17 Episoden
- Prof. Dr. Markus Müller, Rektor der MedUni Wien mit rund 9.000 Studierenden, erläutert eingangs, dass gute Medizin je nach Fachdisziplin unterschiedliche Talente erfordert – vom handwerklich begabten Chirurgen bis zur empathischen Psychiaterin. Im Gespräch mit Moderatorin Birgit Fenderl schildert sein eigenes Studium vor rund 30 Jahren als fachlich lückenhaft und wenig patientennah, da der erste strukturierte Patientenkontakt erst nach Jahren erfolgte, während heute ab dem ersten Studientag Praxiskontakt besteht. Empathie lässt sich laut Müller zumindest teilweise trainieren, etwa durch Kooperationen mit dem Haus der Barmherzigkeit oder durch Gespräche mit Schauspielpatienten, die aufgezeichnet und analysiert werden. Beim umstrittenen Aufnahmetest MedAT verteidigt er das Verfahren als einzige objektive und rechtssichere Methode, um aus jährlich rund 15.000 Bewerberinnen und Bewerbern geeignete Studierende auszuwählen, wobei auch emotionale Fähigkeiten gemessen werden. Kommunikationsprobleme zwischen Ärztinnen und Patientinnen führt er weniger auf die Ausbildung als auf ein zu komplexes, überlastetes Gesundheitssystem zurück, unter dem auch junge Mediziner und Medizinerinnen selbst leiden. Er beschreibt den Wandel von der Reparaturmedizin über Penicillin-Ära hin zu Prävention, Früherkennung und medikamentösen Ansätzen wie einer einmal jährlich verabreichten Cholesterintherapie. Unter Berufung auf Viktor Frankl, den er persönlich als Patient betreute, plädiert Müller für ein humanistisches Menschenbild neben der naturwissenschaftlichen Perspektive. Abschließend beschreibt er, wie KI-Tools bei Tumorboards heute schon nahezu deckungsgleiche Therapieempfehlungen liefern und Ärztinnen und Ärzten künftig mehr Zeit für den menschlichen Kontakt verschaffen könnten.
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Buch "... trotzdem ja zum Leben sagen" (Morawa)
Buch "Deep Medicine" (Amazon)
Folge #15 von "Wirkstoff Mensch" mit Herwig Ostermann
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27.08.2026 | 44 Min.In dieser Episode dreht sich alles um das österreichische Gesundheitssystem und seine Zukunft. Das Gesundheitssystem ist leistungsfähig und komplex organisiert, bringt aber für viele Menschen spürbare Zugangsprobleme mit sich. Herwig Ostermann, Geschäftsführer der Gesundheit Österreich GmbH, erklärt bei Moderatorin Birgit Fenderl, warum Primärversorgungseinheiten als wohnortnahe erste Anlaufstellen ausgebaut werden sollen: Teams aus Medizin, Pflege und weiteren Gesundheitsberufen sollen längere Öffnungszeiten, bessere Erreichbarkeit und koordiniertere Versorgung ermöglichen. Einzelordinationen sollen dabei nicht verschwinden, aber durch größere multiprofessionelle Strukturen ergänzt werden.
Auch spezialisierte ambulante Zentren und eine stärkere Konzentration komplexer Leistungen sollen helfen, Qualität und Versorgungssicherheit zu verbessern. Telemedizin und Digitalisierung können Wege verkürzen und neue Zugänge schaffen, ersetzen den persönlichen Kontakt aber nicht. Künstliche Intelligenz sieht Ostermann vor allem als Unterstützung in Forschung, Diagnostik und Zweitmeinungsverfahren – unter menschlicher Kontrolle.
