29 Episoden
- Merkelzellkarzinom Teil 1: Pathogenese, Klinik & Staging
Selten, aggressiv und therapeutisch im Umbruch: Im ersten Teil unserer zweiteiligen Serie zum Merkelzellkarzinom (MCC) spreche ich mit Prof. Peter Köblinger, Leiter der Dermatoonkologie am Universitätsklinikum Salzburg. Themen sind die Pathophysiologie, die klinische Erkennung, die Histopathologie und ein konsequentes Staging.
Take-home Messages
Inzidenz ca. 0,4-0,5/100.000/Jahr, in Österreich etwa 80-100 Fälle pro Jahr. Das ist rund 50-mal seltener als das Melanom, aber mit deutlich höherer Sentinel-Positivitätsrate.
Zwei Entstehungswege: In Europa und Nordamerika sind ca. 80% Merkelzell-Polyomavirus-positiv (MCPyV). Der Rest trägt eine UV-Signatur mit hoher TMB. Beide sprechen auf Checkpoint-Inhibition an.
Risikofaktoren sind hohes Alter (Median ca. 80 Jahre), männliches Geschlecht, heller Hauttyp und chronische UV-Exposition. Dazu kommt Immunsuppression: Nach Organtransplantation ist das Risiko 15-25fach erhöht, bei CLL 5-15fach.
AEIOU-Regel: Asymptomatic, Expanding rapidly, Immunosuppression, Older than 50, UV-exposed fair skin. In großen Serien erfüllen über 90% der Patienten mindestens drei Kriterien.
Klinisch zeigt sich ein hautfarbener bis rötlich-violetter, glänzender, derber, meist symmetrischer Knoten. Es gibt kein pathognomonisches dermatoskopisches Muster. Eine unklare, nicht pigmentierte, rasch wachsende Läsion beim älteren Patienten sollte immer biopsiert werden.
Histologisch ist das MCC ein blauer Kleinzeller. In der Immunhistochemie ist typischerweise CK20 positiv (perinukleäres „Salt-and-Pepper“-Muster) und TTF-1 negativ.
TNM-Staging: Das T-Stadium richtet sich nach dem horizontalen Durchmesser (T1 ≤ 2 cm, T2 2-5 cm, T3 > 5 cm). T4 bedeutet Infiltration von Faszie, Muskel, Knorpel oder Knochen.
Die Sentinel-Lymphknotenbiopsie wird bei operablen Patienten unabhängig vom T-Stadium empfohlen. Sie ist prognostisch relevant.
Spätestens ab Stadium III gehört eine Schnittbildgebung dazu, bevorzugt PET-CT oder CT. Hirnmetastasen sind eine Rarität. Die meisten Rezidive treten in den ersten zwei Jahren auf.
Patienten mit MCC gehören an einem dermatoonkologischen Zentrum angebunden.
Links & Ressourcen
Merkel Cell Carcinoma Informationen & Überlebensdaten nach Stadium: https://merkelcell.org
Leitlinien: S2k-Leitlinie Merkelzellkarzinom (AWMF), EADO, ESMO, NCCN
In Teil 2: Therapie des Merkelzellkarzinoms, von der Chirurgie über die Radiotherapie bis zum Paradigmenwechsel durch die Immuntherapie.
Diese Folge richtet sich an medizinisches Fachpersonal und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. - Auflicht Podcast – Spezial
Mastzellerkrankungen, Teil 2: Therapie der Mastozytose
Nach Biologie, Klassifikation und Dermatoskopie in Teil 1 geht es in dieser Folge um das, was Patienten am meisten beschäftigt: die Behandlung. Christian Posch spricht mit Sabine Altrichter über die symptomorientierte Basistherapie, ihre Grenzen und die praktischen Fallstricke im österreichischen Versorgungsalltag.
