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Angelesen! Audio-Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

ZMSBw - Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
Angelesen! Audio-Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr
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110 Episoden

  • Angelesen! Audio-Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

    Amerikas langer Arm. Kontroversen um die Nutzung von Grönland im Zweiten Weltkrieg.

    12.2.2026
    Das aus mitteleuropäischer Perspektive abgelegen erscheinende Grönland ist in den Mittelpunkt globaler Aufmerksamkeit gerückt, weil die USA deutlicher als zuvor ihr Interesse an der größten Insel der Welt zum Ausdruck gebracht haben. In dieser Folge von ANGELESEN, dem Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, möchten wir mit dem Werk Buch Amerikas langer Arm. Kontroversen um die Nutzung von Grönland im Zweiten Weltkrieg den historischen Wurzeln der amerikanischen Grönlandpolitik nachspüren.

    Der emeritierte Neuzeithistoriker Lothar Burchardt geht in diesem Werk der Entwicklung der Beziehungen der USA zu Grönland in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit des Zweiten Weltkriegs, in der entscheidende Weichenstellungen stattfanden. Bereits 1920 war die US-Regierung den Ambitionen Großbritanniens, Grönland von Dänemark zu kaufen, entschieden entgegengetreten und hatte für den Fall, dass Dänemark verkaufen wolle, ein amerikanisches Vorkaufsrecht beansprucht. In den folgenden Jahrzehnten unternahm Washington aber nichts, um Kopenhagen zum Verkauf zu bewegen.

    Deutsche Besetzung Dänemarks als Übergang zu aktiver Grönlandpolitik

    Die deutsche Besetzung Dänemarks 1940 markierte den Übergang zu einer aktiveren amerikanischen Grönlandpolitik. Die USA unterbanden Bestrebungen Kanadas und Großbritanniens, die Insel zu besetzen und schlossen mit dem dänischen Botschafter in Washington 1941 ein Abkommen, das die Stationierung von US-Truppen auf Grönland erlaubte. Die Verschlechterung der Beziehungen zur Sowjetunion ließ es nach Ende des Zweiten Weltkriegs geraten scheinen, die militärische Präsenz auf Grönland aufrechtzuerhalten.

    „Geopolitischer Greifreflex“

    Der Autor kommt zu dem Fazit, dass die Grönlandpolitik der USA nicht einer ausgearbeiteten Langfriststrategie folgte. Vielmehr nutzte die USA ab 1940 situativ die sich durch die deutsche Besetzung Dänemarks bietende Chance zur Ausdehnung ihres Einflusses auf Grönland.

    Artikeltext und Sprechtext: Christoph Kuhl

    Sprecher: Christoph Jan Longen
  • Angelesen! Audio-Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

    Adenauer und die Wiederbewaffnung

    06.1.2026 | 10 Min.
    In dieser Folge von Angelesen, dem Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, stellen wir aus Anlass zum 150. Geburtstag Konrad Adenauer, am 5. Januar 2026, das Buch von Wolfgang Krieger „Adenauer und die Wiederbewaffnung“ vor. Es erschien im Jahr 2000 im Bouvier Verlag.

    Niemand prägte die junge Bundesrepublik stärker als ihr erster Regierungschef Konrad Adenauer

    Konrad Adenauer, erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland übernahm dieses Amt im September 1949 und hatte es bis Oktober 1963 inne. Die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik gehörte zu den bedeutenden politischen Leistungen Adenauers, der persönlich keine Erfahrung als Soldat machte. 1876 in Köln geboren, war er zunächst aus gesundheitlichen Gründen von der Wehrpflicht befreit und im Ersten Weltkrieg als Erster Beigeordneter der Stadt Köln vom Wehrdienst freigestellt worden. Offiziere waren in Adenauers Augen Fachleute für technische Fragen des Militärischen. Er vertraute ihrem fachmännischen Urteil auf diesem Gebiet, legte aber größten Wert auf die Unterordnung der militärischen unter die politische Führung. Im Dezember 1949 bot er den Westalliierten einen Beitrag der Bundesrepublik zur Verteidigung Westeuropas an. Dabei leitete ihn einerseits der Wunsch, der jungen Bundesrepublik mehr Gewicht auf der internationalen Bühne zu verleihen, da er Außenpolitik als Machtpolitik verstand, die auf die Dimension des Militärischen nicht verzichten konnte. Andererseits wusste er, dass nur durch einen umfangreichen deutschen Verteidigungsbeitrag ein Ende des alliierten Besatzungsrechts im neuen westdeutschen Staat sowie maßgebliches Mitspracherecht in westlichen Bündnisstrukturen zu erreichen war. Wie diese Strukturen aussehen würden, entschied sich erst Mitte der 1950er Jahre. Frankreich hatte 1950 eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft vorgeschlagen.

    Die gescheiterte Bündnisstruktur und die Alternative

    Eine solche Bündnisstruktur hätte neben der Abschreckungswirkung Richtung Sowjetunion auch Wirkung als Motor der europäischen Einigung entfalten können. 1954 scheiterte sie zum Bedauern Adenauers an fehlender Zustimmung der französischen Nationalversammlung. Als Alternative blieb die Mitgliedschaft in der NATO, die die USA der Bundesrepublik anboten. Auch in diesem Rahmen erreichte Adenauer die Ziele, die er mit der Wiederbewaffnung anstrebte: Die Beziehungen der Bundesrepublik zu den Westalliierten wurden nicht mehr besatzungsrechtlich, sondern vertraglich geregelt. Zudem erlangte die Bundesrepublik erheblichen Einfluss auf die Gestaltung von Politik und militärischer Strategie der NATO.