Ein weiterer Schwerpunkt in dieser Folge ist der zunehmende Personalbedarf in Pflege und Medizin: Entscheidend seien attraktive Arbeitsbedingungen, faire Bezahlung, Qualifizierung und nachhaltige Karriereperspektiven. Prävention müsse über das Gesundheitssystem hinaus gedacht werden, etwa bei Ernährung, Bewegung, Bildung und sozialer Infrastruktur. Für die Zukunft bis 2040 erwartet Ostermann mehr digitale Angebote, mehr Primärversorgung und ambulante Zentren sowie eine weitere Spezialisierung der Spitalslandschaft. Der Maßstab für eine gerechte Gesundheitsversorgung bleibe dabei, wie gut jene Menschen unterstützt werden, die über die geringsten eigenen Ressourcen verfügen.
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Safe Hearts Plan
#12 Demenz verändert nicht den Wert eines Menschen (Podcast Wirkstoff Mensch)
#14 Adipositas-Behandlung erfolgt nicht durch Handauflegen (Podcast Wirkstoff Mensch)
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Logo: PMC-AV-88814 / 04.2025#14 "Adipositas-Behandlung erfolgt nicht durch Handauflegen" - mit Dr. Bianca-Karla Itariu
06.08.2026 | 21 Min.Adipositas-Expertin Dr. Bianca-Karla Itariu beschreibt Adipositas als chronische, schubförmige Krankheit, die sich über eine erhöhte Fettmasse und eine Fettgewebsdysfunktion auszeichnet. Im Gespräch mit Moderatorin Birgit Fenderl erklärt sie, wie überschüssiges Fettgewebe insbesondere im Bauchraum und an Organen wie Leber und Herz gespeichert wird und dort zu schweren Folgeerkrankungen führen kann. Adipositas ist stark erblich, viele beteiligte Gene sitzen im Gehirn und beeinflussen, wie Menschen auf eine hochkalorische Umwelt mit Nahrungsmittelwerbung, versteckten Kalorien und „per Design“ verführerischen Lebensmitteln reagieren. Lebensstiländerungen allein führen laut Studien meist nur zu etwa 5% Gewichtsreduktion mit hoher Wahrscheinlichkeit des Wiederzunehmens, weshalb die Beschränkung auf reine Präventionsratschläge als Therapie nicht ausreicht. Dr. Bianca-Karla Itariu kritisiert Body Shaming in der Medizin und schildert, wie Beschwerden von Patientinnen häufig vorschnell auf das Gewicht reduziert werden, statt Adipositas leitliniengerecht zu behandeln. Sie fordert mehr Aus- und Weiterbildung zu Adipositas in Studium und postuniversitären Lehrgängen sowie eine klare Trennung von Prävention und Therapie, damit Betroffene Zugang zu den besten Behandlungsmöglichkeiten erhalten. Die Episode thematisiert unterschiedliche Adipositas-Phänotypen, geschlechtsspezifische Unterschiede und soziale Faktoren – mit höherem Leidensdruck bei vielen Frauen und teils gravierenden Komplikationen bei Männern schon bei niedrigerem BMI. Dr. Bianca-Karla Itariu betont die hohe Selbstverantwortung ihrer Patientinnen und Patienten, die seit Jahren vieles ausprobieren und bereit sind, viel in wirksame Therapien zu investieren, um ihr Leben mit Kindern, Enkelkindern und im Alltag aktiv gestalten zu können.
Links zur Folge:
Website Dr. Bianca-Karla Itariu
Buch "Das Gewicht unserer Körper" (Haymon-Verlag)
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Logo: PMC-AV-88814 / 04.2025- ORF-Moderator Patrick Budgen schildert im Gespräch mit Moderatorin Birgit Fenderl und Lilly-Österreich-Geschäftsführer Mario Haller anlässlich des "Cancer Survivor Day" seinen langen Weg zur Diagnose Hodgkin-Lymphom, in dem er trotz zahlreicher Untersuchungen zunächst immer wieder als „pumperlg'sund“ nach Hause geschickt wurde – bis in der Klinik Favoriten ein weit fortgeschrittenes Lymphom entdeckt wurde. Er beschreibt den Schock des Diagnosegesprächs und die Bedeutung jedes Wortes („Sterben ist momentan kein Thema“). Besonders prägend waren für ihn die Behandlung während der frühen Corona-Pandemie mit Isolation ohne Besuch, das Schreiben eines Tagebuchs, das später zu einem Buch wurde, und Rückmeldungen von Betroffenen, denen seine Geschichte Mut macht. Er betont, wie sehr Hartnäckigkeit und Vertrauen ins eigene Körpergefühl ihm laut Ärzten das Leben gerettet haben, und wie die Erfahrung ihn weniger hypochondrisch, dafür direkter, bewusster und dankbarer für Arbeit und Alltag werden ließ.