Themen der Folge
Kurzrepetitorium: Mastzellvermehrung kutan vs. systemisch. In 90-95 % der Fälle auch extrakutan (Knochenmark, Gastrointestinaltrakt)
Das breite Beschwerdespektrum: von wenigen braunen Maculae ohne Alltagsrelevanz bis zu täglichem Pruritus, Flush, Diarrhoen, Abgeschlagenheit und Knochenschmerzen
Antihistaminika als Basistherapie: bedarfsorientiert vs. Dauertherapie, und warum darüber hinaus die Datenlage dünn wird
Moderne vs. ältere Substanzen: fehlende Gehirngängigkeit als Argument für die neueren Generationen, Einzelfälle mit abendlicher Gabe eines Antihistaminikums der ersten Generation, Cave Overhang
Mastzellstabilisatoren: in Österreich nicht gelistete Optionen, Auslandsimport und Kostenübernahme durch die Kasse bei begründeter Indikation; orales Cromoglicate mit lokaler Wirkung im Darm für Patienten mit gastrointestinaler Symptomatik
Leukotrien-Antagonisten: Zusatz-, keine Monotherapie, Off-Label-Einsatz, Aufklärungspflicht zu Albträumen und Suizidgedanken
ALLE WEITEREN THERAPIEN werden in der Auflicht Spezial Serie besprochen!
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Weitere Folgen in der Reihe Auflicht Spezial
Therapie der atopischen Dermatitis und der Hidradenitis suppurativa.
Diese Folge ist mit der freundlichen Unterstützung der Firma Blueprint entstanden. - Mastzellerkrankungen Teil 1: Zellbiologie und Diagnostik
Im ersten Teil dieser zweiteiligen Serie sprechen Prof. Sabine Altrichter und ich über die Grundlagen der Mastzellbiologie sowie über kutane und systemische Mastozytose, Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) und die diagnostische Aufarbeitung in der dermatologischen Praxis.
Die Mastzelle: Biologie und Physiologie
Die Mastzelle gehört zum angeborenen Immunsystem. Ihre Vorläuferzellen entstammen hämatopoetischen Stammzellen im Knochenmark, zirkulieren in geringer Zahl im Blut und reifen erst organspezifisch im Zielgewebe zur vollständigen Mastzelle heran.
Ausgereifte Mastzellen sind gewebeständig (tissue resident) und wandern nicht mehr aus. Sie finden sich bevorzugt an Grenzflächen zur Umwelt: Haut, Lunge, Gastrointestinaltrakt.
Zentraler Oberflächenrezeptor ist CD117 (c-Kit), der Rezeptor für den Stammzellfaktor (Stem Cell Factor, SCF). Die Bindung von SCF an CD117 vermittelt Überleben, Proliferation und Migration der Mastzelle.
Bei Aktivierung (u. a. über IgE-vermittelte Kreuzvernetzung von Oberflächenrezeptoren) kommt es zur Degranulation: Innerhalb von Sekunden bis Minuten werden präformierte Mediatoren aus zytoplasmatischen Granula freigesetzt, u. a.:
- Histamin
- Tryptase
- Weitere Proteasen: Chymase, Carboxypeptidasen, Heparin, Metalloproteinasen, Zytokine
- Leukotriene
Physiologische Funktionen: Parasitenabwehr, Wundheilung/Geweberegeneration, Rekrutierung weiterer Immunzellen, Rolle bei onkologischen Prozessen (sowohl protektiv als auch tumorfördernd).
Histaminintoleranz (Einordnung)
Der Körper baut Histamin über Enzyme in Darm, Blut und Leber ab. Eine "Histaminintoleranz" ist nach aktuellem Verständnis nicht genetisch bedingt, sondern beruht vermutlich auf einer situativ erhöhten Empfindlichkeit.
Ab einer ausreichend hohen Histaminmenge entwickelt grundsätzlich jeder Mensch Symptome (Paradebeispiel: Fischvergiftung).
Kutane Mastozytose
Seit der WHO-Klassifikation 2022 wird die Mastozytose als eigenständige Kategorie geführt, unterteilt in kutane und systemische Mastozytose.
Darunter: Mastozytom, Urticaria pigmentosa (makulopapulöse kutane Mastozytose), Diffuse kutane Mastozytose, Teleangiectasia macularis eruptiva perstans (TMEP)
Systemische Mastozytose
Systemisch bedeutet Mastzellvermehrung außerhalb der Haut in mindestens einem weiteren Organ (häufig Knochenmark, auch Gastrointestinaltrakt).
Die meisten Patienten mit systemischer Mastozytose weisen zugleich eine kutane Beteiligung auf.
KIT-D816V-Mutation
Somatische (nicht keimbahnvererbte) Punktmutation im CD117/c-Kit-Rezeptor, die zu ligandenunabhängiger, konstitutiver Rezeptoraktivierung führt ("always on").
Bei ca. 95 % der erwachsenen Patienten mit systemischer Mastozytose nachweisbar; bei Kindern seltener und häufig transient.
Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS)
Kein einheitliches Krankheitsbild, sondern ein Konsensbegriff mit drei Subtypen:
1. Primäres MCAS: zugrundeliegende klonale Mastzellerkrankung (Mastozytose, Mastzell-Leukämie).
2. Sekundäres MCAS: klassische IgE-vermittelte Allergie (z. B. Pollen, Hausstaubmilbe, Tierhaare) als Auslöser der Mastzellaktivierung.
3. Idiopathisches MCAS: früher als "idiopathische Anaphylaxie" bezeichnet. Definierte Kriterien:
Der Begriff "MCAS" wird im öffentlichen und pseudowissenschaftlichen Diskurs zunehmend unscharf für unspezifische, histaminassoziierte Beschwerden verwendet.
Klinisch relevante Aspekte
Fehldiagnosen: kutane Mastozytose wird häufig fälschlich als vermehrte Sommersprossenbildung oder chronischer Lichtschaden fehlgedeutet.
Anaphylaxierisiko: ca. 50 % der Mastozytose-Patienten erleiden im Lebensverlauf eine anaphylaktische Reaktion.
Osteoporoserisiko: erhöhtes Risiko für verminderte Knochendichte und spontane Frakturen.
Akutdiagnostik bei Anaphylaxieverdacht: Serum-Tryptase-Bestimmung während/kurz nach dem Ereignis.
Diese Folge wurde mit der freundlichen Unterstützung der Firma Blueprint umgesetzt. - Prof. Dr. Josef Auböck (Emeritus und ehemaliger Vorstand der Dermatologie am AKH Linz) erörtert die wissenschaftlichen Fundamente der Lokaltherapie. Wir beleuchten die Evolution von traditionellen Ansätzen hin zu modernen, evidenzbasierten Präzisionstherapien.
Wissenschaftliche Kernpunkte und klinische Praxis: Das Vehikel als pharmakologische Wirkkomponente: Ein zentrales Verständnis der modernen Dermatologie ist, dass das Vehikel (und die Galenik) weit mehr als ein bloßes Transportmittel darstellt. Durch okklusive Effekte beeinflusst es die Hydratation der Epidermis, verändert die Hautbarriere und bestimmt maßgeblich die Penetrationstiefe sowie die Freisetzungskinetik der Inhaltsstoffe.
Differenzierte Galenik nach dem pathophysiologischen Status: Salben (W/O-Emulsionen): Mit ca. 70% Fettanteil sind sie ideal für chronische, infiltrierte und trocken-schuppende Dermatosen. Cremen (O/W-Emulsionen): Mit ca. 70% Wasseranteil bieten sie durch Verdunstungskälte einen kühlenden, antientzündlichen Effekt und eignen sich für akute Zustände.
Klinischer Leitsatz: „Feucht auf feucht, fett auf trocken“. Optimierung der Glukokortikoid-Therapie: Im Fokus steht der therapeutische Index, also das Verhältnis zwischen erwünschter antientzündlicher Wirkung und unerwünschter Atrophiegefahr. Substanzen wie Mometasonfuroat und Methylprednisolonaceponat werden aufgrund ihres günstigen Profils besonders hervorgehoben.
Sicherheitsaspekte: Bei großflächiger Anwendung (bereits ab ca. 4% der Körperoberfläche möglich) muss die systemische Resorption und eine potenzielle Suppression der Hypophysen-Achse, insbesondere bei Kindern, kritisch beachtet werden.
Proaktive Therapie vs. Tapering: Die traditionelle schrittweise Reduktion (Ausschleichen/Tapering) von Steroiden ist wissenschaftlich schlechter belegt als die proaktive Intervalltherapie. Hierbei führt eine zweimal wöchentliche Erhaltungstherapie zu einer stabileren Remission und einer geringeren kumulativen Wirkstoffdosis.
Neue Wirkstoffklassen am Horizont: Topische JAK-Inhibitoren bieten hocheffektive, steroidfreie Optionen für Erkrankungen wie atopische Dermatitis, Vitiligo oder das chronische Handekzem. Arylhydrocarbon-Rezeptor-Agonisten: Ein neuartiger Ansatz, der die Barrierefunktion repariert und modulierend auf das Mikrobiom wirkt; eine moderne Weiterentwicklung des Prinzips von Wirkstoffen wie Teerprodukte. Phosphodiesterase-4-Inhibitoren: Weitere steroidfreie Alternativen in der klinischen Pipeline.
