Das humane Papillomvirus: Ein omnipräsenter Überlebenskünstler
Das humane Papillomvirus (HPV) ist ein hüllenloses Doppelstrang-DNA-Virus, das im Tierreich weit verbreitet ist, wobei die humanen Typen ausschließlich von Mensch zu Mensch übertragen werden. Es gilt als omnipräsent, da nahezu jeder Mensch Träger dieser Viren ist, die sich in den Haarfollikeln oder im Genitalbereich ansiedeln. Trotz seiner einfachen Struktur ist das Virus extrem resistent gegenüber Umwelteinflüssen und kann sogar in Schwimmbecken oder auf öffentlichen Toiletten überdauern.
Pathogenese und Onkogenität
Die einzige Zielzelle des Virus ist der Keratinozyt. Über kleinste Mikrorisse in der Haut oder Schleimhaut gelangt das Virus in die Basalmembran, wo es sich teilende Zellen für seine eigene Replikation nutzt. Von den über 200 bekannten Typen werden klinisch insbesondere die kutane von der Schleimhaut-assoziierten Gruppe sowie benigne von onkogenen Typen unterschieden.
Besondere medizinische Relevanz haben die Hochrisiko-Typen wie HPV 16, das in über 50 % der Zervixkarzinome nachgewiesen wird. Die virale Onkogenität beruht auf den Proteinen E6 und E7, die in das Wirtsgenom integrieren und die Zellzykluskontrolle (unter anderem über P53) stören. Neben dem Gebärmutterhalskrebs ist HPV ursächlich für eine Vielzahl anderer Tumoren, darunter Anal-, Vulva-, Penis- und Kopf-Hals-Karzinome.
Diagnostik und Therapie
Während die klinische Diagnose von Warzen oder Kondylomen meist eindeutig ist, bietet die PCR-Typisierung eine hochsensible Methode zum Nachweis onkogener Typen, sollte jedoch gezielt eingesetzt werden, um unnötige Verunsicherung bei Patienten ohne klinischen Befund zu vermeiden.
In der Therapie gibt es neben destruktiven Verfahren (Kryotherapie, Laser) einen innovativen Ansatz mittels Grüntee-Extrakt (Polyphenone/Katechine). Dieser Wirkstoff ist hocheffizient, da er mehrere Schritte der viralen Infektion und Replikation unterbindet sowie den programmierten Zelltod (Apoptose) infizierter Zellen fördert, wobei er nahezu keine Nebenwirkungen zeigt. Bei gewöhnlichen Hautwarzen, insbesondere bei Kindern, ist aufgrund der hohen Spontanheilungsrate oft eine zurückhaltende Strategie („First do no harm“) ratsam.
Prävention
Die Impfung gegen den Krebs Die prophylaktische 9-fach-Impfung gilt als entscheidender Durchbruch, da sie effektiv vor den wichtigsten onkogenen Typen sowie vor Kondylomen schützt. Länder wie Australien demonstrieren, dass eine flächendeckende Impfung von Mädchen und Jungen die Rate an Zervixkarzinomen und Genitalwarzen massiv senken kann. Professor Stockfleth betont abschließend die Bedeutung der klinischen Sorgfalt: Da viele Patienten sich „schmutzig“ fühlen, ist eine offene Kommunikation und gründliche körperliche Untersuchung („Durch die Hose stellt man keine Diagnose“) unerlässlich, um die Erkrankung zu entmystifizieren.