    Artikeltext und Sprechtext: Christoph Kuhl

    Sprecher: Christoph Jan Longen
  • Angelesen! Audio-Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr

    Sonderzug nach Moskau. Geschichte der deutschen Russlandpolitik seit 1990

    18.12.2025
    „Sonderzug nach Moskau“ – so der Titel des Werkes von Bastian Matteo Scianna, dass in dieser Folge von Angelesen, dem Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr vorgestellt wird. Dieses Buch beschreibt und analysiert die deutsche Russlandpolitik seit den 1990er Jahren. Es erschien 2024 im Verlag C. H. Beck.

    Der Historiker Bastian Matteo Scianna untersucht detailliert die Russlandpolitik der von Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel geführten Bundesregierungen in der Zeit zwischen 1990 und 2021. Er arbeitet heraus, dass die deutsche Russlandpolitik von der Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen gekennzeichnet war, wobei die Energiewirtschaft einen besonders prominenten Platz einnahm. Man ging – wie eine Reihe weiterer westlicher Länder – von der Überlegung aus, durch möglichst enge wirtschaftliche Verflechtung mit Russland Einfluss auf die russische Politik zu gewinnen. Es zeigte sich dann ab Mitte der 2000er-Jahre immer deutlicher, dass dieses Kalkül nicht aufging, weil Russlands Präsident Wladimir Putin nicht nur Russland zur Autokratie umbaute, sondern auch nach außen zunehmend aggressiv eine imperialistische Politik verfolgte. Dennoch hielt die Regierung Angela Merkel am Ausbau der Verflechtung fest, die zu einer weitgehenden Abhängigkeit der Bundesrepublik von Erdgaslieferungen aus Russland führte. Die rechtswidrige russische Annexion der Krim 2014 konnte auch keine Kursänderung einleiten. Erst die russische Vollinvasion in die Ukraine im Februar 2022 bewirkte in Berlin ein Umdenken.
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    Die Bundeswehr. Von der Wiederbewaffnung bis zur Zeitenwende

    27.11.2025 | 14 Min.
    In dieser Folge von ANGELESEN, dem Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, stellen wir das Buch von Sönke Neitzel "Die Bundeswehr. Von der Wiederbewaffnung bis zur Zeitenwende" vor. Es erschien 2025 im Verlag C. H. Beck.

    Für die Bewertung aktueller Entwicklungen der deutschen Sicherheitspolitik bietet das Buch eine komprimierte Rückschau aus der Feder eines kritischen Wegbegleiters der Geschichte der Bundeswehr.

    Die Aufstellung der Bundeswehr begann 1955 kurz nach dem Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO. Nach schwierigen Anfangsjahren, die von einem Mangel an Ausbildern und Infrastruktur geprägt waren, wuchs die Bundeswehr bis Anfang der 1970er Jahre zu einer Friedensstärke von rund 500 000 Mann auf. Sie leistete in Zentraleuropa den entscheidenden Beitrag zum Abschreckungskonzept der NATO. Im internen Bewertungssystem der NATO erhielt sie gute Noten, von der DDR wurde sie als ernstzunehmender Gegner eingestuft. Das Ende der Blockkonfrontation 1990/91 brachte für die Bundeswehr eine deutliche Verkleinerung und den Umbau zum Instrument des internationalen Krisen- und Konfliktmanagements mit sich. Auslandseinsätze standen in den folgenden Jahrzehnten im Vordergrund. Die aggressive Politik Russlands gegenüber der Ukraine seit 2014 bewirkte eine Rückbesinnung auf Landes- und Bündnisverteidigung, die seit der Vollinvasion Russlands in der Ukraine 2022 wieder im Mittelpunkt aller Planungen steht.
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    Die Gründung der Nordatlantischen Allianz

    30.10.2025 | 14 Min.
    Eine Gemeinschaft, die sich von Beginn an westlichen Werten verpflichtet sah. In dieser Folge von Angelesen, dem Buchjournal des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr, stellen wir das Buch "Die Gründung der Nordatlantischen Allianz" von Gero von Gersdorff vor. Es erschien 2009 im Oldenbourg Verlag.

    Zum 60. Geburtstag der NATO im Jahr 2009 legte der Militärhistoriker Gero von Gersdorff diese minutiös ausgearbeitete Darstellung der Gründungsgeschichte des Nordatlantikpakts vor, die auch 16 Jahre später unübertroffen ist. Die britische Idee zu einer solchen Vertragsorganisation stieß 1947 in USA und Frankreich noch auf eher distanzierte Reaktionen. Erst von Kommunisten organisierte gewalttätige Streiks in Frankreich und Italien im Winter 1947/48 und insb. der Staatsstreich, mit dem 1948 die Kommunistische Partei die alleinige Macht in der Tschechoslowakei an sich riss, beeinflussten die öffentliche Meinung in Frankreich und die politischen Entscheider in Washington entscheidend zugunsten einer transatlantischen Verteidigungsgemeinschaft. Die Verhandlungen zwischen USA, Kanada, Großbritannien und Frankreich begannen im Juli 1948 und mündeten im April 1949 in die Gründung der NATO. Sie war von Anfang an auch als Gemeinschaft konzipiert, die sich westlichen Werten verpflichtet sah.

    Fazit
    Ein bekanntes Zitat besagt, ihre Gründung habe drei Zielen gedient: die Sowjets abzuschrecken, die USA als militärischen Partner in Europa zu halten und erneute von Deutschland ausgehende Aggression zu verhindern. Die dritte Zielsetzung ist längst obsolet, hat sich doch Deutschland in den vergangenen 70 Jahren als verlässlicher Partner in der NATO erwiesen. Abschreckung potentieller Aggressoren und Stärkung der transatlantischen Bindung bleiben hingegen Ziele, zu deren Erreichen die NATO noch lange ein wichtiges Instrument bleiben wird.

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