Der Speyerer Bischof musste sich wegen einer Depression eine Auszeit von sieben Monaten nehmen und zwei Monate in einer Klinik behandeln lassen. Karl-Heinz Wiesemann erklärt im Live-Podcast "Raus aus der Depression" auf dem Deutschen Katholikentag in Würzburg, dass er schon längere Zeit die Grenzen seiner körperlichen und psychischen Belastbarkeit gespürt habe. Finanzprobleme und Änderungsprozesse im Bistum, vor allem aber der Missbrauchsskandal in der Kirche sei ihm dann so sehr an die Nieren gegangen, dass er krank geworden sei. "Ich habe gelernt, mit Ohnmachtserfahrungen umzugehen, Hilfe anzunehmen und mich auf das Positive, auf das Schöne in der Welt zu konzentrieren", erzählt der Bischof im Gespräch mit Entertainer Harald Schmidt.
"Es war eine Zeit, die für mich nicht einfach, aber notwendig war", sagt der Bischof rückblickend. Während der Krankheitsphase seien ihm seine Schwächen und Grenzen, aber auch seine Stärken und Kraftquellen wieder deutlicher bewusst geworden. Sport, Kunst, Musik: Die Behandlung habe es geschafft, "meine kreativen Quellen wieder freizulegen", berichtet der 65-Jährige.
Professor Ulrich Hegerl betont in dieser Folge erneut, dass es keine Schwäche sei, sich in einer beginnenden Depression möglichst schnell Hilfe von außen zu holen. "Depressionen sind eigenständige, schwere Erkrankungen und mehr als eine Reaktion auf schwierige Lebensumstände." Auch Bischof Wiesemann ermutigt Betroffene und Angehörige: "Es ist keine Schande, sich Hilfe zu holen."
Hilfsadressen für Betroffene und Angehörige:
Erster Ansprechpartner bei Verdacht auf eine Depression oder Suizidgedanken ist der Hausarzt, Psychiater oder psychologischer Psychotherapeut.
Deutschlandweites Info-Telefon Depression: 0800 33 44 5 33 (kostenfrei)
Wissen, Selbsttest und Adressen rund um das Thema Depression
www.deutsche-depressionshilfe.de
Hilfe und Beratung bei den sozialpsychiatrischen Diensten der Gesundheitsämter
Fachlich moderiertes Online-Forum zum Erfahrungsaustausch
www.diskussionsforum-depression.de
Für Angehörige
www.bapk.de und www.familiencoach-depression.de
Der Podcast ist eine Kooperation von NDR Info mit der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention.
Podcast-Tipp: Wie geht's? mit Robin Gosens. Der Fußball-Profi spricht mit seinen Gästen alle zwei Wochen über mentale Gesundheit:
https://1.ard.de/Wie-gehts_Podcast