klein – Leben in der ostdeutschen Transformationsgesellschaft«, 2023 »Triggerpunkte« und 2024 »Ungleich vereint. Warum der Osten anders bleibt«. Er kennt die deutsche Einheit nicht nur als Forscher, sondern aus eigener Erfahrung. Geboren wurde er 1968 in Rostock, hat 21 Jahre in der DDR gelebt, war Facharbeiter für Schiffselektronik und Funker bei der Nationalen Volksarmee. Den Tag des Mauerfalls erlebte er beim Wachdienst in seiner Kaserne. 

    Für Steffen Mau ist die Antwort auf diese Frage nicht einfach zu finden. Die Einheit sei politisch-rechtlich gestaltet worden, in Ostdeutschland habe sich eine Demokratie entwickelt, »natürlich mit Rissen, Brüchen und politischen Unwuchten«. Trotzdem gebe es Dinge, die nicht gelungen seien. Er kommt daher zu der Antwort: Jein. Oder einem vorsichtigen Ja – mit großen Schmerzen. 

    Wenn man geglaubt habe, die Einheit sei dann vollendet, wenn es keine grundlegenden Unterschiede mehr gäbe – »weder sozialstrukturell noch im Hinblick auf die wirtschaftliche Entwicklung, noch bei Mentalitäts- und Kulturfragen« –, dann sei das eine falsche Erwartung gewesen, so Mau. »Die Unterschiede zwischen Ost und West sind ossifiziert«, sagt er und erklärt, was er damit genau meint.   

    Mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt am 6. September spricht Mau über die politische Kultur und das Parteiensystem in Ostdeutschland sowie die Ursachen des Erfolgs der AfD und des Rechtsextremismus. Es geht um gesellschaftlichen Unmut, Transformationserfahrungen, wirtschaftliche Unsicherheit und das autoritäre Erbe der DDR. Zugleich betont Mau, dass der Rechtsruck kein ausschließlich ostdeutsches Phänomen ist. Er spricht über die Gründe für die Unterrepräsentation von Ostdeutschen in Spitzenpositionen – was man dagegen hätte tun können und jetzt tun sollte –, über die ökonomische Bilanz der deutschen Einheit, warum er Begriffen wie »Jammer-Ossis« skeptisch gegenübersteht und welche Entwicklungen er für die Zukunft erwartet. 

     

    Moderation: Jochen Wegner 
    Redaktion: Sophie Hübner 
    Visuelle Produktion: Michael Pfister   
    Videoproduktion: Lucie Liu, Nele Vogel, Iona Young
    Kamera, Schnitt und Ton: ifbbw
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle 

     

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  • Nur eine Frage

    Is the Age of Enlightenment Over, Francis Fukuyama?

    26.08.2026 | 47 Min.
    Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama erklärt, warum die liberale Demokratie unter Druck steht – und warum er trotzdem nicht die Hoffnung aufgibt. 

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. 

    Francis Fukuyama ist einer der bedeutendsten politischen Theoretiker unserer Zeit. Im Sommer 1989, wenige Monate vor dem Fall der Berliner Mauer, veröffentlichte er den Essay The End of History? und wurde schlagartig berühmt. Darin argumentierte er, dass der Niedergang des Kommunismus das Ende des großen ideologischen Kampfes der Menschheit markiere und sich die westliche liberale Demokratie als endgültige Regierungsform durchsetzen werde. Das darauffolgende Buch wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Seitdem hat Fukuyama zahlreiche Bücher und Analysen geschrieben, über Geschichte und die Ursprünge politischer Ordnung, Vertrauen und Identität, Biotechnologie und die Krise des Liberalismus. Er hat amerikanische Regierungen beraten, den Johan-Skytte-Preis erhalten und lehrt an der Stanford University. Sein neues Buch Der letzte Mensch erschien im Juni 2026 in Deutschland. 

    Doch wie steht es um die liberale Demokratie – als ein Kind der Aufklärung – heute? Wie viel ist von den Ideen und Idealen der Aufklärung noch übrig? In der neuen Folge von Nur eine Frage wollen wir von Francis Fukuyama wissen: Ist das Zeitalter der Aufklärung vorbei? 