Kritik an magistralen Rezepturen: Die „blinde“ Verdünnung von Fertigpräparaten mit Basissalben ist problematisch, da die stöchiometrische Verdünnung nicht linear mit der biologischen Wirksamkeit korreliert. Galenische Instabilitäten können die Freisetzung des Wirkstoffs unvorhersehbar verändern.
Einsatz von Urea (Harnstoff): Die Wirkung ist stark konzentrationsabhängig. Während 2–5% penetrationsverstärkend und hydratisierend wirken, entfalten Konzentrationen über 10% keratolytische Effekte. Aufgrund des Irritationspotenzials ist bei Kindern unter drei Jahren Vorsicht geboten. - In dieser Episode begrüße ich Prim. Priv.-Doz. Dr. Robab Breyer-Kohansal, Leiterin der Pulmologie an der Klinik Hietzing und Initiatorin der LEAD-Studie, der größten epidemiologischen Studie Österreichs mit über 15.000 Teilnehmerinnen seit 2012.Wir sprechen über das, was Lunge und Haut tief verbindet: dieTyp-2-Inflammation.
Zwei Oberflächenorgane, eine gemeinsame Biologie
Haut und Lunge sind beides Epithelorgane, eines außen, eines innen. Beide kämpfen mit denselben Fragen: Barrieredefekt zuerst oder Entzündung zuerst? Und warum werden Patient:innen mit schwerer atopischer Dermatitis und Asthma bronchiale 2026 immer noch getrennt behandelt?
Die Typ-2-Inflammationskaskade: von IL-4 bis IL-31
Welche Interleukine spielen die entscheidende Rolle – IL-4, IL-5, IL-13, IL-31, IL-33, TSLP und wo unterscheiden sich die Schwerpunkte in Dermatologie und Pneumologie? Warum ist die Eosinophilenzahl von 300/µl der klinisch relevante Cutoff, den viele Labore unterschreiten?
Was fragt ein Dermatologe, und was sollte ein Pneumologe anschauen?
Drei Fragen reichen für den Asthmaverdacht: Husten Sie nachts? Haben Sie Atemnot? Hören Sie ein Atemgeräusch? Robab erklärt außerdem, warum das Peak-Flow-Meter noch immer unverzichtbar ist, und was FeNO als Compliance-Parameter verrät.
Biologika als Therapierevolution
Dupilumab (Anti-IL-4/IL-13-Rezeptor), Anti-IL-5-Strategien, Anti-TSLP: Remission beim schweren Asthma ist heute bei30-50 % der Patient:innen erreichbar, etwas, das vor zehn Jahren undenkbar war. Was bedeutet das für die Kortisonreduktion, für Komorbiditäten wie Nasenpolypenund eosinophile Ösophagitis, und für die Prävention des atopischen Marsches bei Kindern?
JAK-Inhibitoren in der Dermatologie angekommen, in der Pneumologie im Anmarsch
Topische JAK-Inhibitoren stehen kurz vor der Zulassung in der Dermatologie. Robab schaut mit offenem Neid herüber und fragt sich, wann der erste inhalative JAK-Inhibitor in einer Studie landet.
Tissue Resident Memory T-Cells und Disease Modification
Warum kommt das atopische Ekzem immer an derselben Stelle? Weil pathologische gewebsständige Gedächtnis-T-Zellen dort sitzen und sich nicht vertreiben lassen. Was passiert, wenn man sie gezielt eliminiert? Hier könnte die nächsteTherapierevolution liegen.
Schwangerschaft, Epigenetik, Late-onset-Erkrankungen
Wenn die Großmutter geraucht hat, steigt das Asthmarisiko beim Enkelkind. Und was macht man bei einer Biologika-Patientin mit Schwangerschaftswunsch? Robab antwortet: tiefenentspannt und Christian erklärt warum.
Mehr zu meinen Gästen & zu Wayfinder:
🌐 www.wayfinder.at
Prim. Priv.-Doz. Dr. Robab Breyer-Kohansal, Klinik Hietzing, Pulmologie | LEAD-Studie (seit 2012, >15.000 Teilnehmer:innen)
Wayfinderist ein Podcast für Fachärztinnen und Fachärzte. Die besprochenen Inhalte ersetzen keine individuelle medizinische Beratung.
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Disclaimer für Patienten: Alle Angaben sind ohne Gewähr und ersetzen den Arztbesuch nicht.
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