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Buch "Einsiedlerkrebs" von Patrick Budgen
Österreichische Krebshilfe
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Logo: PMC-AV-88814 / 04.2025 - Marianne Buchegger leitet ein Tageszentrum für Menschen mit Demenz im 3. Wiener Gemeindebezirk, ist Lehrgangsleiterin „Begleitend bei Demenz“, lehrt in der Palliative Care und verantwortet den Blog von Hospiz Österreich. Im Gespräch mit Moderatorin Birgit Fenderl und Mario Haller, Geschäftsführer Lilly Österreich, beschreibt sie das Tageszentrum als „Wohlfühlort“ mit Fahrtendienst, gemeinsamer Tagesstruktur und vielfältigen Angeboten von Virtual-Reality-Gedächtnistraining über Yoga, Mal- und Musikangebote bis hin zu tiergestützter Therapie und psychologischer Begleitung. Im Gespräch wird die große Scham deutlich, die mit kognitivem Abbau in einer leistungsorientierten Gesellschaft einhergeht, sowie die Hürde, dass Tageszentren oft mit Pflegeheimen und „Abschieben“ verwechselt werden. An eindrücklichen Beispielen – etwa einem Gast, der seine schützende Jacke erst nach Wochen ablegt – zeigt Buchegger, wie Vertrauen wächst, Personen „aufblühen“ und verborgene Fähigkeiten, wie künstlerische Talente, wieder sichtbar werden. Sie betont, dass Tageszentren nicht nur für Betroffene präventiv gegen Einsamkeit, Bewegungsmangel und Stress wirken, sondern auch Angehörige entlasten, die oft selbst stark belastet, vereinsamt und von Erwartungen überfordert sind. Im Blick auf Österreich lobt sie die dichte, niederschwellige Tageszentrumsstruktur in Wien, macht aber klar, dass es flexiblere, aufsuchende Angebote, Case-Management und eine bessere Unterstützung in den Bundesländern braucht. Buchegger kritisiert die rein negative mediale Darstellung von Demenz und plädiert für mehr öffentliche Räume des Austauschs – etwa Demenz-Meets und Angehörigennetzwerke – um Stigma abzubauen und zu zeigen, dass ein gutes Leben mit Demenz möglich ist. Zum Schluss wirbt sie für niedrigschwelligen Erstkontakt: Tageszentren können unverbindlich besucht werden, „Anschauen kostet nichts“, und niemand bindet sich endgültig – vielmehr geht es darum, ein passendes, wertschätzendes Angebot zu finden.
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Gastbeitrag von Marianne Buchegger im STANDARD
CS Caritas Socialis Demenz- und Alzheimerbetreuung
Verein Desideria
IG Pflege
Tirol Kliniken Demenz
Connexia
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Über Wirkstoff Mensch
Was macht Medizin und Forschung wirklich lebendig? Es sind nicht nur die Formeln im Labor oder die Studien auf dem Papier - es sind die Menschen dahinter: Forscher:innen, die nach Lösungen suchen. Ärzt:innen, die nicht Krankheiten behandeln, sondern den Menschen als Gesamtes sehen und gute Lebensmomente bewahren wollen. Und vor allem: Betroffene, der Vater, die Freundin - Menschen wie du und ich, deren Geschichten uns berühren und antreiben. Willkommen bei "Wirkstoff Mensch", dem Podcast von Lilly!
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