    Fukuyamas Antwort lautet: »Nein. Das Zeitalter der Aufklärung ist keineswegs vorbei. Es steht unter Druck, aber es ist definitiv nicht vorbei.« 

    Im Podcast beschreibt er zunächst die historischen Hintergründe des Zeitalters der Aufklärung, wie die wissenschaftliche Methode religiöses Dogma ablöste und die liberale Demokratie als eines der Ergebnisse der Aufklärung hervorging.  

    Seit 2008 sei ein weltweiter Rücklauf der Demokratie zu beobachten, erklärt Fukuyama. Besonders beunruhigend finde er den Aufstieg illiberaler Parteien innerhalb etablierter Demokratien. Vor allem die Entwicklung in den USA seit 2016 unter Donald Trump sei dabei die bedeutendste Veränderung.  

    Eine Erklärung für diese gegenwärtigen Entwicklungen liefere für Fukuyama Friedrich Nietzsches Konzept des »letzten Menschen« – eine Figur, die in Wohlstand und Sicherheit lebt, aber kein höheres Streben mehr kennt. Er erklärt, warum er sich diesem Konzept bereits in seinem ersten Buch Das Ende der Geschichte (1992) widmete und es in seinem neuen Buch Der letzte Mensch (2026) wieder aufgreift.  

    Im Gespräch legt Fukuyama außerdem dar, wie die Coronapandemie seiner Ansicht nach das Vertrauen in Gesundheitsbehörden und Wissenschaft erschüttert hat und warum er glaubt, dass China mit seinem politischen Modell keine überlegene Alternative zur liberalen Demokratie entwickelt habe. Er beschreibt seine Sorge in Bezug auf agentische KI und die Versuchung, Maschinen immer mehr Entscheidungsbefugnis zu übertragen und beantwortet die Frage, ob Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft ein Vorbild für andere Länder sein könnte.  

    Trotz allem bleibt Fukuyama optimistisch. Das Zeitalter der Aufklärung sei nicht vorbei, und wir müssten hart daran arbeiten, dass dieses Licht nicht erlischt, so Fukuyama. Er plädiert dafür, die Hoffnung nicht aufzugeben und die harte Arbeit demokratischer Politik zu leisten, denn nur durch demokratisches Engagement ließen sich illiberale Trends umkehren. 

     

    Redaktion: Sophie Hübner 


    Visuelle Produktion: Michael Pfister   

    Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young

    Kamera, Schnitt und Ton: ifbbw

    Visual Director: Malin Schulz

    Photo Director: Tina Ahrens

    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte

    Animation: Axel Rudolph

    Musik: Konrad Peschmann

    Logo: Lea Dohle 

     

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  • Nur eine Frage

    KI-Übersetzung: Ist das Zeitalter der Aufklärung vorbei, Francis Fukuyama?

    26.08.2026 | 46 Min.
    Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama erklärt, warum die liberale Demokratie unter Druck steht – und warum er trotzdem nicht die Hoffnung aufgibt. 

    Im ZEIT-Podcast »Nur eine Frage« stellt ZEIT-Chefredakteur Jochen Wegner einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, auf die eine klare Antwort jedoch oft schwer zu finden ist. Wir befragen die bestmögliche Expertin, den bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden können. Dies ist die KI-Übersetzung des englischen Originalgesprächs.

    Francis Fukuyama ist einer der bedeutendsten politischen Theoretiker unserer Zeit. Im Sommer 1989, wenige Monate vor dem Fall der Berliner Mauer, veröffentlichte er den Essay The End of History? und wurde schlagartig berühmt. Darin argumentierte er, dass der Niedergang des Kommunismus das Ende des großen ideologischen Kampfes der Menschheit markiere und sich die westliche liberale Demokratie als endgültige Regierungsform durchsetzen werde. Das darauffolgende Buch wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Seitdem hat Fukuyama zahlreiche Bücher und Analysen geschrieben, über Geschichte und die Ursprünge politischer Ordnung, Vertrauen und Identität, Biotechnologie und die Krise des Liberalismus. Er hat amerikanische Regierungen beraten, den Johan-Skytte-Preis erhalten und lehrt an der Stanford University. Sein neues Buch Der letzte Mensch erschien im Juni 2026 in Deutschland.

    Doch wie steht es um die liberale Demokratie – als ein Kind der Aufklärung – heute? Wie viel ist von den Ideen und Idealen der Aufklärung noch übrig? In der neuen Folge von Nur eine Frage wollen wir von Francis Fukuyama wissen: Ist das Zeitalter der Aufklärung vorbei?

    Fukuyamas Antwort lautet: »Nein. Das Zeitalter der Aufklärung ist keineswegs vorbei. Es steht unter Druck, aber es ist definitiv nicht vorbei.«

    Im Podcast beschreibt er zunächst die historischen Hintergründe des Zeitalters der Aufklärung, wie die wissenschaftliche Methode religiöses Dogma ablöste und die liberale Demokratie als eines der Ergebnisse der Aufklärung hervorging.

    Seit 2008 sei ein weltweiter Rücklauf der Demokratie zu beobachten, erklärt Fukuyama. Besonders beunruhigend finde er den Aufstieg illiberaler Parteien innerhalb etablierter Demokratien. Vor allem die Entwicklung in den USA seit 2016 unter Donald Trump sei dabei die bedeutendste Veränderung.

    Eine Erklärung für diese gegenwärtigen Entwicklungen liefere für Fukuyama Friedrich Nietzsches Konzept des »letzten Menschen« – eine Figur, die in Wohlstand und Sicherheit lebt, aber kein höheres Streben mehr kennt. Er erklärt, warum er sich diesem Konzept bereits in seinem ersten Buch Das Ende der Geschichte (1992) widmete und es in seinem neuen Buch Der letzte Mensch (2026) wieder aufgreift.

    Im Gespräch legt Fukuyama außerdem dar, wie die Coronapandemie seiner Ansicht nach das Vertrauen in Gesundheitsbehörden und Wissenschaft erschüttert hat und warum er glaubt, dass China mit seinem politischen Modell keine überlegene Alternative zur liberalen Demokratie entwickelt habe. Er beschreibt seine Sorge in Bezug auf agentische KI und die Versuchung, Maschinen immer mehr Entscheidungsbefugnis zu übertragen und beantwortet die Frage, ob Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft ein Vorbild für andere Länder sein könnte.

    Trotz allem bleibt Fukuyama optimistisch. Das Zeitalter der Aufklärung sei nicht vorbei, und wir müssten hart daran arbeiten, dass dieses Licht nicht erlischt, so Fukuyama. Er plädiert dafür, die Hoffnung nicht aufzugeben und die harte Arbeit demokratischer Politik zu leisten, denn nur durch demokratisches Engagement ließen sich illiberale Trends umkehren.

    Moderation: Jochen Wegner 
    Redaktion: Sophie Hübner 
    
Visuelle Produktion: Michael Pfister   
    Produktion: ifbbw, Pool Artists 
    Videoproduktion: Nele Vogel, Iona Young
    Visual Director: Malin Schulz
    Photo Director: Tina Ahrens
    Design: Adele Ogiermann, Jan Lichte
    Animation: Axel Rudolph
    Musik: Konrad Peschmann
    Logo: Lea Dohle

    Alle Folgen des Podcasts finden Sie hier. Abonnieren Sie auch unseren »N1F«-Newsletter. Fragen, Kritik, Anregungen? Schreiben Sie eine Mail an n1f@zeit.de.
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Über Nur eine Frage
„Können Maschinen denken?“, „Ist Demokratie die beste Staatsform?“, „Ist Armut erblich?“. Oder: „Existiere ich wirklich?“ Das sind einfache, aber grundlegende Fragen, die viele von uns umtreiben, und auf die eine klare Antwort oft schwer zu finden ist. In dem Podcast „Nur eine Frage“ stellen wir diese vermeintlich simplen „Kinderfragen“ – der bestmöglichen Expertin, dem bestmöglichen Experten, den wir für das jeweilige Thema finden konnten. Wir haken so lange nach, bis wir eine definitive Antwort bekommen, am besten in Form eines klaren „Ja“ oder „Nein“.
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Generated: 10/8/2026 - 6:46:54 AM